Unmut schlug den Planern der Deutschen Bahn auch im Stadtrat entgegen. Bereits im Planungsausschuss hatten sie sich Mitte Juli Vorwürfe anhören müssen, weil der viergleisige Streckenausbau die Stadt belasten werde: durch kilometerlange Lärmschutzwälle, durch den Abriss der Piastenbrücke - und durch den fehlenden S-Bahn-Haltepunkt in Forchheim Nord .
Bis 2018 sollen die Umbauarbeiten in Forchheim abgeschlossen sein. 2016 wird der Abriss und Neubau der Piastenbrücke beginnen. Wie berichtet, ist die aktuelle Brücke zu schmal für den viergleisigen Zugverkehr. Ein Jahr lang wird der Neubau der Brücke dauern. Was das für die Pendler von Ost nach West bedeutet, wenn der gesamte Verkehr dann zwölf Monate über die Eisenbahnbrücke laufen muss, sei kaum vorstellbar, meinte Udo Schönfelder (CSU). Manfred Hümmer (FW) sagte, die Lärmschutzwände "werden das Gesicht der Stadt verändern und Forchheim in West und Ost zerteilen."

Ludwig Preusch (FW) rief dazu auf, sich "zu wehren" und die Planungen der Bahn "abzulehnen", wie es auch Nachbargemeinden getan hätten - etwa in Hirschaid.
Reiner Gubitz, der DB Projektleiter, sagte: "Über den S-Bahn-Halt im Norden ist die letzte Entscheidung noch nicht getroffen - aber es fehlen planerisch eindeutige Aussagen". Und die könne nur die bayerische Eisenbahngesellschaft machen. Reinhold Otzelberger (SPD) reagierte verärgert. Das sei wie zu Zeiten von König Ludwig: "Der König denkt nach, er geht spazieren um den See und vielleicht äußert er sich, vielleicht nicht." Mit demokratischen Strukturen habe das nichts zu tun. "Wer entscheidet?" wollte Otzelberger wissen.

Entscheidend beim Thema S-Bahn-Halt sind die Fahrgastzahlen, erinnerte Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO). Ab 1000 potenziellen Fahrgästen wird der Haltepunkt gebaut. Doch die Eisenbahngesellschaft "als Bestellerin des Projektes" rechne im Stadtnorden mit nur 700 Einsteigern. Zwar komme der VGN in seiner Berechnungen auf 1200 Fahrgäste; aber im Streit über diese unterschiedlichen Zahlen gebe es keine Lösung, sagt Stumpf: "Warum das so ist kann ich nicht nachvollziehen, obwohl ich schon bei vielen Sitzungen dabei war."

Eduard Nöth, Stadtrat und Landtagsabgeordneter (CSU), verwies ebenfalls auf die "strittigen Fahrgastzahlen". Er versprach, sich bei Verkehrsminister Martin Zeil weiter für den S-Bahn-Halt einzusetzen. Nöth forderte den Stadtrat zu einer entsprechenden Resolution auf. Die wurde dann auch gefasst.
Anita Kern (SPD) zeigte sich "enttäuscht über das, was ich sehe". Sie forderte, die Planungen durch Computer-Animationen verständlicher zu machen - und sie forderte Umfragen in Forchheim Nord: Die Bürger sollten sich zur Dringlichkeit einer S-Bahn äußern.
Annette Prechtel (FGL) bezeichnete es als "erschreckend, was da auf Forchheim zukommt". Geld und Natur würden "vernichtet". Die Pläne der Bahn sind aus Sicht der FGL-Rätin "verrückt und wahnwitzig". Prechtel erinnerte daran, dass den Forchheimern im Zuge des ICE-Ausbaus ein S-Bahnhof im Stadtnorden versprochen worden sei. Das hätten die Grünen schon damals bezweifelt - zu Recht wie sich nun herausstelle.

Wobei Oberbürgermeister Franz Stumpf betonte, dass die Ablehnung der ICE-Pläne kein grünes Thema sei: "Die Stadt insgesamt hat dem ICE-Ausbau bis heute nicht zugestimmt. Wir sind erst in der Planungsphase."
Der DB-Ingenieur Heiko Zarnack sagte dem Stadtrat, dass Forchheim durch das Großprojekt auch Vorteile habe: "Der Lärmschutz wäre ohne den Streckenausbau nie möglich gewesen." Außerdem werde der Bahnhof barrierefrei.
Doch die Kritik der Räte überwog: Gerhard Meixner (FGL) schimpfte, weil die DB "dreist" mit Verordnungen argumentiere "als wären es Naturgesetze". Und Manfred Hümmer kritisierte: "Großprojekte werden hinter den Kulissen geplant und die Bürger werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Außer auf die Farbgestaltung der Lärmschutzwände haben die Forchheimer keinen Einfluss auf die Planung."