VON Winfried Müller

In meinem Vokabular heißen sie "Spurter". Gemeint ist damit jene Spezies von Autofahrern, die es ganz besonders eilig hat. Vor allem im morgendlichen Berufsverkehr. Ich erkenne sie schon im Rückspiegel. Brausend kommen sie bei schrumpfendem Abstand immer näher, rücken einem auf die Blech-Pelle. "Aha, ein Spurter"!
Ungeduldig scheren sie aus, spähen nach einer Lücke im Gegenverkehr, um ihr Auto-Hopping ohne Verzögerung fortzusetzen. Tempolimits fechten sie nicht an, warum sollen 150 PS in einer 70er-Zone gezügelt werden? Ganz Hartgesottene ignorieren auch noch ein Überholverbot in so einer Zone - was soll's, werden sie argumentieren, "lahme Enten schau' ich mit im Zoo an und nicht auf der Straße". Und schließlich gelte immer noch der alte Satz: "Wo kein Kläger, da kein Richter"! Letzteres kann zumindest die eine oder andere Radarkontrolle widerlegen, so ein Foto-Shooting kann so manches Rennfahrer-Mütchen abkühlen.
Aber das sind nur Tropfen auf die heißen Öfen. Sie werden nicht zu einer wohligen Langsamkeit des Seins führen. Die Schnelllebigkeit unserer Zeit ist ja längst auf unseren Straßen angekommen und wohl auch nicht mehr von ihnen zu verbannen.
Das Wort Ruhestand bekommt plötzlich eine ganz neue Bedeutung.