Sieben Jahre ist es inzwischen her, dass sich die Tiermedizinerin Svetlana Kautsch mit ihrem Kiosk in der Ortsmitte von Streitberg selbstständig gemacht hat. Die 47-jährige Russlanddeutsche führt ihr kleines Geschäft, in dem es auch russische Spezialitäten gibt, seitdem mit großer Leidenschaft und Begeisterung.
Auch wenn sie erst vor Kurzem nach Weilersbach umgezogen ist, kennt sie in Streitberg inzwischen jedes Kind.


In der Nähe von Japan

Geboren wurde Svetlana Kautsch in Karaganda, einer Großstadt in Kasachstan mit rund 500 000 Einwohnern. Bevor sie auf Bitten ihres Bruders, der in Ansbach lebt, vor 20 Jahren nach Deutschland kam, lebte sie auf der größten russischen Insel Sachalin nahe der der japanischen Insel Hokkaido.
"Dort war es sehr schön, fast so wie in der Fränkischen Schweiz", sagt Svetlana Kautsch. Sie betont, dass sie nicht wegen der Armut, sondern wegen ihrer Familie nach Deutschland gekommen ist. Ihre Mutter wurde in Chemnitz geboren, auch ihr Vater ist Deutscher.

In Usbekistan hatte sie Tiermedizin studiert, später ist sie Tierärztin geworden. In Deutschland hat sie in ihrem Beruf jedoch keine Anstellung gefunden, und so arbeitete sie jahrelang in einem Fotolabor in Zirndorf - bis es geschlossen wurde. "Von dieser Arbeit war ich sehr begeistert", erzählt Kautsch. Am Anfang sei es für sie schwer in Deutschland gewesen, da sie kein Deutsch sprach. Ihre Eltern sprachen zwar Deutsch, haben es ihren Kindern aber nie beigebracht.


Schnell integriert

"Ich habe aber versucht, möglichst schnell Deutsch zu lernen. Und ich habe in Deutschland unglaublich viele nette Menschen getroffen. Deshalb bin ich auch hiergeblieben", sagt Kautsch.
Nach ihrer Ankunft in Streitberg wurde sie schnell von den Einheimischen integriert. "Ich bin gleich mit den Menschen im Dorf klargekommen und von ihnen angenommen worden." Als dann der Blumenladen, der vorher in dem Holzhäuschen war, geschlossen wurde, pachtete sie ihn von der Gemeinde und machte einen Kiosk mit Lebensmittelabteilung daraus.

Seitdem hat sie viele Stammgäste, die auf einen Kaffee oder ein Bier vorbeikommen. Für den kleinen Hunger bietet sie ihren Gästen Wiener Würstchen und Wurst- sowie Käsebrötchen an. Beim Weihnachtsmarkt gibt es Hirschgulasch und Glühwein; mit ihren Stammgästen grillt sie ab und zu auch ein Wildschwein am Spieß.
In Streitberg gibt es wohl keine Veranstaltung, bei der Svetlana Kautsch nicht mithilft. So verkauft sie in ihrem Kiosk auch Eintrittskarten für die Veranstaltungen im Bürgerhaus. Ganz toll findet sie die Prunksitzungen der Faschingsgesellschaft Narrenkübel aus Gößweinstein.


Russisches Eis

Im Regal in ihrem Kiosk stehen nicht nur die gängigen Grundnahrungsmittel, sondern auch Auberginenragout, Krimsekt oder russisches Bier. Und in der Eistruhe liegt russisches Eis. "Vieles wie russische Schokolade oder Kaviar geht auf Bestellung", sagt sie.
Reich wird man mit dem kleinen Laden nicht, man kann aber davon leben. Kürzlich kam sie noch auf die Idee, im angrenzenden Stadel einen privaten Scheunenflohmarkt anzubieten. Da bringen auch die Streitberger ihren Trödel vorbei. Dass nun bald im Posthotel gleich gegenüber 40 Asylbewerber einziehen, treibt auch sie um: "Menschen muss man helfen", sagt Kautsch. Kein Verständnis hat sie jedoch für alle, die nur wegen des Geldes nach Deutschland kommen.

Die Asylbewerber können später mit einer Bestellliste ihre Lebensmittel auch bei ihr einkaufen. Svetlana Kautsch hat immer noch die russische Staatsbürgerschaft. Sie will sie auch behalten, weil sie eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung hat. Dies vor allem auch deshalb, weil ihre Freundin in Wladiwostok ist. Mit einem russischen Pass muss sie keine Anträge stellen, dass sie sie besuchen kann.