Wie unvorsichtig muss man eigentlich sein, um sich so zu verhalten wie jener Fußgänger, der auf der B 470 zwischen Ebermannstadt und Forchheim gegen vier Uhr morgens angefahren worden ist?

Er war auf der falschen Straßenseite unterwegs, noch dazu fast auf dem Mittelstreifen und nach erheblichem Alkoholgenuss - das konnte nicht gut gehen. Dass nun ausgerechnet die Autofahrerin, die den Mann angefahren hatte, vor Amtsrichterin Silke Schneider stand, mutete da auf den ersten Blick komisch an.

Der Mann hatte so ziemlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Das hatte beträchtliche Folgen. Im Krankenhaus stellten die Ärzte ein Schädel-Hirn-Trauma fest.
Für die Frau hatte das in erster Instanz mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 40 Euro geendet.
Doch das wollte die Frau nicht auf sich sitzen lassen und erhob daraufhin Einspruch.

"Aufgrund Außerachtlassung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt" habe sie gehandelt, warf ihr das Gericht vor, was in Anbetracht der zahlreichen Fehler, die der Mann begangen hatte, manchen etwas seltsam anmutete.
Doch auch einen Betrunkenen darf man nicht anfahren, nur weil er selbst sich nicht vorschriftsmäßig verhalten hat. "Stellen Sie sich vor, was passiert wäre, wenn der Mann gestorben wäre", hielt ihr die Amtsrichterin vor.

"Dann wären Sie mindestens mit dem dreifachen Betrag dabei." Die Frau hatte allerdings nicht die Spur eines Einsehens und benötigte auch deshalb von ihrem Verteidiger Helmut Streit massiven anwaltlichen Beistand.
Streit machte ihr dabei klar, dass es nicht um eine Bestrafung des geschädigten Mannes ging, sondern darum, dass sie möglichst unbeschadet aus der Sache hervorgehen sollte.


Keine strafbare Handlung

Streit wollte die Tagessatzhöhe auf den Prüfstand stellen. Im Raum stand ein Betrag von 300 Euro, und Amtsrichterin Schneider stellte fest, dass sie im Falle einer Weigerung mit 80 oder gar 90 Tagessätzen dabei gewesen wäre.

Denn der verletzte Mann hatte, streng genommen, nicht am Straßenverkehr teilgenommen und sich daher auch nicht strafbar gemacht. Daher fügte sich die Angeklagte am Ende dem Ratschlag ihres Anwalts und gab sich mit einer Zahlung von 300 Euro zufrieden.