"Muggendorf, hier Muggendorf" begrüßt die Stimme von Paul Pöhlmann die Gäste im neuen Infozentrum des Naturparks Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst, das am heutigen Samstag, 28. April, um 14 Uhr im ehemaligen Bahnhofsgebäude eröffnet wird. Auf 180 Quadratmetern wird nicht nur die Geschichte der Dampfbahn dargestellt, der Besucher wird auch informiert über "das, was unter uns ist", die Höhlen, über Flora und Fauna, über Felsen, Vogelschutz und einiges mehr.
Bei freiem Eintritt ist das Dokumentationszentrum, in dem zahlreiche Broschüren zu den unterschiedlichen Themenbereichen aufliegen, täglich geöffnet. An den ehemaligen Bahnhof, auf dem 1922 der erste Zug eintraf, erinnert nicht nur das völlig intakte Stellwerk mit dem nostalgischen Streckentelefon aus dieser Zeit, sondern auch eine Reihe von Fotos, ein Fahrplan aus den 50er Jahren und das Foto von Paul Pöhlmann, des letzten noch lebenden Bahnbeamten, der hier Dienst getan hat.
Vom ehemaligen Dienstraum des Bahnhofes kann der Besucher einen Blick tief ins Innere der Erde werfen. Eine Glasscheibe im Fußboden gibt den Blick frei auf den ehemaligen Kohlenkeller. Dort wurde mit Puppen szenisch nachgestellt, wie die Arbeit eines Höhlenforschers einst ausgesehen hat. Eine Tondokumentation erläutert das unterirdische Schaffen. Während dessen kann der Gast einen Blick auf eine Vielzahl von Leuchtern und Grubenlampen werfen, die von der Forschungsgruppe Höhle und Karst zusammengetragen wurden.
Info-Tafeln verweisen auf die Höhlenbewohner, insbesonders die Fledermaus. Die Erdgeschichte der Fränkischen Schweiz wird in den geologischen Erscheinungen wie Fossilien und Mineralien deutlich. Unter dem Motto: "überoll Schdaa" verweist das Infozentrum auf die Kalkscherbenäcker und die dort vorkommende einzigartige Flora und Fauna.
Die Fränkische Mehlbeere oder das Fränkische Habichtskraut sind zwei Pflanzenarten, die ausschließlich an besonnten Steilhängen, Felsen und Waldrändern des Naturparks Fränkische Schweiz vorkommen. Auf dem Mehlbeerensteig kann der Besucher diese Pflanzen in natura bestaunen. Auch der Hinweis auf Wacholderheiden und Wanderschäfer darf nicht fehlen.
Weißer Mauerpfeffer und Felsen-Steinkraut auf den Felsen, Blindschleichen und Eidechsen darunter, geben nur einen kleinen Einblick in die Artenvielfalt, die der 1968 gegründete, mehr als 2300 Quadratkilometer große Naturpark Fränkische Schweiz bietet.
Auch die arten- und blütenreichen Wiesen in den Flusstälern beherbergen eine große Vielfalt selten gewordener Pflanzen- und Insektenarten. Diese natürlich gebliebenen Gewässer sind Lebensraum für Fische und Amphibien, fungieren als Verbundsysteme unterschiedlicher Lebensräume. So ist die Fränkische Schweiz, das Land der Burgen, Höhlen, Felsen und Täler eine der beliebtesten Erholungsregionen überhaupt. Wandern steht dabei an vorderster Stelle, gefolgt von Klettern, Boot fahren oder Mountainbiken. Konzepte zur Lenkung der Besucherströme, die ebenfalls präsentiert werden, sorgen für ein verträgliches Miteinander.
Als Paradies "entdeckt" haben die Fränkische Schweiz Anfang des 18. Jahrhunderts die Bildungsreisenden Romantiker Ludwig Tieck und Wilhelm Wackenroder. Sie waren übrigens auch die ersten Höhlenforscher.