Benzinpumpe: check! Stromversorgung: check! Funkverbindung: laut und deutlich! Etwas mulmig ist mir schon, als ich mit Schulleiter Michael Zistler die kleine Propellermaschine besteige. Doch kaum sind wir in der Luft, wird mir klar, was den Flieger aus Leidenschaft immer wieder in die Lüfte zieht. Unter uns ziehen Dörfer und Städte, Flüsse und Seen, Straßen und Gleise vorbei. Alles liegt uns zu Füßen, der Blick reicht bis zum Horizont. Ein unbeschreibliches Gefühl. Die Freiheit, die Reinhard Mey in "Über den Wolken" besingt, spüre ich in jeder Sekunde.

Seit 1952 heben Hobby- und Sportflieger vom Flugplatz Feuerstein ab. "Seitdem hat sich viel verändert, aber eines ist immer gleich geblieben: Die Faszination des Fliegens ist ungebrochen", erzählt Michael Zistler. Seit dem 1.
Mai ist er der neue Schulleiter der Flugschule.

Kraus bleibt an der Spitze

Doch nicht nur diese Position wurde in den vergangenen Monaten neu besetzt. Auch der Vorstand des Trägervereins hat sich teilweise neu konstituiert. "Zwar ist der erste Vorstand nach wie vor der Ebermannstadter Bürgermeister Franz Josef Kraus, doch die anderen vier Mitglieder des Leitungsteams wurden ausgetauscht", erklärt Zistler. Die Neuen sind Stephan Stöcklein, Stephan Kundörfer, Heinrich Kolem und Roland Kalb.

Auch die Flugplatzgaststätte "Hangar 7" erstrahlt in neuem Glanz. Nachdem ein neuer Pächter gefunden wurde , machte sich dieser an die Renovierung des Gasthauses. "Er hat dabei sehr gute Arbeit geleistet. Den Piloten kommt es auch auf die Atmosphäre auf dem Flugplatz an. Da gehört eine gemütliche Kneipe einfach dazu", findet Michael Zistler.

Mittlerweile fliegen wir hoch über dem Frankenland. Nach einem kurzen Schwenk über den Aischgrund, liegt uns jetzt Forchheim zu Füßen. Aus der Luft ergibt sich eine völlig neue Perspektive. Die gewohnten Gebäude und Straße wirken vertraut und fremd zugleich. "Ich kann mich nicht sattsehen", ist Michael Zistler nach 35 Jahren in der Luft immer noch begeistert.

Die Rahmenbedingungen am Flugplatz Feuerstein sind ideal: " Wir haben einen gut ausgebauten Flugplatz, perfekte Thermik für Segelflieger und die Fränkische Schweiz vor der Tür. Die Piloten wissen das zu schätzen." Was dem Schulleiter allerdings Sorgen bereitet, sind Veränderungen im Freizeitverhalten.

Konzept überdacht

"Die Menschen wollen sich nicht mehr langfristig an ein Hobby binden und viel Zeit investieren. Genau das ist aber beim Fliegen notwendig", meint der 53-jährige. Um auf diese Entwicklung zu reagieren hat die Flugschule ihr Konzept überdacht. "Wir müssen vermehrt in den Bereichen Marketing und Vertrieb investieren", erklärt der Schulleiter.

Trotzdem kann sich der Flugplatz nicht über mangelnden Zulauf beschweren. 55.000 Flugbewegungen waren es allein im letzten Jahr: "Da war ordentlich was los", lacht Michael Zistler. In den vier Sparten Ultraleicht, Motorsegler, Segelflug und Motorflug bilden Michael Zistler und seine Kollegen rund 130 Schüler aus.

Es geht in eine scharfe Linkskurve. Wir fliegen entlang der Wiesent Richtung Ebermannstadt. Nachdem mein Magen aus den Kniekehlen zurück an seinem angestammten Platz ist, können wir aus der Luft bereits die ersten überschwemmten Wiesen ausmachen. Wir ahnen noch nicht was da noch kommen wird, denn wir haben den schönsten Tag der vergangenen Woche erwischt. Es herrschen beste Bedingungen.

"Die Fliegerei hat seit jeher mit zwei Vorurteilen zu kämpfen: Fliegen ist teuer und unsicher", erklärt Michael Zistler. Doch er kann beruhigen. Durch fortschrittliche Technik und die fundierte Ausbildung der Piloten kann das Risiko minimiert werden. Die Kosten lägen pro Jahr zwischen 1500 und 2000 Euro. "Die Flieger müssen schon ein gehobenes Freizeitbudget bereitstellen", meint der Flieger.

Während unter uns die Reifenberger Kapelle thront, nähern wir uns dem Ende des Fluges. "Alpha Charlie bittet um Landeerlaubnis," sagt der Pilot dem Tower. Während wir noch ein paar Warteschleifen über dem Feuerstein drehen, wird Michael Zistler philosophisch. "Das Fliegen ist immer eine Auseinandersetzung zwischen den Faktoren Natur, Technik und Mensch. Jeder Flug ist anders, das macht das Ganze so wahnsinnig interessant." Das kann ich jetzt gut nachvollziehen. Minuten später haben wir wieder festen Boden unter den Füßen. "Die Begeisterung für das Fliegen weiterzugeben, das ist unser Hauptziel", meint Zistler. Bei mir hat er es geschafft.