Pedro Kiesewetter warnt gleich mal: "Vorsicht, es staubt hier!" Wer sich in diesen Tagen im denkmalgeschützten Fachwerkhaus in der Waisenhausstraße 14 umschaut, sollte nicht seine beste Kleidung anziehen. Steinbrocken und Batzen mit Heu und Lehm übersäen den Boden, dahinter schwingt Sohn Moritz mit Elan den Vorschlaghammer. Der 22-Jährige reißt Wände ein, die nicht mehr gebraucht werden. Die Sanierung des Anwesens beginnt mit Donnerschlägen.
Hinter der Adresse verbergen sich insgesamt vier Gebäude aus verschiedenen Zeiten: neben dem Wohnhaus von 1615 mit einem Anbau aus den 1950er Jahren auch eine Scheune von 1555 und ein Nebengebäude von 1575. "Das Ganze war ein landwirtschaftlich genutzter Vierseithof", erklärt Architekt Oliver Reiss, der zusammen mit Kollege Dirk Raffegerst den Umbau übernommen hat. "Alle Gebäude stehen auf den Grundstücksgrenzen, was für uns auch den Brandschutz erschwert." Nach ihren Plänen soll bis auf den faden Anbau alles erhalten werden. Ein Großteil des Nebengebäudes müsse wegen maroder Fichtenbalken zwar abgerissen werden, solle jedoch wieder mit Fachwerk aufgebaut werden. Die Planung wurde in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege erstellt und bereits vom Forchheimer Bauausschuss abgesegnet. Deshalb darf Moritz auch loslegen mit dem Vorschlaghammer.

Eine sechsstellige Summe


Für Vater Pedro ist es bereits das dritte Objekt in Forchheim, das er nach Jahren des Zerfalls vor dem endgültigen Zusammenbruch rettet - innerhalb von sechs Jahren. In das Erste in der St. Martin-Straße (2005) zog der 54-Jährige selbst mit seiner Familie. Es folgte eine Scheune in der Wallstraße (2008). Und nun hat er ein neues Projekt gesucht und in der Waisenhausstraße gefunden. Das ist nun so groß wie die beiden amderen zusammen. Eine sechsstellige Summe muss Kiesewetter in die Sanierung stecken. Doch darüber spricht er nicht. Der Inhaber einer Baustofffirma mit Hauptsitz in Baiersdorf redet lieber über das Ergebnis: "Bauen ist Leben. Es ist so schön, etwas entstehen zu sehen und etwas Altes im neuen Glanz erstrahlen zu lassen."
Das bewährte Team Raffegerst-Reiss-Kiesewetter hat vor, das alte Wohnhaus durch einen parallel davor gestellten, eingeschossigen Sichtbetonriegel zu erschließen. Die ein Meter große Fuge zwischen beiden Gebäuden wird mit Glas transparent gehalten. Im Fachwerkhaus wird ein Großteil des zweiten Stockwerks für eine Galerie geopfert, so dass die 120 Quadratmeter Wohnfläche weitgehend ebenerdig liegen - ideal für Senioren. In der Scheune gibt es zwei Stockwerke und überhaupt keine Wände. "Da sind wir völlig frei in der Gestaltung, je nachdem was die Mieter wollen", erklärt Kiesewetter, der hier zwei Wohneinheiten oder Büroräume einrichten will.

Hinter dem Putz...


Bereits in den nächsten Wochen sollen Zimmerer und andere Handwerker anrücken. Moritz Kiesewetter ist nämlich bald fertig mit seinem Hammer-Job. Die Abbruch-Arbeit macht dem Student der Betriebswirtschaftslehre eine Menge Spaß. Nicht weil er sich dabei abreagieren kann, sondern: "Weil es toll ist, wenn dabei so was Schönes zum Vorschein kommt", sagt er und deutet auf Fachwerk, das er hinter Putz freigelegt hat.
Bis Mitte 2012 will Pedro Kiesewetter mit dem Umbau fertig sein. Gäste wird der Denkmal-Retter dann mit einer anderen Warnung begrüßen müssen: "Vorsicht, es glänzt hier!"