Von AC/DC über Nirvana bis zu fast unbekannten Punk-Bands aus den 90er Jahren: In der Sammlung von Michael Lingg findet sich so manches Schmuckstück der Musikgeschichte. "Ich sammle eigentlich nur Originale", sagt der 35-Jährige.

Begonnen hat seine Sammelleidenschaft schon im Alter von 15 Jahren. "Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, meine erste Platte war 'Tutti Frutti' von Elvis Presley." Die hat er damals bei seinen Eltern gefunden - und hat sie bis heute. "Der Sound einer Vinyl klingt ganz anders", stellt der Sammler immer wieder fest, "es ist halt authentisch und Platten sehen einfach schön aus."


Äußere und innere Werte


Dabei sind es nicht nur die mit Liebe gestalteten Cover, die die Platten zu etwas Besonderem machen. "Es sind eben nicht alle Platten nur schwarz", klärt Michael Lingg auf.
Viele der Scheiben haben besondere Farben, werden in kleiner Auflage mit verschiedenen Mustern gestaltet. Mit nur einem Handgriff weiß Michael Lingg, wo er diese besonderen Stücke findet. "Momentan sind sie nach Genres sortiert, aber ich räume sie auch häufig mal um", sagt er.

Seine Leidenschaft hat ihm mittlerweile eine stolze Sammlung von knapp 1200 Stück erbracht. Mit einem geschätzten Gesamtwert von rund 30 000 Euro. "Klar ist es auch irgendwie eine Wertanlage", sagt der 35-Jährige lachend, "aber alle auf einmal verkaufen würde ich nicht."

Sein wertvollstes Stück ist eine Originalplatte von Motorhead aus den 90ern. Die ist ungefähr 300 Euro wert. "Damals dachten die Plattenfirmen noch, Vinyl sei tot", erklärt Lingg. Deshalb wurden nur kleine Auflagen gepresst. "Da sind Platten aus den 60ern viel weniger wert, obwohl sie älter sind", sagt er, "denn sie wurden in einer höheren Auflage produziert."

In den letzten 20 Jahren, in denen er schon sammelt, hat sich aber einiges geändert. "Die Preise sind förmlich explodiert", beschreibt Lingg eine der Veränderungen. "Wenn man in Erlangen in den Plattenladen geht, findet man keine Platte unter 20 Euro." Außerdem werden in den letzten Jahren viele Platten neu aufgelegt. Und zu fast allen Platten gibt es entweder die CD oder einen Download-Code dazu, denn Platten können unterwegs nicht gehört werden

Die Beschaffung - auch älterer Platten - ist meistens gar nicht so schwer. "Im Internet gibt es viele Tauschbörsen", weiß Lingg, "man muss manchmal halt warten, denn ich zahle prinzipiell nicht den Sammlerpreis."

Momentan wartet er darauf, eine Platte der belgischen Punkband "The Kids" aus den 90ern zu bekommen - das Original, versteht sich. "Früher oder später bekommt man die dann auch zu einem angemessenen Preis", meint er.

Es gibt aber auch besonders teure Platten. Dazu gehören die Scheiben der Beatles. Kürzlich ist bei einer Auktion die teuerste Platte der Welt - natürlich von den Beatles - über den Tisch gegangen: für 24 000 Euro. So viel sind die Platten von Michael Lingg nicht wert, aber das ändert nichts an der Leidenschaft. "Ich habe nicht mal einen Fernseher", sagt er, "das Meiste meiner Freizeit verbringe damit, online nach Platten zu schauen."