Bei Schnee und Eis landeten drei "Urvögel" im winterlich-kahlen Frostgarten der Fränkischen Schweiz. Im Kirchehrenbacher Gasthaus Sponsel inszenierten Claudia Kurrle, Peter Knobloch und Markus Hürner auf bescheidenster Bühne ein mitreißendes Kabarett. Sie nennen sich "Urvögel" nach dem sagenhaften "Archeopterix", der einst das Altmühltal beherrschte- die Landschaft, von der sie herkommen.

Allerdings wollen sie gar kein Kabarett darbieten, verkündet das lustig-bunte Trio Infernale gleich am Beginn. Denn sie werden auf alle politischen Themen verzichten, weil diese viel zu langweilig seien.
Die Lebensfragen, die heute in Altbaiern und Neufranken die Menschen bedrücken, lauten hingegen: "Wie kriege ich mein Arschgeweih wieder weg?" Oder auch: "Was treibt Loddar Matthäus?" Eine neue Massenseuche habe die Bevölkerung befallen, verkündet der Pressesprecher der fahrenden Schauspieltruppe, Peter Knobloch: die sogenannte "Sexsucht".

Deshalb gab es auch Anlass für eine Titeländerung. Der inzwischen auch schon recht abgenutzte Slogan "Phantom der Oper" wurde umgewandelt in "Kondom der Oper".

Sittsames Oberfranken

In der friedlich- sittsamen, heilen Welt Oberfrankens könne man sich vom Ausmaß und von der Auswirkung der Epidemie keine Vorstellung machen. In Altbaiern jedoch spiegelt sie sich sogar in den Stammsilben uralter Ortsnamen.

Die Dekadenz einer spätbürgerlichen Gesellschaft im Banne dieser Massenpsychose komme am deutlichsten im "Wiener Opernball" zum Ausdruck. Hier wird der Mensch auf seine finanzielle Potenz reduziert: "Nur Bares ist Wahres."

Mit bescheidensten Mitteln und optimaler Wirkung erschaffen die drei Künstler ein Universum aus Walzerklängen und slipfreier Operettenseligkeit. Das Guantanomo Österreichs liege im Zillertal, so verkünden sie, wo Hansi Hinterseer seine Volksmusik als Folterinstrument einsetzt.

Hinter den Walzertakten lauern die Lebenslügen und brechen sich im harmonischen Duett ihre Bahn. "Du bist für mich der allerletzte Drecksack", flötet die Frau." "Du bist für mich der allerletzte Depp", resondiert der Mann. Das gebannte Publikum in Kirchehrenbach war auch verzückt von den makabren Kalauern zum Kulturkonflikt zwischen der islamischen und der westlichen Welt. " Der Taliban muss seinen Sprengstoffgürtel enger schnallen", wurde gefordert.

Die Sache mit der Samenspende

Sonst wird das orientalische Dampfbad zum Ursprungsort eines "Kriegs der Kulturen". Denn statt "Rosen in Tirol" schenkt man sich "Sprengstoff im Haman".

Ein weiterer Höhepunkt des Abends stand unter der Dieter Bohlen nachempfundenen Parole "Deutschland sucht den Samenspender". Zwei Bauersfrauen aus Ebermannstadt entwickeln dabei eine durchschlagende Geschäftsidee.