Schwane-Wirt Uwe Koschyk (53), der Bruder vom souveränen Bayreuther Wahlsieger Hartmut Koschyk (CSU), fände eine große Koalition nicht schlecht: "Damit könnte man wirklich etwas erreichen, vielleicht sogar mal was am Grundgesetz ändern." Nach zwei Wahlperioden käme bei vielen Politikern eine "Betriebsblindheit" auf. Dass sein Bruder Hartmut Koschyk es wieder in den Bundestag schaffen wird, daran zweifelt er keine Sekunde: "Weil er so fleißig ist!" Vom Ergebnis der AfD sei er schon überrascht, die Zahlen würden zeigen, dass viele Leute wirklich nach einer Alternative in der Politik suchen. Die FDP sei auch "nicht mehr glücklich gewesen", und habe zu viele Kehrtwenden gemacht. "Die Parteien müssen halt auch authentisch bleiben", schlussfolgert Uwe Koschyk.

CSU-Politikerin Kerstin Debudey (42) aus Forchheim prophezeit, die FDP müsse sich einmal ganz neu sortieren und wieder ganz von unten anfangen.
Außer einer großen Koalition würde ihr auch Schwarz-Grün gefallen: "Das wäre einen Versuch wert, man kann ja auch mal was neues ausprobieren", findet sie.

Lehrer Anselm Gäbelein (61) zeigt sich erstaunt: "Ich hätte nicht gedacht, dass die FDP rausfliegt." Nach dem "Bayern debakel" hätte er auf mehr "Mitleidsstimmen" getippt. Dass die AfD bei ihrer ersten Bundestagswahl fast die Fünf-Prozent-Hürde geschafft hätte, habe er "befürchtet". Er könne sich vorstellen, dass viele CDU- und FDP-Wähler zur AfD gewechselt seien. Er tippe jetzt auf eine absolute Mehrheit für die Union, "ansonsten läuft's auf eine große Koalition hinaus". Seine Frau bezeichnete die Wahl insgesamt als "Entscheiden zwischen Pest und Cholera".

Martina Dorner (37) war gestern als Wahlhelferin aufgestellt. Das Scheitern der FDP habe sie überrascht, "die Zusammensetzung der Regierung wird jetzt schwierig". Über eine große Koalition habe sie vor der Wahl noch gar nicht nachgedacht, Schwarz-Grün fände sie "nicht so prickelnd". Eine spannende Wahl sei es auf jeden Fall gewesen.

Georg Gügel (57) hofft auf eine absolute Mehrheit der Union. Wenn es die nicht geben sollte, wünsche er sich Schwarz-Grün: "besser als eine große Koalition". Die Union habe es verdient, findet der Produkt-Manager. Dass der Koalitionspartner der CDU, die FDP, nicht mehr im Bundestag ist, sei "erfreulich" und habe ihn auch nicht überrascht, umso mehr aber die Zahlen der AfD.


AfD belebt die Politik

Stefanie Hofmann hatte mit guten Ergebnissen für die Union gerechnet. Sie habe es sich nach der bayerischen Landtagswahl gedacht, aber bis gestern noch gehofft, dass es bei den Wahlen "einen Ruck" geben würde. Auch das Ausscheiden der FDP überrasche und bedauere sie nicht. Das Auftauchen der AfD in der politischen Landschaft Deutschlands begrüße sie hingegen. "Die bringen da eine neue Geschichte mit rein. Und Konkurrenz hat noch nie geschadet", findet die Krankenschwester.

Das Programm der neuen Partei sei zwar nicht wirklich umzusetzen, vor allem der Austritt aus der Euro-Zone, aber ein wenig Gegenwind schade den großen Parteien nicht. Sie tippt für den Ausgang der Regierungsbildung auf eine absolute Mehrheit der Union. Eine schwarz-grüne Koalition "würde ja gar nicht passen". Ihrer Meinung nach hätten die Grünen in diesem Wahlkampf "versagt". "Vor allem mit dieser Pädophilen-Geschichte, bei sowas bin ich sehr empfindlich."

Alle Ergebnisse der fränkischen Stimmkreise für die Bundes- und Landtagswahlen finden Sie unter wahlen.infranken.de. Auch Detailinformationen zu den Kandidaten finden Sie auf dieser Seite.