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Kirchehrenbach
Wintersport

Die Skispringer vom Walberla eifern Karl Geiger nach

Die Häfners aus Kirchehrenbach sind eine sportliche Familie. Timo und Mara sind als Skisprung-Nachwuchs bereits auf bayerischer Ebene erfolgreich. Im Garten haben sie einen eigenen Trainingsparcours.
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Timo übt im Sommer den Absprung vom Sockel. Foto: Leo Hühnlein
Timo übt im Sommer den Absprung vom Sockel. Foto: Leo Hühnlein
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Dieser Tage zieht die Vierschanzentournee wieder viele Wintersportfans vor dem Fernseher in den Bann, und in einem Wohnzimmer am Fuß des Walberla wird ganz besonders mit den deutschen Adlern mitgefiebert. Denn zwei der drei Kinder von Dorothea und Sebastian Häfner aus Kirchehrenbach stehen schon seit Jahren bei bayerischen Titelkämpfen selbst auf Brettern oben an der Skisprungschanze.

Der zehnjährige Timo und seine um zwei Jahre jüngere Schwester Mara stürzen sich bereits sehr erfolgreich und waghalsig in die Tiefe wie ihre Idole, denen sie bei mancher Trainingseinheit schon persönlich begegneten und die jetzt über die Mattscheibe flimmern.

Aus dem Fichtelgebirge

Dass der Nachwuchs für diesen Wintersport ausgerechnet in der Region heranwächst, liegt an den Eltern. Die Mutter Dorothea stammt aus Bischofsgrün im Fichtelgebirge und hatte mit dem nur drei Kilometer entfernten Ochsenkopf ihren Trainingsplatz quasi vor der Haustüre. Ihr Talent zum Skilanglauf erbte die 37-Jährige von ihrem Vater. Im Sportinternat Oberwiesenthal in Sachsen, das sie für drei Jahre besuchte, steigerten sich ihre Leistungen zur Teilnahme an überregionalen Meisterschaften. Knorpelschäden in den Knien verhinderten jedoch eine sportliche Karriere.

Der Familienvater Sebastian kam ebenso durch seinen Vater zum Wintersport. Der gebürtige Forchheimer erinnert sich noch an ein prägendes Erlebnis als Grundschüler: "Bei Schnee fuhren wir öfters am Wochenende ins Fichtelgebirge, um Ski zu fahren. Die Seilbahn zum Ochsenkopf quert die Sprungschanze, und als ich auf diese hinabsah, sagte ich mir, dass ich von dort oben auch mal irgendwann herunterspringen werde." Jenen Traum erfüllte sich Häfner jedoch erst vor drei Jahren, und er fügt schmunzelnd an: "Die Weiten meines Sohnes Timo erreiche ich freilich nie."

Seit 2013 heimisch

Seine Frau hat der inzwischen 34-Jährige aber nicht auf der Piste kennengelernt, sondern beim gemeinsamen Studium in Erlangen. Dorothea schlug das Fach Medizin ein, ließ sich später zur Sport- und Physiotherapeutin ausbilden und betreibt heute im gemeinsamen Haus in Kirchehrenbach, wo die Familie seit 2013 heimisch ist, eine Physiotherapiepraxis. Sebastian studierte Lehramt mit Schwerpunkt Sport und ist nach den Stationen in Coburg und Ebermannstadt seit einigen Jahren Mittelschullehrer in Gräfenberg. Beim TSV Kirchehrenbach fungiert der Pädagoge nicht nur als Vorstandsmitglied, sondern auch als Co-Trainer der Herren und als Übungsleiter im Nachwuchsbereich. Klar, dass da auch die eigenen Kids am Fußballplatz mit dabei sind. Dorothea leitet unter anderem die Piloxing-Stunde im Sportheim. Überhaupt sind die Häfners ausgesprochen aktiv - eine sportliche Familie eben.

Üben auf der Rollbahn

Um die Kinder zu fördern, wurde der Garten zum Trainingsparcours umfunktioniert und mit wintersportspezifischen Geräten ausgerüstet. Auf einer mehrere Meter langen und leicht abschüssigen Rollbahn lernen die Kinder, den richtigen Moment für den Absprung zu finden. Ein Schwingband, in das die Kinder auf Höhe der Hüfte einspringen, hilft bei der Suche nach der Balance, erklärt Häfner: "Ziel ist es, mit dem Körper die Form einer Banane im bewegten Band zu halten, wie sie die Skispringer im Flug zeigen."

Absprungsockel, Hürdenstangen und eine Kletterwand sollen helfen, die Motorik und Konzentration zu schulen. Vor dem Haus auf der Straße jagen die Kinder auf Inlineskates auf und ab, um Kraft und Ausdauer zu steigern. Auch das Nesthäkchen Nelio eifert den beiden Geschwistern mit vier Jahren schon nach.

Erfolge als erster Lohn

Obwohl Mara erst seit einem Jahr für Verbandswettkämpfe startberechtigt ist, ließ sie beim über das Jahr verteilten Bayerncup für die Nordische Kombination bereits aufhorchen. Ihr Bruder Timo wurde im Sommer in der Rhön Sieger in seiner Altersklasse und siegte auch im Herbst in Bischofsgrün/Neubau in der Nordischen Kombination unter 15 Jungs aus ganz Bayern. Er steht unter den Fittichen von Trainer Günther Göllner, der einst selbst ein erfolgreicher deutscher Skispringer war.

Auf Platz 3 in Bayern

Timo sprang bereits mit neun Jahren in der Altersklasse Schüler 11 Jahre und darf nun als Zehnjähriger noch ein volles Jahr dort starten. Nach dem dritten Platz 2017/18 in der bayrischen Wertung zur Nordischen Kombination belegte er in der Saison 2018/19 im Skispringen der bayerischen Meisterschaft den zweiten Platz und rangiert derzeit auf Platz 3 in der Tourneewertung Bayern im Skispringen.

Pause gibt es bei den Häfners eigentlich nie. Zuletzt stand in Rastbüchl im Bayerischen Wald das erste Schneespringen auf der einzig beschneiten Kinder- und Jugendschanze auf dem Trainingsprogramm. Inzwischen horten die Häfner-Kinder bereits eine randvoll gefüllte Holzkiste mit Medaillen und Pokalen.

Timo besitzt noch eine besondere Trophäe: Auf seiner Fichtelgebirgsadler-Trainingsjacke haben alle deutschen Tournee-Skispringer unterschrieben, darunter der derzeitige Zweite Karl Geiger, Markus Eisenbichler und Bundestrainer Stefan Horngacher.

"Ziiieh!" Dieser legendäre Schlachtruf der Fans begleitet die deutschen Skisprung-Adler vom Schanzentisch weg - und wer weiß: Vielleicht schallt es ja in ein paar Jahren vor den TV-Geräten der Region auch so, wenn der Skisprung-Nachwuchs vom Walberla die Spur hinabgleitet: "Ziiieh!"

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