In den letzten Wochen sorgten sich viele Retterner, dass in diesem Jahr der Tradition des "Osterbrunnenputzens" nicht nachgekommen werden könne. Doch sprichwörtlich "auf den letzten Drücker" wurde der reparierte Brunnentrog im unteren Dorf aufgestellt und so hielt Thomas Hüppe vom Bauamt sein Versprechen.

Nun konnte die Frauengemeinschaft auch in diesem Jahr ihren Brunnen schmücken, um das Wasser zu ehren. Der Hintergrund dieses Brauches liegt darin, dass es für die Vorfahren nicht leicht, war an sauberes Trinkwasser zu kommen. So wurde früher den Kindern Bier gegeben, wenn man welches hatte, da dieses gesünder war als Wasser. Dass die Gesundheit durch das Abkochen der Würze kam, wusste man zu diesen Zeiten noch nicht.
Aus diesem Grund hält sich in der Fränkischen Schweiz diese Tradition seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Am Samstag vor der Karwoche waren die Retterner gerne wieder dieser Tradition gefolgt. Es dekorierten sehr viele große und kleine Hände den "Unteren Dorfbrunnen". Mit mehr als 1000 bunt bemalten Eiern und einer wunderschönen Krone wurde der Brunnen zum Augenschmaus.

Wie in so vielen Ortschaften und Pfarreien wurde auch der Dorfbrunnen in Weilersbach österlich geschmückt, der der Fischbrunnen auf dem Kirchplatz vor Alt-St. Anna. Es ist der einzige Brunnen im Dorf, der im Wege der Dorferneuerung errichtet wurde.

Dass das Brauchtum wieder auflebte, ist Trachtenfrau Helga Schütz zu verdanken. Sie gab vor einem Jahr den Schub dazu. Für die Zukunft ist Helga Schütz sehr daran gelegen "diesen schönen Brauch zu pflegen und weiter bestehen zu lassen".


Mit Girlanden und Krone


So waren auch heuer die fleißigen Hände der Frauen vom örtlichen Trachtenverein am Werk und verwandelten ihn in einen herrlich leuchtenden Osterbrunnen. Sorgfältig banden Marlene Henkel, Martina Batz, Ingrid Stöhler, Renate Kreller und Margit Hofmann die farbenfrohen Eier an die Girlanden. Frieda Hofmann hatte die Girlanden und die Krone aus frischem Tannengrün gebunden.

Doch ganz ohne einen Mann ging es dann doch nicht: Gottfried Batz half mit, setzte das Kreuz obenauf und stellte sein selbst gebasteltes Hasenpaar vor den Osterbrunnen - mit einer kleinen Spendenbox.

Schon Wochen vorher hatten die Frauen die Eier selbst bemalt. Auch die Kindergarten- und Schulkinder trugen mit ihren Malkünsten zur bunten Eierpracht bei. Bei der Palmprozession wurde das farbenprächtige Kunstwerk bereits allseits bewundert.

Nicht alle Tage sieht man eine solche schöne Osterhasenfamilie in der Raiffeisenstraße in Aufseß. Aufgemalt auf Bretter, die sein Vater ausgesägt hat, hat dies der zehnjährige Nico Fischer. Beim Ausmalen haben auch seine beiden Schwestern Jasmin (elf Jahre) und Natalie (sieben Jahre) mitgeholfen. Den Handwagen hat seine Mutter Bettina mitgestaltet. Nico Fischer besucht die vierte Klasse in Hollfeld. Als Hobby gibt er Gitarrespielen und Fußball beim ASV Aufseß an. Das Malen ist sein Leben.


An das Brauchtum heranführen


Heimatliches Brauchtum stand vor Ostern auf dem Stundenplan der dritten Klasse in der Grundschule Wiesenttal. Unter ihrer Klassenleiterin Heidi Wehrfritz bemalten die Schüler im Kunstunterricht ausgeblasene Eier. Drei Mütter und eine Oma fanden sich in der Schule ein, um die Krone und Girlanden zu binden. Nun konnte der "Kohlmanns"-Brunnen direkt neben der Schule mit seinem österlichen Schmuck herausgeputzt werden. Wie Heidi Wehrfritz ausführt, wolle man die Kinder an das Brauchtum ihrer Heimat heranführen, um dieses von Generation zu Generation weiterzutragen.