Zuletzt fand er eine bronzene Kugelkopfnadel. "Um 1200 vor Christus, Urnenfelderzeit", schätzt Wolfgang Thiel. Wenn der Jurist sein Arbeitszimmer im Forchheimer Landratsamt verlässt, ist er sehr häufig in Richtung Walberla unterwegs. Der Berg ruft ihn.
Und wenn Thiel über seine Forschungen spricht, wird seine Berufung zum Archäologen greifbar: Er breitet Steinsplitter auf dem Schreibtisch aus und spricht über sie in wunderbaren Worten: "Ringfragmente", "Scherbenrondelle", "Tupfenleisten".
Wolfgang Thiel ist ehrenamtlicher Mitarbeiter am Landesamt für Denkmalschutz. In Schloss Seehof ist die archäologische Außenstelle zu Hause. Zwei Mal im Jahr fährt der Forchheimer dorthin, um seine aktuellen Fundobjekte abzuliefern.
Sind die Teile bestimmt, erhält sie der Finder zurück. Auch in seinem heimischen Arbeitszimmer beginnt der Hobby-Archäologe dann, zu zeichnen, zu fotografieren, einzuordnen.
Obwohl Wolfgang Thiel die Wiesen am Walberla seit Jahrzehnten durchkämmt, wird er immer wieder fündig. Die historischen Scherben, die er aufgespürt hat, sind ungezählt. Dann, im vergangenen Sommer - eine Steinspitze. In ihrer Art ein einmaliger Fund, wie sich jetzt herausstellte.
Die Archäologen aus Schloss Seehof lieferten den Beweis: "Silices, buntes Rohmaterialspektrum, ein vermutliches Dolchspitzenfragment des Spätneolithikums."
"Silices, Feuerstein, das ist der Stahl der Steinzeit", schwärmt Thiel. Dass seine Dolchspitze aus der Zeit zwischen 5000 bis 2000 vor Christus stammt, versetzt ihn in Euphorie: "Das ist die selbe Zeit, in der Ötzi gelebt hat." Der 1991 entdeckte "Mann aus dem Eis", der seit 1998 im Archäologiemuseum Bozen ausgestellt ist, könne dank der Radiokarbon-Methode eindeutig der Zeit zwischen 3350 und 3120 vor Christus zugeordnet werden.