Obwohl in nur wenigen der nächste reguläre Sitzungstermin in den Kalendern steht, haben sich die Leutenbacher Gemeinderäte zu einer Sondersitzung getroffen. Einziges Thema an diesem Abend war der Umbau der Kläranlage.

Seit einigen Monaten stimmen die dortigen Abwasserwerte nicht mehr. Das wirkt sich unter anderem auch auf die Abwasserabgabe aus. Dass mit der Kläranlage etwas nicht in Ordnung sein kann, hatte sich spätestens mit dem hohen Fremdwasseranteil abgezeichnet. Der lag in der vergangenen Jahren laut Christian Baier, der am Landratsamt in Ebermannstadt für die Abwasserabgabeberechnung zuständig ist, jährlich zwischen etwa 40.000 Euro und 60.000 Euro.Der Anteil hätte allerdings um bis zu 90 Prozent geringer sein müssen. Die Abwasserabgabe berechnet sich nach der jährlich anfallenden Schmutzwassermenge. Mit jährlichen Kosten mit etwas weniger als 4000 Euro wäre Leutenbach einigermaßen im grünen Bereich. Die ernüchternde Wahrheit lautet: Die Gemeinde Leutenbach kommt um eine umfassende Sanierung und Ertüchtigung der Kläranlage nicht herum.

Der Zeitplan steht

Vor etwa sechs Jahren war die Anlage schon einmal hergerichtet worden. Doch die Trommeln der biologischen Anlage, die Wickeltauchkörper genannt werden, haben sich schnell wieder aufgelöst. Für die sanierte Anlage hat Abteilungsleiter Winrich Bussinger vom Ingenieurbüro Höhnen inzwischen einen groben Zeitplan vorgelegt. Schon im März könnten demnach die Ausschreibungen beginnen. Im April könnte die Vergabe erfolgen. Geht bis dahin alles glatt, könnten die Leutenbacher im Mai beim Landratsamt einen Antrag auf vorzeitigen Baubeginn stellen.

Gebaut werden soll nach dem Willen der Leutenbacher bereits ab Juni, so dass bis Ende August der Rohbau stehen könnte. Nach der Gestaltung der Außenanlagen ist die Fertigstellung für Ende Oktober vorgesehen. Mit diesem Zeitplan kann sich auch Hans Hemmerlein vom Wasserwirtschaftsamts in Kronach anfreunden. Der Amtsleiter war persönlich zur Sondersitzung nach Leutenbach gekommen, was den dringlichen Charakter des Sanierungsprojekts unterstreicht. Bei der Finanzierung droht indes ein neues Desaster, denn laut Hemmerlein übernimmt der Freistaat nach einem Beschluss des Landtags nur die Erstausstattung.

Geschockte Gemeinderäte

Was dann noch fehlen sollte, könnte anschließend ausschließlich über den Gebührenhaushalt abgewickelt werden. Die Kalkulationen von Bussinger bewegen sich im Bereich zwischen 1,4 Millionen Euro und 1,7 Millionen Euro. Sollte ein Anschluss an die Forchheimer Kläranlage nötig werden, könnten sich die Kosten laut Bussinger aber leicht auf 1,9 Millionen Euro steigern. Dieser Fall gilt im Moment gleichwohl als wenig wahrscheinlich.
Die Gemeinderäte machten nach den Ausführungen Bussingers einen geschockten Eindruck. Zumal bei der letzten Schätzung noch Kosten von rund 300.000 Euro im Raum gestanden waren.

Immerhin stellte Bussinger in Aussicht, dass die sanierte Anlage 40 Jahre lang halten könnte. Die inzwischen veralteten Planungen waren nur von zwölf Jahren ausgegangen. Der Leutenbacher Gemeinderat konnte sich am Ende auf eine Funktionalausschreibung einigen.