Wegen "Gefahr für Leib und Leben" musste die Stadt das Kolpinghaus Anfang Juni schließen, nachdem ein Gutachter entdeckt hatte, dass das Holz-Gebälk unter dem Dach von Pilzen, Würmern und Fäule befallen ist. Statiker haben nun untersucht, wie tragfähig das historische Fachwerkdach ist. Ein "erstaunlich gutes Ergebnis" kann Andreas Penske vom Stadtbauamt verkünden: Die Stahlkonstruktion ist stabil und kann erhalten bleiben.

Grob gesagt, ist das Kolpinghaus-Dach somit nicht akut einsturzgefährdet. Aber: Weil die Holzbalken befallen sind und Nägel Halt verlieren, droht weiterhin, dass sich die Unterdecke über dem Saal löst. "Dadurch bleibt die Gefahr bestehen, dass die Decke herunterkommen könnte", erläutert der neue Leiter der Abteilung Bauunterhalt. Was zudem fest steht: "Die runde Form der Decke muss so bleiben, das ist vom Denkmalschutz gefordert", betont Penske. Ob oder wann das historische Gebäude am Kolpingplatz in ein Kulturzentrum umgebaut wird, bleibt aber nach wie vor unklar.

Gemeinsam mit den Statikern hatte das Stadtbauamt drei Lösungsvorschläge erarbeitet. Erste Variante: Die Decke mit Spax-Schrauben fixieren. Der Saal könnte dadurch zwar zügig als Sitzungsraum, aber nicht für Kulturveranstaltungen genutzt werden, weil Musikbeschallung die so befestigte Deckenkonstruktion gefährden würde. Zweite: Das befallene Holztragwerk sowie die Stuckdecke entfernen und eine neue Decke einbauen. Der Kolpingssaal wäre mit einem provisorischen Bühneneinbau ab Herbst 2021 uneingeschränkt nutzbar. Dritte Variante: Generalsanierung mit vorgeschaltetem Wettbewerb und Klärung der Förderkulisse. Penske präsentiert hierzu eine Zeitschiene des Stadtbauamtes, wonach die Generalsanierung im Jahr 2025 beginnen würde.

Harsche Kritik am Stadtbauamt

Nach der Hiobsbotschaft herrschte Entsetzen unter den Stadtpolitikern. Der neue Sachstandsbericht befeuerte in der Sitzung des Kulturausschusses am Donnerstag die langjährige Diskussion um die Zukunft des Kolpinghauses als Veranstaltungsstätte in Forchheim.

Die ferne Aussicht auf ein Kulturzentrum geißelt CSU-Stadtrat Thomas Werner als "unausgereift und dünn". Seit viereinhalb Jahren gebe es im Stadtrat mehrheitlich den Wunsch, das Kolpinghaus den Forchheimer Kulturschaffenden für Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. "Das muss schneller gehen. Das spricht eher für den mangelnden Willen in der Stadtverwaltung, endlich Gas zu geben", kritisiert Werner. Ansonsten müsse die Stadt eine externe Firma mit dem Kolpinghaus beauftragen.

Auch FW-Fraktionschef Manfred Hümmer fordert einen früheren Baubeginn: "Ich bin schon ein wenig erbost und schockiert, welche Zeit verflossen ist." Gerhard Meixner plädierte für: "Das eine tun, das andere nicht lassen. Aber die Generalsanierung muss zügig geplant und durchgeführt werden", sagt der FGL-Fraktionsvorsitzende. "Schimpfen und Jammern bringt nichts. Wir müssen auch die gute Nachricht hervorheben und können froh sein, dass das Haus nicht zusammenfällt", betont SPD-Rätin Lisa Hoffmann.

Ertüchtigung in Angriff nehmen

Forchheims Kulturbürgermeisterin Annette Prechtel (FGL) fasst das Stimmungsbild unter den Ausschussmitgliedern als Auftrag an das städtische Bauamt zusammen, die Vorschläge zu überarbeiten: Die Pläne für eine Generalsanierung des Kolpinghauses sollen konkreter geplant und ein zügigerer Baubeginn angestrebt werden. Gleichzeitig soll eine Zwischennutzung ermöglicht werden. Die Idee, die nun verfolgt wird: Die Ertüchtigung des Daches (rund 150 000 Euro) soll in Angriff genommen werden, so dass der Kolpingsaal voraussichtlich im Herbst 2021 als Versammlungsstätte zur Verfügung steht. Anschließend soll zeitnah mit der Generalsanierung begonnen werden.