Leutenbach
Haushalt

Einen Leutenbacher Gemeinderat plagt das Gewissen

Dem Leutenbacher Gemeinderat Reinhard Weber wird sein eigenes Abstimmungsverhalten unheimlich. Spätestens bei der Finanzierung neuer Projekte müsse er sich jetzt gegen die Mehrheit stellen.
Rund 1,4 Millionen Euro kostet die Sanierung der Leutenbacher Kläranlage. Foto: Wildt
Rund 1,4 Millionen Euro kostet die Sanierung der Leutenbacher Kläranlage. Foto: Wildt
Am Ende ist sich der Leutenbacher Gemeinderat Reinhard Weber (CSU) selbst ein Rätsel geworden. Wäre es vielleicht nicht doch besser gewesen, in den vergangenen Monaten gegen das ein oder andere Projekt zu stimmen?
Etwa im Falle der "unendlichen Geschichte" Rosenau, wo sich Anwohner bisher dagegen gewehrt hatten, dass ihre Straße ausgebaut oder der Kirchplatz umgestaltet wurde? Webers Zweifel kamen allerdings zu spät. Mit zwei Gegenstimmen hat der Gemeinderat den Haushalt für das laufende Jahr verabschiedet. Mit Weber legte nur Dritter Bürgermeister Reinhold Kraft (FW) sein Veto gegen den Haushalt ein .

Steuereinnahmen steigen

Der Verwaltungshaushalt schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 2,1 Millionen Euro ab und der Vermögenshaushalt mit gut zwei Millionen Euro. Die Hebesätze bleiben unverändert bei 350 Prozent und 380 Prozent für die Gewerbesteuer, die Kassenkredite für die rechtzeitigen Leistungen von Ausgaben nach dem Haushaltsplan liegen bei zwei Millionen Euro.
Laut Vorbericht von Kämmerer Bastian Holzschuh hat sich demnach die Gewerbesteuer geringfügig erhöht, die Beteiligung an der Einkommens- und Umsatzsteuer ist der Steuerschätzung zufolge um 75 000 Euro gestiegen.

Auf der anderen Seite muss Leutenbach für die Kläranlage mit Kosten von 1,4 Millionen Euro rechnen. 125 000 Euro können aus dem Haushalt finanziert werden. Die Differenz aus Baukosten und diesen 125 000 will die Gemeinde durch Beiträge stopfen.
"Die Kläranlage zu 90 Prozent über Beiträge zu finanzieren, halte ich für falsch", kritisierte Reinhard Weber.
Beim Kirchplatz hätte er sich mehr Zug gewünscht, und auch bei der Rosenau hätte man seiner Auffassung nach weniger groß planen sollen, um den Anwohnern die Scheu vor allzu großen Summen zu nehmen. Gerade die Rosenau "hätte man aus eigenen Finanzmitteln finanzieren können".
Weber geriet auch noch mit Geschäftsleiter Klemens Denzler aneinander, da bei der Finanzierung von Kirchplatz und Mühlgasse nicht alles nach seinen Vorstellungen verlaufen sei.

Immer mitgestimmt

Während Weber so mit sich selbst und seinen Kollegen ins Gericht ging, wurden es denn anderen Gemeinderäten etwas blümerant zumute. Sie fragten sich, was im abgelaufenen Jahr eigentlich beschossen worden war: Auch Weber habe nachweislich allem zugestimmt.