Spätestens mit dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" wurde klar, dass der Erhalt der Artenvielfalt auch in Eggolsheim auf großes Interesse stößt. Für Teile des Baugebiets nahe des Eggolsheimer Friedhofs plant nun die Gemeinde, eine Streuobstwiese sowie uralte Gärten zu opfern. Als Lebensraum für bedrohte Arten und grüne Lunge mitten im Ort seien genau diese Teilflächen aber von großer Bedeutung, sind die Jungen Bürger überzeugt.

Sie haben nun rund um den 29-jährigen Bürgermeisterkandidaten Martin Albert ein Bürgerbegehren zum Baugebiet "Schirnaidler Straße" initiiert. Mit dem Kompromiss, der über das Begehren von der Gemeinde gefordert wird, könne sowohl dringend notwendiger Wohnraum geschaffen als auch ein entscheidender aktiver Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden.

Als Argumente für die große Variante des Baugebiets hätte der amtierende Bürgermeister Claus Schwarzmann bisher immer aufgeführt, dass möglichst viele Bäume der Streuobstwiese in die Planungen integriert und Verluste durch Ersatzpflanzungen an anderer Stelle problemlos ausgeglichen werden könnten. Durch den geplanten Eingriff gehe allerdings der Charakter dieses noch sehr ursprünglich vorhandenen Teils von Eggolsheim mit der Streuobstwiese insgesamt verloren, so die Initiatoren.

Überarbeitung der Pläne nötig

Nur beim Erhalt in seiner Gesamtheit könne eine entsprechende ökologische Funktion erfüllt werden. Aus diesen Gründen sprechen sich die drei Hauptvertreter Martin Albert, Astrid Amon-Bollenbeck und Michael Voll mit ihrem Bürgerbegehren "Wohnraumschaffung im Markt Eggolsheim im Einklang mit Natur und Landschaft" für eine Überarbeitung der Planung aus. Umweltfachlich hochwertigere einzelne Grundstücke sollen dabei geschont und die Bebauung auf das heute intensiv genutzte Ackerland beschränkt werden. Damit könnten nach wie vor etwa 60 Prozent der Fläche des Gebiets für Bauwillige in einem naturnahen Umfeld erschlossen werden, sagen die Hauptvertreter.

Um die übrigen 40 Prozent zu kompensieren, fordern die Initiatoren in ihrem Bürgerbegehren die Ausweisung von Bauland auf weniger sensiblen Flächen sowie insgesamt ein aktiveres gemeindliches Leerstandsmanagement. So könnten für Privateigentümer von freien Bauplätzen Verkaufsanreize geschaffen werden, indem die Gemeinde ihrerseits alternative Investitionsmöglichkeiten anbietet.

Verbesserung der Baulandpolitik

Mit dem Bürgerbegehren soll ganz bewusst nicht nur ein Zeichen für ein optimiertes Baugebiet neben dem Eggolsheimer Friedhof gesetzt, sondern auch allgemein Anlass dazu gegeben werden, die Baulandpolitik in der Gesamtgemeinde nachhaltig zu verbessern. Um die zu erhaltende alte Streuobstwiese für Eggolsheim zukünftig auch erlebbar zu machen, wird im Bürgerbegehren eine frühzeitige Nachpflanzung alter Obstsorten in den Lücken vorgeschlagen. Dies lasse sich mit der Umwelterziehung in Schule und Kindergarten in der Nachbarschaft verknüpfen, wodurch das erfolgreiche Programm der Lias-Grube direkt vor Ort erweitert werden könne.

Zur erfolgreichen Umsetzung des Bürgerbegehrens ist es erforderlich, bis zum 17. Januar mindestens 500 Unterschriften zu sammeln. Unterschreiben darf jeder Gemeindebürger der Marktgemeinde Eggolsheim über 18 Jahre. Die Initiatoren und viele weitere Unterstützer des Bürgerbegehrens werden dafür in den nächsten Wochen aktiv mit Listen auf die Bevölkerung zugehen und um Unterschriften bitten.

Außerdem werden im Gemeindegebiet auch Unterschriftenlisten in verschiedenen Geschäften, die an einem Plakat im Fenster erkennbar sind, ausliegen. Mit einer möglichst breiten Zustimmung im Bürgerbegehren könne dann ein entscheidendes Zeichen für die direkte Demokratie und eine zukunftsorientierte Gemeindeentwicklung gesetzt werden.