Hühner und Hasen hüpfen und hoppeln durcheinander, mittendrin ein paar Minischweine. Julian kennt das schon. Er drängt sich vorbei, krabbelt in das hölzerne Hühner-Häuschen. Der Dreieinhalbjährige weiß, was er will. Stöbern links, stöbern rechts - "Juuuhuuuuu!" Schon erscheint der Kopf des Dreikäsehoch im niedrigen Türrahmen. Pure, breitbackige Freude. In der Hand präsentiert er ein Ei.

"Julians Lieblingsbeschäftigung ist das Eier-Suchen. Das macht er jeden Tag, und ist ganz begeistert, wenn er eins findet", lacht Opa Jürgen Tenhumberg. Aus Trier ist er mit seiner Frau Dorothe und der Familie von Sohn Helge nach Birkenreuth gekommen, um für zwei Wochen die Natur zu genießen, Rad zu fahren und seine Lieben um sich zu haben.
Bilanz nach der ersten Woche: "Ich bin rundum glücklich hier."

Urlaub auf dem Bauernhof - Peter Hofmann (49 Jahre) bietet das bereits seit über 30 Jahren an. Es war der erste Schritt vom Nebenerwerbsbetrieb seiner Eltern hin zu einem Vollerwerbsbetrieb, der derzeit auch Arbeit für zwei Festangestellte und einen Praktikanten aus Usbekistan bietet. Als 1979 sein Vater starb, besuchte Peter gerade mal die neunte Klasse. Den Hof wollte er schon übernehmen - nur nicht so schnell. Egal: Jetzt musste er sofort ran. Mit einer Ausnahmegenehmigung durfte er seine Landwirtschaftslehre am eigenen Hof absolvieren. Der war damals überschaubar: Milchviehhaltung mit 30 Rindern und 30 Hektar Land. Noch ehe er volljährig war, begann er den Betrieb auszubauen. "Entweder man macht es richtig oder man lässt es", sagt Hofmann.

Gäste aus ganz Deutschland

Zunächst kümmerte er sich um einen Rohbau, der als neues Wohnhaus geplant war. Mit einem Zuschuss von "Urlaub auf dem Bauernhof" baute er erst eine, dann weitere Ferienwohnungen hinein. Als das Gebäude nach sechs Jahren fertig war, stand es als reines Gästehaus da, und die Arbeit ging am maroden Bauernhaus gegenüber weiter. Ende der 80er Jahre hatte Peter Hofmann auch das saniert. Die Urlauber aus ganz Deutschland - zumeist gehobener Mittelstand- wurden zu einem wichtigen Standbein.

Dafür muss die Unterkunft, die mit drei Sternen bewertet ist, aber auch regelmäßig modernisiert werden. Neben einer 120-Quadratmeter-Wohnung für eine Großfamilie werden auch vier halb so große Apartments für maximal vier Personen angeboten. In den kleineren Wohnungen des "Wiesenthofs" zahlen zwei Personen 40 Euro pro Tag, jede weitere Person ab drei Jahren kostet nochmal 8 Euro. Vermietet wird von Ostern bis zu den Herbstferien im November und über Weihnachten. "Wir sind etwa 160 Tage im Jahr ausgebucht", sagt Susanne Braun-Hofmann (44 Jahre), die Frau von Peter Hofmann.

Das Interesse allgemein an Ferien auf dem Lande ist in den vergangenen zehn Jahren ständig gestiegen, bestätigt Karin Wittmann, Vorsitzende der Anbietergemeinschaft "Urlaub auf dem Bauernhof in der Fränkischen Schweiz", in der sich 51 Betriebe aus den Landkreisen Bayreuth und Forchheim zusammengeschlossen haben. Ganz neu ist nun "Landhof-Urlaub" für Höfe mit bäuerlichem Hintergrund, aber ohne aktiv betriebene Landwirtschaft. Damit reagiert der Landesverband auf die Entwicklung, dass bei vielen Betrieben die Landwirtschaft ausläuft. Die Buchungen sollen auf diese Weise hoch gehalten werden - nicht nur von Familien, sondern auch von Ehepaaren und Senioren.

In diesem Frühjahr klagten die Anbieter zwar wegen der schlechten Wetterlage noch über die dürftige Auslastung. Doch das hat sich erledigt. Wittmann: "Die Lücken, die Anfang Juni noch da waren, sind mittlerweile gut gefüllt."

Dabei sein, wenn die Kuh kalbt

Der Urlauber aus Trier, Jürgen Tenhumberg, hat bereits im Dezember gebucht. Die Angaben im Internet haben nicht getäuscht - in Birkenreuth ist richtiges Landleben. "Wir waren auch schon, wo drei Ziegen der ganze Bauernhof war", rümpft Helge Tenhumberg die Nase. Auch Landwirt Peter Hofmann weiß: "Den Urlaubern ist Qualität wichtig, aber noch wichtiger sind ein Ansprechpartner und ein Erlebnis. Die Leute wollen mit eingebunden sein ins Landleben, zum Beispiel wenn wie vor ein paar Wochen ein Kalb abgehauen ist oder eine Kuh kalbt - da gehen sie gerne mit."

Die Freizeitangebote sind mannigfaltig und reichen vom Trampolinspringen und Lagerfeuer im Garten über die Spielscheune mit Tischtennis und Kicker bis zu dem nicht nur bei Julian beliebten Kleintiergehege direkt vor dem Gästehaus. Es gibt Kutschfahrten und natürlich W-Lan in den Zimmern. Tochter Theresa (14) zeigt, wie man auf Ponys reitet, und Sohn Lenz (9) lädt ein zum Kettcar-Wettrennen. "Wir haben uns auf Kleinkinder spezialisiert, damit wir auch in der Nebensaison genügend Gäste haben", erklärt Braun-Hofmann.

Die meisten kämen wegen der Kinder. Aber nicht nur. Braun-Hofmann:"Die Leute suchen hier eine heile Welt, Bodenständigkeit, das Landleben." Doch manche hätten auch falsche Vorstellungen. "Dass wir drei Kühe mit Glocken besitzen und sie noch mit der Hand melken", sagt die Landwirtin und schüttelt den Kopf. Ihr Ziel sei es, authentisch zu sein und die reale Landwirtschaft zu vermitteln. "Hasen füttern, Pferde ausmisten, mal auf dem Radlader mitfahren - da sind die Ferienkinder willkommen. Aber eine funktionierende Landwirtschaft braucht eine gewisse Betriebsgröße und moderne Technik."

Japanische Deckbullen

Beides ist bei Hofmanns deutlich zu sehen. Zum Beispiel die Mutterkuhhaltung (seit 1999) mit 200 Rindern, die vor fünf, sechs Jahren auf die Zucht von "Jura-Wagyu" umgestellt wurde. Sie kreuzen drei japanische Deckbullen (Vorteile: leichtkalbig, gut marmoriertes Fleisch) mit heimischem Fleckvieh (Vorteile: gute Milchleistung, größerer Rahmen, sprich: mehr Fleisch), um die Vorzüge beider Rassen zu verbinden. Oder die 180 Hektar Land vor allem mit Getreide und Gräsern. Oder die Photovoltaik-Anlage auf fast allen Dächern des Anwesens.

Oder die Biogasanlage (2006 gebaut), die mittlerweile 800 Haushalte mit Strom versorgen kann. Oder eine Trocknungsanlage (2008 gebaut). Diese Eigenentwicklung nutzt die Abwärme der Biogasanlage, um "alle möglichen Schüttgüter zu trocknen". Weitere Neuerungen im zertifizierten Bioland-Betrieb sind schon in Vorbereitung. Peter Hofmann lacht und weist auf seine Frau: "Ich habe die Ideen, sie bremst mich."

Aufklärung am Montag

All diese Details erklärt Susanne Braun-Hofmann den neu angekommenen Gästen jeden Montag um 10 Uhr bei einer Betriebsführung. "Das machen wir, damit die Gäste verstehen, dass wir nachhaltig arbeiten, und damit sie die Landwirtschaft mit anderen Augen sehen. Danach wissen sie auch, dass wir nicht so viel Zeit für sie haben." Jürgen Tenhumberg hat die Führung sehr beeindruckt: "Ich war überrascht, dass der Betrieb so vielseitig ausgerichtet ist."

Schwiegertochter Anna betont indessen den "sehr hohen Erholungswert" in Birkenreuth, und dass "alles so kindgerecht" ist. "Langweilig wird es hier absolut nicht", sagt sie und schaut auf ihren Sohn, der immer noch voller Stolz sein Ei begutachtet.