Kurz schließe ich die Augen, nur einen kurzen Moment, um mich zu besinnen. Warum ich das tun muss- es nicht anders geht. Durch ihren Blick bin ich ins schwanken gekommen. Ist das richtig? Ich kenne die Antwort nicht. Es ist richtig für uns. Richtig für mich. Es erspart vieles, im wahrsten Sinne des Wortes. Menschlich jedoch... ist es falsch, so falsch wie etwas nur sein kann. Natürlich ist es das. Sonst hätte ich es längst getan", liest Lilian Zargartalebi vor.
Sie ist die Zweitplatzierte eines Schreibwettbewerbes des Herder-Gymnasiums Forchheim.

Wechsel der Perspektive

Ihre Geschichte handelt von einem Hund, der aus finanziellen Gründen und schweren Herzens am Straßenrand ausgesetzt wird. "Überzeugt an dieser Geschichte hat uns der Wechsel an den Perspektiven, aus denen die Geschichte erzählt wird.
Mal schildert der Hund - die eigentliche Hauptperson - das Geschehen, dann wechselt die Autorin den Stil und lässt jemand anderen, der das Tier zum Beispiel auf der Straße sieht, erzählen. Wir fanden diese Art des Erzählens äußerst anspruchsvoll und innovativ. Besonders der authentische Schreibstil ist sehr überzeugend gewesen und hob sich deutlich von den anderen ab", berichtet die 17-jährige Lisa Kärzl.

Die Schülerin moderierte die Preisverleihung, die in der neuen Mediathek des Gymnasiums stattfand. Entstanden ist die Idee zu diesem schulinternen Wettbewerb im Rahmen des Deutsch-P-Seminares, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Mediathek für die Schüler interessant zu machen.
"Als Leitthema haben wir ,Ausgesetzt´ gewählt, ein sehr allgemeines Thema. Wir haben es ausgewählt, damit alle Jahrgangsstufen sich angesprochen fühlen und auch was damit anfangen können", erklärt Lisa, "als kleine Einstiegshilfe haben wir den Anfang einer Geschichte und einen Cartoon mit einer angeleinten Seniorin auf die Aushängeschilder gedruckt, um die Kreativität der Jungautoren ein bisschen anzuregen."

Total unterschätzt

Die Moderatorin berichtet weiter: "Ich muss auch ehrlich zugeben, dass ich den Schreibwettbewerb auch selbst total unterschätzt hab. Ich dachte eigentlich, wir werden ein paar nette Geschichten zu lesen bekommen, aber mit so vielen interessanten Ansätzen und Ideen habe ich nicht gerechnet."
Zu diesen gehört auch die Gewinnerin des Wettbewerbes, Enja Schling. Die 16-Jährige orientierte sich an etwas ganz anderem: Sie fasste das Thema auf der sinnbildlichen Ebene auf und schrieb über das Aussetzen von Erinnerungen.

"Ich kann mich sehr gut in die Hauptperson hineinversetzen, da ich selbst ein bisschen verträumt bin", erzählt die Autorin der Gewinnergeschichte mit einem Lächeln. Ihre künstlerische Ader zieht Kreise. "Ich bin sehr kunstinteressiert und kann mir gut vorstellen, später etwas in die Richtung zu machen. Am liebsten würde ich Mangaka werden, das sind die Autoren, die die japanischen Comics zeichnen und schreiben."
Das wäre für sie eine optimale Mischung aus ihren großen Leidenschaften: dem Zeichnen und dem Schreiben.