Ganz dem klassischen Bild der Hauswirtschafterin entsprechend, eine Schürze um- und die braunen Haare zu einem strengen Zopf zusammengebunden, öffnet Kathrin Walz die Haustür. Sie hat Kaffee gekocht und Schoko-Muffins gebacken, mit Schokoglasur und Raffaello-Füllung. Der Tisch ist gedeckt für ein gemütliches Kaffeekränzchen, mit Untertassen, Kaffeetassen, Tellern mit Servietten, einem Milchkännchen und einem Zuckerschüsselchen.

Die 19-Jährige versteht ihr Handwerk: Seit eineinhalb Jahren besucht sie die Hauswirtschaftsschule in Forchheim. "Wir hatten schon in der Realschule das Fach Hauswirtschaft. Zuerst habe ich auch gedacht, das klingt altbacken", erzählt sie. "Aber wir haben hauptsächlich gekocht, das hat mir gut gefallen."

Nach der Schule wollte sie zuerst im Einzelhandel arbeiten und eine Ausbildung machen, hat bei einem Probearbeiten aber festgestellt, dass das nichts für sie ist. "Ich habe mich dann spontan an der Hauswirtschaftsschule beworben und - bin sogar genommen worden", sagt sie und ist stolz darauf, dass sie nicht mal zu einem Bewerbungsgespräch kommen musste.


Bestes Schulergebnis seit Jahren



Heute zählt sie zu den Klassenbesten und vertrat ihre Schule Ende Januar beim 46. Bayerischen Landesleistungswettbewerb für Auszubildende in der Hauswirtschaft. Mit Erfolg: Unter den 24 Teilnehmerinnen belegte sie Platz fünf, das beste Ergebnis, das eine Teilnehmerin der Forchheimer Hauswirtschaftsschule in den letzten Jahren erzielte. "Ich war die Tage davor schon total aufgeregt", erinnert sich Walz. "Ich hatte Angst, dass die Prüfer total streng sind. In der Woche vor dem Wettkampf habe ich deswegen alles noch mal geübt, mein Referat, das Kochen, alles. Aber beim Wettkampf war dann alles total locker."

An den beiden Wettkampftagen wurden die Teilnehmerinnen in fünf unterschiedlichen Kategorien geprüft: Ein 90-minütiger schriftlicher Test, eine Präsentation und eine Teamaufgabe. Außerdem musste Kathrin Walz einen Buffettisch dekorieren und beim Thema Nahrungszubereitung einen Blechkuchen und zwei verschiedene Sorten Fingerfood herstellen. "Da dachte ich schon, ich habe das Thema verfehlt, weil ich keinen klassischen Kuchen süßer Art ausgewählt habe, also Käse- oder Apfelkuchen. Ich habe einfach einen Gemüsekuchen gemacht, der war eher einer Pizza ähnlich, ist aber gut angekommen", erzählt Walz und lacht.

Die Teilnahme am Wettkampf hat ihr schon mal einen Vorgeschmack auf die Abschlussprüfungen an der Hauswirtschaftsschule vermittelt. Die wird sie im Sommer diesen Jahres beenden. "Dann kann ich mich ‚Staatlich geprüfte Hauswirtschafterin' nennen", sagt sie. Die Ausbildung selbst ist vielseitig mit Kochen und Putzen, Textilarbeit und den Fächern Ernährung, Erziehung und Betreuung.


Eben kein Leben als Hausfrau



Doch was man sich heute noch als die perfekte Vorbereitung auf ein Leben als Hausfrau vorstellt, hat längst eine neue Bedeutung gefunden: "Es hat sich viel verändert. Die Ausbildung und auch der Beruf sind heute viel mehr auf Großküchen und andere Großbetriebe ausgerichtet als auf den privaten Haushalt", weiß Kathrin Walz. Dementsprechend solle die Berufsbezeichnung nächstes Jahr auch in "Fachkraft für Ernährung und Versorgung" umbenannt werden.

Auch Kathrin Walz sieht sich nicht in der klassischen Rolle als Frau, die zuhause hinter dem Herd steht und kocht und putzt. "Ich möchte nach der Schule auf die Fachakademie für Ernährungs- und Versorgungsmanagement und da auch mein Abitur nachholen", erzählt sie von ihren Zukunftsplänen. Ihr Berufswunsch ist Ernährungsberaterin, das sei "voll ihr Ding".


Neue Ordnung in der Küche



Trotzdem hat sie an der Hauswirtschaftsschule viel gelernt, das sie auch in ihrem Privatleben umsetzt: "Gerade in der Küche geht es bei mir jetzt viel ordentlicher zu. Ich versuche auch manchmal, meiner Mutter Tipps zu geben, aber die sagt dann immer: ‚Ich führe schon seit zwanzig Jahren meinen Haushalt, jetzt brauchst du mir nicht zu sagen, wie ich das machen muss'", lacht Walz.