Ist die Behelfsbrücke für Fußgänger bereits geöffnet oder nicht? Eine Frage, die sich nicht nur Cornelia Dorn am Freitagvormittag von der Bayreuther Straße kommend auf ihrem Weg zum Forchheimer Bahnhof stellt. Von Weitem sieht sie auf der Behelfsbrücke einen Passanten - sie zögert trotzdem.

"Wäre ich nicht über die Behelfsbrücke gekommen, hätte ich zurücklaufen müssen und hätte vielleicht meinen Zug verpasst", sagt sie, während sie mit einem Koffer an Gleis 2 auf ihren Zug wartet.
Die Weilersbacherin entschied sich letztlich für die "sichere" Variante über die Eisenbahnbrücke. Ganz geheuer ist ihr der neue Behelfssteg ohnehin noch nicht.
"Wenn ich mir die vielen und sehr steilen Stufen so anschaue, würde ich zumindest mit Koffer weiterhin den Umweg über die Eisenbahnbrücke nehmen", sagt Cornelia Dorn, "für Pendler wird das zum richtigen Frühsport." Nach langem Warten ist der Fußgängersteg nun offen - angepeilt war ein Termin Mitte August.

Als Grund für die letzten Verzögerungen gab ein zuständiger Bahn-Mitarbeiter in Nürnberg am Freitag auf Nachfrage an, dass Dokumente der Baufirma gefehlt haben, die man erst kürzlich erhielt. Dass die Fußgängerbrücke bereits zugänglich ist, wissen am verregneten Freitagvormittag nur die wenigsten Pendler auf den Gleisen 2 und 3.

Eine Beschilderung gibt es nicht. Einzig die Absperrungen an den Geländern wurden entfernt und der Bauzaun auf der Ostseite geöffnet. "Es fehlen Schilder, da traut man sich so gar nicht drauf", klagt Cornelia Dorn.
Eine entsprechende Beschilderung wird es nach Auskunft der Bahn auch vorerst nicht geben, da der Steg als "bahnhof-internes" Objekt bisher noch keine Gleisanlagen miteinander verbinde. Im Planfeststellungsverfahren des Bauabschnitts sei zudem nicht enthalten, dass es sich bei der Behelfsbrücke um einen Ersatz für die gesperrte städtische Unterführung handelt, ließ ein Bahn-Mitarbeiter verlauten.

Die Pendler dürfte das allerdings weniger interessieren - die haben sich am Freitag einfach nur gefreut. Auch Hanna Schachenmayer aus Erlangen ist erleichtert: "Es war schon ein bisschen nervig, wenn man mindestens fünf Minuten Umweg gehen musste. Man hat sich schon jeden Tag gefragt, wann man endlich über die Brücke gehen kann", sagt die Klinikum-Mitarbeiterin, die täglich mit der Bahn nach Forchheim pendelt. Steffen Müller-Eichtmayer aus Reuth fährt täglich mit dem Zug nach Nürnberg zur Arbeit. Er war einer der Initiatoren der Protest-Aktion, bei der Bürger vergangene Woche gegen die Verzögerung demonstriert hatten. "Dass es nun doch so schnell ging, überrascht mich schon etwas", sagt Müller-Eichtmayer. "Ich wurde heute von vielen Leuten gefragt, ob das etwas mit unserer Aktion zu tun hat. Ich denke aber eher nicht." Die Behelfsbrücke hat er bereits benutzt. "Es ist einfach ein wesentlich kürzerer Weg, wenn man vom Osten her kommt", sagt er.

Probleme sieht er künftig allerdings bei der Parkplatzssuche. "Ich habe am Freitag noch um 8 Uhr einen Parkplatz auf dem Park-and-Ride-Platz auf der Ostseite bekommen, das wird es nun wohl nicht mehr geben." Ein Wermutstropfen, mit dem er und die anderen Bürger der Protest-Aktion gut leben können: Zum zweiten und letzten Mal haben sie am Freitag Nachmittag angestoßen - diesmal mit guter Laune auf der Brücke.