von Michaela Hutterer

Forchheims Innenstadt boomt. Ob Familien, Singles oder Senioren - sie alle drängen in Forchheims Innenstadt. Auch beim Klostergelände ist die Nachfrage groß. Dabei sind die Pläne fürs Klostergelände noch nicht einmal fertig geschweige denn spruchreif, heißt es beim Erlanger Bauträger Sontowski. Vor Herbst werde der Vertrieb nicht beginnen.
Dass viele Senioren nach Innenstadt-Objekten suchen, wundert Maklerin Martina Hübner nicht. Aufgrund der demographischen Entwicklung werde Barrierefreiheit bald wichtiger sein als die Anzahl der Kinderzimmer. Doch die wenigsten Wohnungen sind seniorengerecht. "Viele Senioren möchten aber möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben", sagt Hübner.

Nicht zu lange warten

Die Folge: Manche Senioren entschließen sich dazu, noch einmal selbst zu bauen. Woher kommt die Baulust der betagten Bauherren? Es sind viele Gründe. "Viele Senioren trennen sich von ihren großen Häusern, weil die Arbeit im und ums Haus zunehmend Mühe macht. Es fehlen zuverlässige Dienstleister für Haus und Garten oder das Geld dafür. Wohnen die Kinder weit entfernt oder haben kein Interesse am einstigen Familienheim, planen viele Senioren neu", beobachtet Hübner. Auch Ehepaar Haller plante neu. Treppensteigen, Garten pflegen, Straße kehren, Schneeschippen - all das wollten sie nicht mehr. "Du musst deine Kräfte und Wünsche ehrlich einschätzen und rechtzeitig handeln", sagt Axel Haller. "Viele leben so dahin, bis es nicht mehr geht oder einer stirbt. Das wollten wir nicht. Wir planen den letzten Lebensabschnitt mit einer Immobilie, die zu uns passt", sagt der 80-Jährige.

Banken denken um

Ihre neue Wohnung wird gerade gebaut: 97 seniorengerechte Quadratmeter mit Terrasse mitten in Forchheim.
Hallers machen das, was immer mehr Senioren zwischen 60 und 75 tun: Sie denken um, überlegen einen Umbau oder wagen einen baulichen Neuanfang - notfalls mit Kredit. Banken gewähren mittlerweile auch Kunden jenseits der 70 Kredite in sechsstelliger Höhe. Zumindest dann, wenn die Bonität stimmt. "Selbstverständlich fördern wir das sogenannte zweite Wohnen", sagt der Forchheimer Volksbank-Chef Gregor Scheller. "Wir sehen seit Jahren einen Trend, sich zu verkleinern und seniorengerecht zu wohnen und unterstützen das", bestätigt Vorstandskollege Harald Reinsch von der örtlichen Sparkasse.
Beliebt ist in diesem Zusammenhang oft ein kurzfristiger Zwischenkredit für den Kauf des Neubaus. Getilgt wird mit dem Erlös aus dem Verkauf des Familienheims. Der Zinssatz beträgt je nach Bonität zwischen 2,0 bis 2,5 Prozent fix oder ab 1,25 Prozent variabel.
Doch Vorsicht: Nur wenn das bisherige Haus gute Preise erzielt, rechnet sich der Wohnungstausch. "Der Verkauf des Familienheims muss genug abwerfen, damit nicht nur der Neubau nebst Finanzierung gedeckt ist. Es muss auch Geld für Reisen, Hobbys und Pflege übrig bleiben", rät Dirk Scobel von der Verbraucherzentrale Hamburg.