VON Mike Wuttke

Forchheim vor 100 Jahren: Die Kleinstadt an Wiesent und Regnitz zeigt sich in vielen fotographischen Dokumenten. Romantisch im Kern mit seinen historischen Gebäuden, Fachwerkhäusern, barockisierten Fassaden und gepflasterten Straßen, aufstrebend mit der Industrialisierung durch Weberei, Spinnerei, Papierfabrik und Folienhammer. Natürlich ist es reizvoll, die Stadt von damals mit der Großen Kreisstadt von heute zu vergleichen. Dazu regt der Bildkalender "Forchheim in alten Ansichten 2013" an, den die Bücherstube an der Martinskirche aufgelegt hat (Preis 16,95 Euro).
Hilmar Schmidt von der Buchhandlung schöpft dabei aus der umfangreichen Sammlung seines Bruders Harald.
Zum dritten Mal gibt er einen Kalender mit großformatigen, technisch aufwändig reproduzierten Fotos heraus - darunter Stadtansichten (teilweise koloriert), die unter Kennern als Raritäten gelten.
Das Kalenderblatt März zeigt einen Blick, vermutlich von der erhöhten Warte der Johanniskirche aus, auf den Bahnhof und die östlich der Bahngleise sich ausbreitende Buntweberei von Weber & Ott, deren drei Schlote über Jahrzehnte mächtig dampften. Dazwischen schiebt sich das Hotel Zettelmaier, das mit der Bahn Ankommenden gleich eine Übernachtungsmöglichkeit signalisierte.
Das November-Motiv zeigt das Hotel an der Bayreuther Straße im Detail. Die Straße querte die Bahngleise direkt; links der Gebäudekomplex des Gasthauses zur Eisenbahn und des heutigen Gartencenters Hoffmann; im Vordergrund, nur schemenhaft zu erkennen, der Ludwig-Donau-Main-Kanal.

Bäume auf dem Paradeplatz

Neben den bekannten Motiven der Hauptstraße fällt der Paradeplatz (auf dem Juni-Blatt) besonders ins Auge. Östlich der einstigen Kommandantur der Forchheimer Garnison markiert ein Geviert prächtiger Bäume den Paradeplatz, mittendrin ein Laternen-Kandelaber, der sein Licht auch auf die Mariengruppe südlich davon warf. Ein verkleinertes Abbild gibt heute die Baumgruppe auf dem neu gestalteten Marktplatz ab. Relativ unbekannt ist die Ansicht von der Burker Seite her, als der Löschwöhrd noch nicht bebaut war und die Stadt mit der Mauer ihr wehrhaftes Gesicht zeigte - schon unterbrochen vom Bau des Amtsgerichtes.
Das Februar-Motiv zeigt einen stolzen Turn-Kurs aus dem Jahr 1925 auf der Treppe des Pro-Gymnasiums; ältere Forchheimer können hier vielleicht ihren Großvater entdecken.
Ein Kellerwald-Motiv muss sein, richtigerweise auf dem Juli-Blatt, das auf das Annafest
hinweist. Es dürfte sich um den Neder-Keller handeln - und spätestens hier wünscht man sich von den Gebrüdern Schmidt textliche Hinweise, welche Örtlichkeiten aus dem alten
Forchheim sie ausgewählt haben.