Stellt ein Stadtbaum lediglich ein dekoratives Element im Stadtbild dar oder kommt ihm doch eine weitreichendere Bedeutung zu? Dieser Frage widmet sich eine vom Bund Naturschutz (BN), Kreisgruppe Forchheim, organisierte Ausstellung in der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse Forchheim. Aufgrund der steigenden Corona-Fallzahlen auch im Landkreis Forchheim wurde auf eine offizielle Eröffnungsfeier verzichtet. Umso herzlicher ergeht an alle Interessierten die Einladung, die Ausstellung im Rahmen der regulären Öffnungszeiten unter den geltenden Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln zu besuchen. "Denn", so Ewald Maier, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Forchheim, in seinem ausstellungsbegleitenden Grußwort, "wir begrüßen es sehr, dass wir in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz durch diese besondere Ausstellung einen Beitrag zur Umweltbildung leisten können. Dieses Anliegen unterstützt die Sparkasse Forchheim sehr gerne, indem sie den Raum dafür bietet."

Zum Ausstellungsauftakt gingen Ulrich Buchholz, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe, Axel Schauder, Vorstandsmitglied und Projektleiter der Ausstellung, sowie Stadträtin und Zweite BN-Vorsitzende Edith Fießer anhand der vielen, informativ gestalteten Plakate auf die Bedeutung der Stadtbäume ein. Ulrich Buchholz sagte: "Oftmals werden groß gewachsene Bäume in den Städten als störender Faktor empfunden, weil sie nicht in Bebauungskonzepte passen oder zusätzliche Parkräume verhindern. Dabei stellen Bäume in vielerlei Hinsicht einen Zugewinn für jede Stadt dar."

"Je älter ein Baum ist, desto größere ökologische Bedeutung besitzt er", führte Edith Fießer aus. So bietet er Lebensraum für viele Tiere, sein Laub filtert Stickoxide, Fein- und Grobstaube aus der Luft heraus, seine Wurzeln verhindern einen zu starken Wasserabfluss. Axel Schauder konkretisierte einen weiteren Aspekt: "Der Klimawandel macht sich unter anderem mit immer neuen Hitzerekorden längst auch in unserer Region bemerkbar. Auf dem heißen Pflaster einer Innenstadt verursachen die hohe Wärmespeicherfähigkeit von Asphalt und Beton sowie der hohe Versiegelungsgrad einen Hitzestau. Vor allem an zentralen Plätzen - in Forchheim sind dies zum Beispiel der Rathausplatz und der Paradeplatz - werden immer höhere Temperaturen gemessen. Darunter leidet letztlich auch die Vitalität der Menschen." Hier gewinnen die Grünflächen und ganz besonders die Stadtbäume zunehmend an Bedeutung. Als "grüne Klimaanlage" verdunsten Laubbäume Wasser, entziehen dadurch der Luft Wärme und senken die Temperaturen in den Innenstädten. Durch die schattenspendenden Baumkronen wird der darunterliegende Boden ebenfalls abgekühlt. Mit dieser Einwirkung auf das Stadtklima nimmt der Stadtbaum somit direkten Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen.

"Bäume sind in der Stadt jedoch selbst einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt", zeigte Ulrich Buchholz auf. Im Sommer droht auch ihnen Sonnenbrand, da die Häuser die Wärme abstrahlen. Bodenverdichtung und Bodenversiegelung erschweren ihnen ebenfalls das Leben. Überdies macht ihnen das im Winter ausgebrachte Streusalz zu schaffen. Axel Schauder erläuterte, wie die städtischen Pflanzkonzepte die in der Vergangenheit gewonnenen Erkenntnisse berücksichtigen. In den letzten Jahren sind beispielsweise viele Borken im Stammbereich aufgerissen. Zurückzuführen ist dies auf Kultivierungsmaßnahmen, durch die zu viel Licht und Wärme an den Baumstamm gelangen, was dann zu Hitzespannungen führen kann. "Daraus hat man gelernt", erläuterte Axel Schauder, "die natürliche Wuchsform wird jeweils möglichst belassen. Zudem erhält jeder neu gepflanzte Baum anfangs auch einen eigenen Sonnenschutz im Stammbereich." Auch werden bei Neupflanzungen hitzetolerantere Baumarten ausgewählt, zum Beispiel Eschen oder Silberlinden. Zu den 50 bis 100 Bäumen, die im Forchheimer Stadtgebiet jährlich neu gepflanzt werden, zählen auch ein Persischer Eisenholzbaum in der Birkenfelderstraße oder die Säulenulmen-Allee in der Egloffsteinstraße.

"In der Stadtentwicklung müssen im Hinblick auf die steigenden Temperaturen in den Innenstädten sogenannte Frischluftschneisen und Hangwiesen erhalten werden", fasste Ulrich Buchholz zusammen. Grüngürtel oder Grünbrücken im gesamten Stadtgebiet verbessern ebenfalls das Stadtklima und die Luftqualität. Edith Fießer regte an: "Eine ausladende Rosskastanie eignet sich sicher nicht für jeden Hausgarten, aber für einen kleineren Obstbaum findet sich immer irgendwo ein geeignetes Plätzchen. Wer sich unsicher ist, welche Baumart sich für den heimischen Garten eignet, kann sich im städtischen Gartenbauamt gerne Anregungen und Pflanztipps holen."

Die Ausstellung ist während der allgemeinen Öffnungszeiten der Sparkasse Forchheim in der Klosterstraße 14 noch bis einschließlich 30. Oktober zu besichtigen. Über diesen Rahmen hinaus will sie auch einen Impuls geben, die vielen Bäume entlang Forchheims Straßen, auf den Plätzen, in den Parks und Gärten einmal ganz bewusst wahrzunehmen. Zu den persönlichen Top 10 unter den Stadtbäumen Forchheims zählt für Axel Schauder die Roteiche im Kaiserpfalzgraben, die gerade in diesen Tagen mit einer wunderbaren Herbstfärbung die Blicke auf sich zieht. "Bäume sind schließlich nicht nur ökologische Multitalente, sondern gestalten die Stadt als Lebensraum mit", bekräftigte auch Edith Fießer, "zu meinen erklärten Lieblingsbäumen zählt die Blutbuche vor dem Herder-Gymnasium."