Mehr als 500 Jahre stecken in Mauer und Gebälk des einst adeligen Wohnpalastes ganz oben auf dem Berg im Schatten der Egloffsteiner Burg. Aber so lange wird die Majoratsscheune nicht mehr stehen - wenn nichts unternommen wird.

1573 besprachen sich Ritter auf geheizten Bänken am Fenster. Frauen spazierten durch einen Laubengang zum Teehaus. Jetzt ist das Ziegeldach des einstigen Prachtbaus löchrig. Eine Plastikplane schützt das Innere notdürftig vor dem Regen, vor dem weiteren Verfall. Eine Mauer hat den Kampf gegen die Zeit aufgegeben, ist schon eine Faust breit weggekippt.

Drinnen über drei Stockwerke Staub, Spinnweben und Notstützen aus Holz. Sonst würde das Gebäude bald zusammenbrechen.

Es hält vielleicht noch fünf Jahre, mit viel Glück zehn. "Wir müssen uns beeilen", sagt Stefan Förtsch (Freie Wählergemeinschaft), Bürgermeister von Egloffstein


Eine Million Euro kostet allein die Sanierung. 90 Prozent davon wären Fördergeld, die restlichen zehn Prozent legt die Gemeinde drauf. Der Beschluss steht seit mehr als einem Jahr.

Noch eine Million kostet die Nutzung: ein Archiv für den Landkreis und eine Forschungsstelle für Geologen der Uni Erlangen.

"Für den Landkreis nicht tragbar", sagt Anton Eckert, Chef des Kulturamtes. Die Scheune hat den 30-jährigen Krieg überstanden, ist ein architektonisches Wunder. Aber Wunder kosten Geld. Trotzdem: "Ein Riesenbrocken", sagt Eckert.

Das Programm für den ländlichen Raum (Leader) kommt auch nicht infrage. Der Kulturbeauftragte Eckert schüttelt den Kopf. Nur 1,3 Millionen hat er im Jahr für den ganzen Landkreis. Der voll ist mit historisch bedeutenden Gebäuden. "Ich sehe keine Chance - auch beim besten Willen nicht."

Ein Förderverein soll gegründet werden. Christian Meier (70), Altbürgermeister von Egloffstein, hat sogar schon Mitglieder. 2000 Euro hat er gesammelt. Ein Tröpfchen. 100.000 Euro sind einfach zu viel. Dann noch die ungeklärten Fragen.

Der Besitzer? Berthold Freiherr von und zu Egloffstein (86) hat jüngst für fast 30.000 Euro die Majoratsscheune sichern lassen, zweimal hat er das Dach decken lassen. "Wir haben die Million nicht", sagt seine Frau Dagmar. Sie hätten "unentwegt Unterhaltungskosten", für die Scheune habe es nicht gereicht.


"Politik muss manchmal schwere Entscheidungen treffen", sagt Benedikt Graf von Benzel (CSU). Er ist selbst Schlossbesitzer und Vorsitzender des Kulturausschusses im Kreistag. Klar dürfe man 500 Jahre alte Schmuckstücke nicht einfach wegwischen. Aber 20 Millionen Euro steckt der Landkreis heuer in Jugend- und Sozialhilfe, in Hartz VI, weitere Millionen in Schulen, Straßen, andere Gebäude.

"Ja und?", donnert aus München Egon Johannes Greipl, Bayerns oberster Denkmalschützer vom Landesamt für Denkmalpflege. "Wir haben auch Denkmäler." Er fordert mehr Ideen von den Gemeinden. Die sollen Denkmäler nutzen statt neues Bauland auszuweisen. Und er räumt ein: "Es ist schwer für die Bürgermeister.