Die Freigabe der neuen Staatsstraße zwischen Gößweinstein und Stadelhofen hat ein Nachspiel. Am vergangenen Freitag hatte Baudirektor Andreas Eisgruber vom Staatlichen Bauamt Bamberg das 1,4 Millionen Euro teure Projekt offiziell für den Verkehr freigegeben.
Ihn begleiteten dabei zwei seiner Mitarbeiter sowie Gößweinsteins Bürgermeister Georg Lang und MdL Eduard Nöth (beide CSU). Den Termin angeregt hatte Nöth. Er wollte sich gemeinsam mit Lang und Eisgruber ein Bild vom Stand der Straßensanierung machen. "Da ich von Anfang an diese Baumaßnahme vor allem aus Gründen der Verkehrssicherheit für unsere Schulkinder befürwortet und unterstützt habe, möchte ich mir vor Ort ein Bild über den Ausbauzustand machen", hieß es in Nöths Schreiben an Eisgruber und Lang.

Alles nur ein Missverständnis?

Nöth bat in seiner Mail vom Montag, 13. Mai, allerdings auch darum, dass seine Einladung an die Mitglieder des Gößweinsteiner Marktgemeinderats weitergeleitet werde. Dem entsprach Bürgermeister Lang auch. Allerdings erst am Donnerstag, 16. Mai, und damit nur einen Tag vor dem geplanten Termin. Zuvor sei er "zwei Tage nicht dagewesen", sagt Lang. Am Ende erschien kein einziger Marktgemeinderat am Freitag. Offenbar war ihnen der Termin zu kurzfristig bekannt geworden.

Lang spricht von einem Missverständnis, dass Eisgruber den Besichtigungstermin eines Landtagsabgeordneten in eine offizielle Verkehrsfreigabe verwandelt hat. Sauer aufgestoßen ist die ganze Angelegenheit inzwischen den Freien Wählern und der SPD. "Zur Eröffnung des Radwegs von Stadelhofen nach Gößweinstein bitte ich Sie um eine kurze Stellungnahme. Es ist aus meiner Sicht ein mehr als merkwürdiges Bild, wenn ganze zwei Politiker und das Hausmeisterehepaar der Schule den Radweg alleine einweihen. Wo waren die örtlichen Gemeinderäte, die diese wichtige Entscheidung getragen haben? Ist das Straßenbauamt Bamberg Veranstalter gewesen? Wenn ja, warum wurde nur die CSU eingeladen? Und warum war der Landkreis nicht eingeladen, auf dessen Drängen das Bauamt schließlich tätig wurde?"

Diese Zeilen schrieb gestern der Landtagsabgeordnete Thorsten Glauber an Bürgermeister Lang. Dass Hausmeisterpaar hatte Lang noch persönlich geholt, um der Presse eine belebtes Foto bieten zu können. Nöth antwortete Glauber, dass "eine feierliche Einweihung deutlich sichtbar nicht stattfand". Diese werde er, Lang, aber in Bälde organisieren: "Dann natürlich mit einem umfassenden Gästekreis und dem gebührenden Rahmen." Wie Glauber reagierte auch Marktrat Jürgen Kränzlein (SPD) mit einer Mischung aus Verwunderung und Wut auf die Angelegenheit: "Dass Herr Bauamtsdirektor auf Pfiff reagiert und eine interne Eröffnung des Radwegs für Herrn Nöth vorgenommen hat, verwundert dabei schon", schreibt Kränzlein.

"Das hat sich so ergeben"

Kränzlein hält das ganze für eine Werbeveranstaltung zugunsten Nöths: "Demut und Bescheidenheit sind offenkundig keine besonders ausgeprägten Eigenschaften von Herrn Nöth."
Eine offizielle Verkehrsfreigabe stellt sich auch Gößweinsteins FW-Chef Rainer Polster anders vor. Polster nennt es ebenfalls einen unmöglichen Vorgang, dass ein Chef eines Bauamts den Besichtigungstermin eines Landtagsabgeordneten zur offiziellen Verkehrsfreigabe nutzt. Lang indes hält das Ganze für ein "typisches Wahlkampfgeplänkel". Er habe sich zwar auch gewundert, dass Eisgruber aus dem Termin eine offizielle Einweihung gemacht habe: "Das hat sich so ergeben, da kann keiner was dafür."
Der Mann, der in die verworrene Angelegenheit am ehesten Licht bringen könnte, war gestern nicht zu erreichen. Andreas Eisgruber macht Urlaub, heißt es im Bauamt.