Nachbarschaft und Freundschaft, das sind die beiden Werte, aus denen die Siedlergemeinschaft Lichteneiche gleich am Forchheimer Kellerwald gegründet wurde. Dies ist nun schon 80 Jahre her. Wer die Siedlung Lichteneiche heute kennt, wer dieses Gebiet ansieht, der kann sich heute nur schwer vorstellen, wie es dort vor so vielen Jahren aussah. "Gegründet wurde unsere Siedlung 1932, in einem Jahr, in dem es im damaligen Deutschen Reich rund neun Millionen Arbeitslose gab, in dem kinderreiche Familien als ein Übel angesehen wurden", erklärt Marco Bauer aus dem Vorstand.

Viel in Eigenleistung gebaut

Damals wurde in Forchheim und auch in vielen Nachbarstädten der Beschluss gefasst, für arbeitslose und kinderreiche Familien Kleinsiedlungen zu errichten. "Zu allererst gingen zwölf Siedler an die Arbeit und errichteten ihre Häuser.
Und wer hier wohnt, weiß genau, wie schwer sie sich getan haben müssen. Der Boden besteht vorwiegend aus zähem Lehm", erzählt der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Lichteneiche, Uwe Brandl.
Die Siedler halfen sich damals gegenseitig, liehen Gerätschaften untereinander aus oder schafften sie für die Gemeinschaft an. Auch eine kleine Bühne wurde in Eigenleistung auf dem Nederkeller errichtet, damit die Siedler gesellig zusammensitzen und sich an Theateraufführungen erfreuen konnten.

Unermüdlich gegen den lehmigen Boden gekämpft

Diesen Geist der alten Siedler entdeckt man noch in den Menschen, die heute im Verein tätig sind. Sicherlich liegen die Aufgaben im 21. Jahrhundert ganz woanders, aber wenn man beobachtet, wie intensiv sie bei den Vorbereitungen des Gründungsfestes zum 80-jährigen Bestehen zusammenarbeiten, bekommt man leicht eine Vorstellung davon, wie hier einst angepackt wurde, um ganze Häuser zu errichten. Unermüdlich kämpften die Siedlungsgründer gegen den lehmigen Boden, und auch die heutigen Siedlungsbewohner kämpfen gegen die Natur. Mitten während des großen Jubiläumsfestes müssen sie Kies schaufeln, weil der Boden vor dem Festzelt völlig aufgeweicht ist. "Wir wollen dafür sorgen, dass unsere Gäste nicht ganz im Schlamm versinken, während sie in unser Festzelt wollen - also hilft nur schaufeln", sagt Marco Bauer.

Und auch bei allen anderen Events zeigen die Siedler großen Einsatz. In jedem Jahr im September findet eine eigene Kerwa statt. Außerdem gibt es ein Weinfest. Und nicht zu vergessen: ein Muttertagsfest. "Da werden die Mütter tatsächlich von den Männern bekocht", freut sich Daniela Kummer-Schmitt. Außerdem übernimmt der Verein regelmäßig Ausflüge.

Seit den 1960er Jahren besitzt die Siedlergemeinschaft Lichteneiche auch ein eigenes Vereinsheim. "Da können Geburtstage drin gefeiert werden oder es wird den Kindern zum Kinderschminken und so weiter zur Verfügung gestellt", erklärt Marco Bauer.

Egal, wie sich die Siedlung inzwischen äußerlich verändert hat: Die Siedler tragen immer noch den Gemeinschaftssinn in sich. Nachbarschaft und Freundschaft sind auch heute noch wichtige Werte wie auch der Zusammenhalt. "Wir sind tatsächlich noch ein kleines Dorf mitten in der Stadt", sagt Uwe Brandl lachend.