2008 kommt erstmals bei der Tourist-Info der Stadt und den Fremdenführern die Idee von einer Einrichtung auf, welche die Forchheimer Stadtmauer, die einst modernste Festungsanlage Süddeutschlands, erfahrbar macht. Dann: drei Jahre Warten, Zuschüsse sondieren, Fledermausschutz klären, Konzepte aufstellen, Beschlüsse fassen. Im Herbst 2011 bringen die Stadtwerke Strom in die St.-Veits-Bastion neben dem Amtsgericht - der Startschuss für die Umgestaltung. Es folgen acht Monate Warten und Werkeln, dann steht das neue Museum in der Wallstraße 19 in voller Pracht da.



Es ist dreigeteilt: Erstens der abschüssige, schmale Eingangsbereich, wo die Festungsgeschichte auf (wenigen) Schautafeln dargestellt wird. Dazwischen sind Wappensteine Bamberger Fürstbischöfe zu bestaunen. Zweitens der große Hauptraum mit historisch gekleideten Puppen und verschiedenen Hörspiel-Stationen, die den Besuchern die Atmosphäre während der Belagerungszeit im 30-jährigen Krieg vermitteln. Drittens ein etwas kleinerer Nebenraum mit dem Lastwagen hohen Tretradkran, den jeder Besucher selbst ausprobieren kann, um zu erfahren, wie früher Steine gehoben wurden.
Auffällig: Es ist viel Platz innerhalb des Museums. "Ganz bewusst", wie Museumsleiterin Sabine Fischer betont. Der Raum solle wirken können.
Bis die rund 300 Festgäste dies alles selbst in Augenschein nehmen durften, mussten sie am Donnerstagabend auch einige Geduld zur Eröffnung mitbringen. Eineinhalb Stunden dauerten davor die Festreden im Innenhof der Kaiserpfalz, die durch die historisch gekleidete und altertümlich musizierende Schembart-Gesellschaft Nürnberg bereichert wurden.



Den Anfang machte Gastgeber Franz Stumpf. Der Oberbürgermeister (CSU/WUO) stellte stolz fest, dass es seiner Stadt mal wieder gelungen sei, "antizyklisch zu handeln", und in Zeiten, in denen viele Kommunen finanziell klamm sind, ein "weiteres kulturelles Glanzlicht" auf die Beine zu stellen. Zehn Minuten Warten.
Regierungspräsident Wilhelm Wenning folgte und rühmte das neue Museum mit seinem Erlebniskonzept als "geradezu beispielgebendes Projekt" und "Bereicherung für ganz Oberfranken". Zehn Minuten Warten.
460 Jahre Forchheimer Festungsgeschichte vom Bau der Bastionen bis zur Realisierung des Museumsprojekts beleuchtete Susanne Fischer und vergaß nicht, allen Beteiligten zu danken. 15 Minuten Warten.

Festvortrag geht ins Detail

Einen tiefen Einblick in die Entstehung der Stadtmauer während des Zweiten Markgrafenkrieges um 1552/53 gewährte schließlich der scheidende Kreisheimatpfleger Andreas O. Weber. Er ließ kaum ein Detail aus im Konflikt zwischen Angreifer Albrecht Alcibiades und Verteidiger Claus von Egloffstein. 45 Minuten Warten - manch älterer Gast verließ hier vorzeitig die Veranstaltung.
Und dann endlich war es soweit: ein erster Rundgang in der neu gestalteten "Roten Mauer". Die Besucher waren angetan. "Das ist ein schöner Schub für die Stadt, denn so etwas gibt es überhaupt nicht in der Region", urteilte SPD-Stadtrat und Gymnasiallehrer Reinhold Otzelberger. Es werde auch junge Leute "hautnäher" mit der Geschichte in Verbindung bringen. "Beeindruckend" fand Schulamtschef Wolfgang Blos die Verwandlung der alten Bastion zum Ausstellungsraum. Dem Urteil schloss sich Stadtpfarrer Georg Holzschuh an, der den Raum von früheren Besuchen als dreckigen Keller in Erinnerung hat. "Das kommt mir jetzt auch viel größer vor als früher."
Als "große Bereicherung" bezeichnete Künstler und Querdenker Harald Winter die Einrichtung und weist Susanne Fischer spitzbübisch darauf hin, dass ein Wappenstein dem Profil von Donald Duck gleicht.

Wenn das Rad Fahrt aufnimmt...

Die Ehre, das Laufrad des Lastkrans einzuweihen, gebührte dem Oberbürgermeister Stumpf. Mühelos brachte er den 50-kg-Stein am Ende der Seilwinde durch Laufen im "Hamsterrad" in die Höhe. Eine Gefahrenstelle entdeckte Stumpf allerdings: "Das Nauf-Ziehen war kein Problem, aber wenn einer beim Runterlassen nicht richtig bremst und das Rad Fahrt aufnimmt, können die dümmsten Sachen passieren. Da müssen wir was machen." Geduldig Warten ist hier sicher nicht angebracht.

Öffnungszeiten

Das Erlebnismuseum Rote Mauer ist ab Sonntag, 13. Mai, jeweils sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.