"Wir wollen den Menschen, die zu uns kommen, einen Anlaufpunkt bieten", erzählt Enno Weidt, der Pfarrer der Evangelischen Gemeinde St. Johannis, über den Arbeitskreis "Freund statt Fremd". "Wir versuchen mit unseren Mitteln, das Möglichste zu erreichen."

Der Name des Netzwerkes spricht dafür, was die Gemeinde St. Johannis und andere Helfer versuchen zu erreichen. Sie möchten ein Freund, ein Begleiter sein, der da ansetzt, wo Unterstützung dringend gebraucht wird. Die Arbeit spezialisiert sich vor allem auf das Koordinieren der Angebote für Asylbewerber sowie das individuelle Eingehen auf deren Bedürfnisse. Im Allgemeinen handelt es sich bei dieser Organisation um einen Arbeitskreis zur Unterstützung von Asylsuchenden in Bamberg, Forchheim und Umgebung.


Durch Spenden finanziert


Finanziert wird das Projekt von Spenden und von dem Engagement Ehrenamtlicher, die die Asylsuchenden bei einem Start in ein neues Leben unterstützen wollen. Die Privat-Personen fungieren als Paten, die ihren Schützling bei alltäglichen Dingen unter die Arme greifen. Die Aufgaben, die die Paten in ihrer Freizeit erfüllen, reichen von Musik- und Sportunterricht bis hin zu Behördengängen und Arztbesuchen.

"Als Begleiter bei Behördengängen oder als Einkaufshilfe kann man den Asylsuchenden schon sehr viel helfen", erzählt Weidt. "Sie sind nicht auf sich alleingestellt und haben zugleich eine Bezugsperson, um sowohl in der Gesellschaft teilzuhaben, als auch die hiesigen Gepflogenheiten zu erlernen." Doch dieses Engagement reiche leider nicht aus. Weidt: "Die Menschen die zu uns kommen, sind meist traumatisiert und ohne Sprachkenntnisse und benötigen daher sozialpädagogische Betreuung."

Die befristete Hilfe des Landkreises Forchheim in Höhe von 4500 Euro reicht nach Ansicht von Lisa Badum, stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Kreitag, nicht für die derzeitige Zahl an Asylbewerbern im Landkreis aus. "Die 143 Personen erhalten nur unzureichende Unterstützung. Für die Betreuung der 50 Personen, die in der staatlichen Unterkunft in der Jahn-Straße in Forchheim untergebracht sind, ist allein Beate Zepf zuständig. Mit zehn Wochenstunden bekommt sie gerade so die wichtigsten Angelegenheiten geregelt", verdeutlicht Badum.

Für mehr Betreuung sei kein Geld vorhanden. "Das ist eindeutig zu wenig und muss sich ändern", fordert die Politikerin. Die Menschen, die einen Antrag auf Asyl stellen, sind meist in ihrem Heimatland politisch oder religiös verfolgt worden und mussten aus Gründen ihrer eigenen Sicherheit ihr Land verlassen. "Wir haben hier intelligente junge Menschen", erzählt Unterstützerin Andrea Stegmeyer. "Einer der Asylbewerber hat in seiner Heimat einen Bachelor in Chemie-Ingenieurswesen absolviert."

Sprache ist der Schlüssel

Um das Erlernen der Grundkenntnisse der deutschen Sprache zu erleichtern, wird auch ein Deutsch-Kurs angeboten. Dieser wird gut angenommen und ist bereits mehrfach erweitert und verlängert worden. "Dieses Projekt wird ebenfalls durch private Spender unterstützt, unter anderem von den Soroptimisten", erzählt Enno Weidt. Für solche Projekte seien ebenfalls keine staatlichen Mittel vorgesehen. Der Pfarrer bringt es auf den Punkt: "Nur durch unsere Gemeinschaft können wir allen helfen oder zumindest für ein Stück mehr Lebensqualität sorgen."