Bernd Naber aus Neunkirchen am Brand dürfte der erste Deutsche sein, der von den Vertretern einer großen Stadt in Albanien die Würde eines Ehrenbürgers erhält. Die Stadt heißt Durrës. Sie ist mit über 113.000 Einwohnern die zweitgrößte des Landes. Und sie ist für den 53-jährigen Unternehmer aus der Gemeinde im Landkreis Forchheim so etwas wie die zweite Heimat.

Die Würde, die er demnächst erhalten soll, hat sich Naber ebenso hart wie redlich erarbeitet. Sein Unternehmen, das seinen Familiennamen trägt, hat in den vergangenen 15 Jahren in Albanien 650 Arbeitsplätze geschaffen. "Ich kenne keinen deutschen Unternehmer, dem Ähnliches gelungen ist", legt der Oberfranke ganz kurz mal die Bescheidenheit ab, die ihn und seine Landsleute für gewöhnlich ehrt.

Vor 16 Jahren hat er in Albanien begonnen, Blusen, Röcke, Kleider und Hosen herzustellen. Auf Albanien ist er eher zufällig aufmerksam geworden. Ein Textilunternehmen in Shijak, einer Nachbargemeinde von Durres, hatte sich übernommen, stand zum Kauf. Und Bernd Naber griff zu. "Das war schon ein Risiko, und in den ersten Jahren gab es auch schon einmal Tage, an denen wir zweifelten, ob es richtig war, in diesem Land zu investieren", gibt Naber zu.

Das richtige Näschen

Doch er hatte das richtige Näschen und knüpfte die richtigen Kontakte. Heute ist er das, was im modernen Deutsch gut vernetzt heißt. Er kennt die richtigen Leute, die wieder viele andere wichtige Leute kennen - in einem Land, dessen Demokratie immer noch dabei ist, sich zu entwickeln, das Wichtigste, um erfolgreich wirtschaften zu können.

Zum Beispiel Nasmi Grori. Er ist so etwas wie Nabers verlängerter Arm in Albanien. Wie wertvoll der sein kann, das zeigte sich vor zwei Jahren. Die Produktion der Firma Naber in Shijak hatte sich stabilisiert. Die Nachfrage, nicht zuletzt aus Italien, dem wichtigsten Handelspartner Albaniens, war gestiegen. Und viele Modefirmen wollten nach dem tragischen Unfall in Bangladesh weg von dem Image, dass sie dort unter mindestens fragwürdigen Bedingungen produzieren ließen.

Naber suchte erst ein leerstehendes Fabrikgebäude, dann ein Grundstück. Nasmi Grori fand auch letzteres rasch, und der Deutsche baute in Durrës "Naber 2", seine zweite Fertigungsstätte. Dort hat er die Palette erweitert, stellt nun auch Jeans in großem Umfang her, unter anderem auch für die Marke Versace.

Niedriges Lohnniveau

650 Mitarbeiter, vor allem weiblichen Geschlechts, arbeiten mittlerweile für den Deutschen. Und der ist mit seinem mittlerweile etablierten Standort hoch zufrieden. Natürlich spielt das niedrige Lohnniveau in diesem zweitärmsten Land Europas nach der Republik Moldawien eine entscheidende Rolle: "Würden wir in Deutschland produzieren, so wären wir mit unseren Produkten nicht konkurrenzfähig."

Die Arbeitskosten, vor allem in solch personalintensiven Branchen wie der Bekleidungsindustrie seien eben im Heimatland so hoch, dass kaum noch jemand hier produzieren lässt. Bei der Firma Trigema gelinge dies nur, indem sie den gesamten Vertrieb in eigenen Läden organisiere. Und wenige andere müssten dann eben hohe Preise verlangen wie etwa Bruno Banani.

Weil Naber aber versucht, ansprechendes Design mit vernünftigen Preisen zu verbinden, bleibt ihm nur der Weg dorthin, wo die Menschen mit wenig Lohn zufrieden sind. Seine Näherinnen verdienen etwa ein Sechstel von dem, was er Kolleginnen aus Deutschland zahlen müsste. "Aber sie können gut davon leben, nicht zuletzt, weil aus der Zeit der Diktatur die meisten Familien in Albanien ganz preiswerte oder schon abbezahlte Wohnungen besitzen und der Lebensunterhalt sehr günstig ist."

Und so erhält der Unternehmer, der in seinem Heimatort Neunkirchen noch einmal etwa 65 Mitarbeiter für Design, Rechnungswesen und Logistik beschäftigt, Bestätigung nicht nur durch den Orden, der ihm angeheftet werden soll. "Ich habe auch von den Mitarbeitern noch nie so etwas wie Neid verspürt", sagt Naber.

Die Albaner seien dankbar dafür, dass hier einer kommt, der ihnen Arbeit gibt. Und Nabers Kunden, die Endverkäufer, unter anderem auch Versandfirmen wie Baur oder Witt, wissen, dass Qualität und Preis stimmen. Dass das so bleibt, dafür sorgt der Chef auch selbst - in den gut zehn Wochen im Jahr, die er selbst im Südosten Europas verbringt.

Die Technikerin ist vor Ort

Noch häufiger vor Ort ist seine Technikerin Regina Brielmann, die das Geschehen an beiden Firmenstandorten kontrolliert. Sie hat in den vergangenen sieben Jahren erlebt, wie es ihrem Chef gelingt, seine Rolle als Partner der Mitarbeiter zu festigen. "Er geht auf jeden zu und lädt auch gerne mal den engeren Kreis seiner leitenden Mitarbeiter in sein Haus auf dem Firmengrundstück ein." Und Naber bestätigt indirekt: "Wenn schon mal etwas schiefläuft, dann muss ich mich fast schon zwingen, mal laut zu werden oder vor Wut mal etwas auf den Boden zu knallen."

Kommt "Naber 3"

Ein Stichwort von ihm hört allerdings auch seine engste Mitarbeiterin nicht ganz so gerne: Naber 3. Nachdem auch sein zweites Werk voll ausgelastet ist, liebäugelt der Oberfranken damit, noch einen dritten Standort zu eröffnen. Er hätte dafür auch schon einen Ort im Auge. "Das ist aber Zukunftsmusik", relativiert er sofort.
Wer den ruhigen, gleichwohl entschlossenen Typen kennt, der ahnt: Lange will Naber dieser Musik nicht hinterherlaufen. Obwohl er das könnte. Denn sein Stehvermögen holt sich der Unternehmer im Ausdauersport. Und Stehvermögen hat Bernd Naber zur Genüge bewiesen. von Wolfgang Neidhardt