Das Weihnachtsgeschenk für Ute Wolpensinger kam im Dezember ganz unverhofft per E-Mail. Ein Facharzt aus Aachen hat der Baiersdorferin geschrieben. Der Inhalt der Mail: eine erste Diagnose und die Zusage, zu helfen. Das Mädchen, über dessen Diagnose in der E-Mail geschrieben wird, ist das acht Jahre alte Beduinenmädchen Ebtesam aus dem ägyptischen Dort Dahab. "Ich habe gedacht, dass kann nicht wahr sein. Da sind schon ein paar Tränen gekullert", sagt die 59-Jährige.

Seit 21 Jahren ist das ägyptische Dorf Dahab auf dem Süd-Sinai eine zweite Heimat für Wolpensinger geworden. Angefangen hat alles mit einem Tauchurlaub - seitdem kehrt die Baiersdorferin regelmäßig nach Ägypten zurück. In Dahab lernt sie die Familie des Beduinenmädchens kennen.

Eine Leidensgeschichte

Vor über drei Jahren begann der Leidensweg der Achtjährigen. Ebtesam wird fast blind. An Beinen, Füßen und Händen bekommt sie offene Entzündungen, die nicht heilen. Seit einiger Zeit hat sie kein Gefühl mehr in den Gliedmaßen. An einer Ferse hat sich eine offene Stelle gebildet, die nicht zuheilt. Deshalb kann sie seit Monaten nur noch auf allen vieren krabbeln - es droht eine Amputation.

Im Oktober 2018 sind die Wolpensingers wieder in Ägypten zu Gast und sehen, wie schlecht es dem Mädchen geht. Für das Ehepaar steht fest: Es muss etwas geschehen. Zusammen mit einem befreundeten Ehepaar, das in Dahab eine Tauchschule betreibt, werden die Baiersdorfer aktiv. Die Helfer setzen sich unermüdlich für das Mädchen ein.

In Baiersdorf sammeln die Wolpensingers Erste-Hilfe-Material und schicken es nach Ägypten, sie bitten Freunde um Unterstützung und recherchieren nach Ärzten. "Ein paar Ärzte haben sich die Geschichte angehört", sagt Wolpensinger.

Schließlich schreibt sie einem Spezialisten für Humangenetik aus Aachen, der ihr kurze Zeit später antwortet - das größte Weihnachtsgeschenk für Ute Wolpensinger. "Ich hätte nie damit gerechnet, dass dieser Arzt antwortet", sagt die 59-Jährige.

Ein Gentest kann helfen

"Über eine genetische Testung können wir vielleicht die Diagnose sichern und damit ein wenig helfen. Die Kosten für die Analyse können wir übernehmen", schreibt der Arzt. Für einen Gentest bekommt Ebtesams Familie in Ägypten nun Blut abgenommen, das in der Klinik in Aachen analysiert wird. Die Hoffnung ist groß, dass eine Diagnose gefunden wird, die mit passenden Medikamenten behandelt werden kann.

Wolpensinger weiß, dass manche Menschen auf ihr Engagement mit Ignoranz reagieren. Oder mit Unverständnis: Warum muss man einem Kind in der Ferne helfen, wenn es in Deutschland auch Kinder gibt, die Hilfe brauchen? "Ich kenne die Familie seit fast 20 Jahren. Deshalb macht es für mich keinen Unterschied, wo die Familie herkommt. Ein Problem sehen und nicht reagieren, das kann ich einfach nicht", sagt die 59-Jährige.

Hilfe für das Beduinenmädchen Ebtesam

Die finanzielle Unterstützung der Helfer in Deutschland und Ägypten hat ihre Grenzen erreicht. Die Beduinenfamilie selbst hat nicht genügend Geld, um die Kosten für regelmäßige Arztbesuche und Medikamente zu tragen. Wer die Baiersdorfer bei ihrer Arbeit um das kranke Beduinenmädchen unterstützen möchte, kann sich an Ute Wolpensinger wenden unter der E-Mail info@coabera.de.fr

So kann man sich in Forchheim engagieren

Wer selbst etwas für die Gesellschaft tun möchte, kann sich an die Ehrenamtsvermittlung Forchheim wenden. Ehrenamtsmanagerin Kathrin Reif berichtet im Interview, welche ehrenamtlichen Tätigkeiten es in Forchheim gibt und ob es dafür Voraussetzungen braucht.

Welche Tätigkeiten können Interessierte in Forchheim übernehmen?

Kathrin Reif: Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, hat eine sehr große Auswahl. Die Einsatzfelder sind so vielseitig wie die Vereine, Organisationen und Initiativen selbst. Von Arbeiten im Team über Einzelbetreuung bis hin zu Arbeiten im Tier- und Umweltbereich, mit Kindern bis hochbetagten Menschen ist (fast) alles dabei. So kann man sich im Besuchsdienst für Senioren einbringen, geflüchteten Kindern Nachhilfe geben, bei Mittagtisch oder Kaffeenachmittagen helfen, Programmhefte austragen, behinderte Menschen bei Ausflügen begleiten, Musiknachmittage bei Seniorenkreisen gestalten oder Fahrdienste übernehmen.

Welche Voraussetzungen braucht man, um ein Ehrenamt auszuüben?

Etwas Zeit, wobei jeder selbst den Umfang bestimmen kann. Freude daran, sich für andere einzusetzen und Offenheit, sich in eine Organisation einzufinden.

Welche Mitsprache hat man bei der Suche nach einem Ehrenamt?

Da eine ehrenamtliche Tätigkeit freiwillig und ohne finanzielle Interessen ist, soll sie Freude machen und man soll sich wohlfühlen. Das gelingt am ehesten, wenn man sich über die eigenen Interessen und Fähigkeiten im Klaren ist. Dabei hilft die Ehrenamtsberatung. Jeder Interessierte kann sich verschiedene Bereiche anschauen und dann entscheiden, wo man sich einbringen will. Im Idealfall finden Ehrenamtliche und die passende Einrichtung zusammen.fr