In der Nähe des Spielplatzes Löffelholzweg im Westen Heroldsbachs treffen wir Petra Tauchert, die mit ihrem Fahrrad gerade einige Besorgungen erledigt hat. Bei unserer Sommerserie "Zwei Stühle - eine Stunde" ist sie die erste Person in Heroldsbach, die an einem sonnigen Dienstagmorgen Zeit findet, um mit uns ein wenig ins Gespräch zu kommen. "Gerade sind ja schließlich Ferien, da ist alles ein bisschen entspannter", verrät die 64-jährige Gymnasiallehrerin für Geschichte, Deutsch und Sozialkunde, bevor sie uns zu sich nach Hause einlädt.

Seit 1997 in Heroldsbach

Wir haben Glück, sie zu treffen, denn erst kurz zuvor ist sie von ihrem Urlaubsaufenthalt bei ihrer Tochter zurückgekehrt. Seit 1997 wohnt Petra Tauchert in Heroldsbach. "Damals sind wir wegen des Bauplatzes hergezogen", erklärt sie die Ortswahl. Gerade rund um den Hausbau gab es in der Anfangszeit einige Schwierigkeiten. Mit der Zeit hat sich die gebürtige Hoferin aber immer besser eingelebt. Durch ihren Hund Amicus lernte sie stets nette Leute kennen - "ganz wunderbare Menschen, die sich auch während der Corona-Krise gut um mich gekümmert haben und mir immer ihre Hilfe angeboten haben", sagt sie.

Die Krise hat verbunden

Richtigen Anschluss in der Dorfgemeinschaft fand Petra Tauchert aber erst 2015 durch ihr Engagement während der Flüchtlingskrise. Nachdem im Nachbarhaus Geflüchtete eingezogen waren, gab sie zunächst Deutschkurse. Später unterstützte sie die Familien auch darüber hinaus, etwa beim Ausfüllen von Anträgen, bei Gesprächen mit dem Hausbesitzer oder bei Amtsgängen. "Ich war bald für alles zuständig, was so anfiel", erinnert sich die Pädagogin.

Nicht immer ging es dabei konfliktfrei zu. So manches Mal kam es zum Streit im Nachbarhaus, in den Petra Tauchert dann - im Zweifelsfall auch mitten in der Nacht - schlichtend eingriff. "Es waren einfach zu viele Personen auf einem Haufen, da sind solche Auseinandersetzungen vorprogrammiert", meint die 64-Jährige heute. Aus diesem Grund hat sie auch zeitweise ein Mädchen aus der Unterkunft nebenan bei sich im Haus wohnen lassen.

Trotz diverser Konfliktsituationen erinnert sich Petra Tauchert vor allem an die schönen Aspekte ihres Engagements. So hat sie zur Weihnachtszeit zusammen mit geflüchteten Frauen und Kindern sowie mit weiteren Helfern aus Heroldsbach Plätzchen gebacken. An ihrem 60. Geburtstag übernahmen "ihre" Flüchtlinge außerdem sogar sämtliche Vorbereitung, indem sie Freunde und Familie bekochten, um dann gemeinsam mit allen zu feiern. "Das war der schönste Geburtstag, den ich je hatte. Fast wie eine Hochzeitsfeier", sagt sie rückblickend.

Die Flüchtlingsfamilien, die die Lehrerin damals betreut hat, sind inzwischen nach Düsseldorf umgezogen. Was ihr jedoch noch immer bleibt, sind die vielen Kontakte zu anderen offenen und engagierten Heroldsbachern. "Durch die Flüchtlingskrise bin ich viel mehr ins Dorf gewachsen", stellt Petra Tauchert fest.

Gekommen, um zu bleiben

Bei ihren Aktivitäten hat sie viele neue Freunde gefunden, mit denen sie auch noch heute regen Kontakt pflegt. Diese Personen sind auch der Grund, weshalb sie sich nun entschieden hat, auch längerfristig in Heroldsbach zu bleiben und nicht irgendwann in die Nähe ihrer Kinder und Enkel zu ziehen. Durch ihre vielen hilfsbereiten Freunde fühlt sie sich im Dorf integriert, das will sie nicht aufgeben. Viel zu sehr genießt sie die DVD- und Koch-Abende mit ihren Freundinnen. "Mit ihnen kann ich wirklich lachen und weinen", sagt sie.