Das Jahr 1951 könnte durchaus als Geburtsstunde des modernen Tourismus in Franken nach dem Zweiten Weltkrieg gesehen werden. "Nach dem Krieg war Ebermannstadt überfüllt von Flüchtlingen. Da war die Einwohnerzahl von 1400 auf 2300 gestiegen und jede freie Kammer war belegt", erzählt Autor Christian Rösch, der selbst als Flüchtling nach Ebermannstadt gekommen und 1951 elf Jahre alt war.

In dieser Zeit baute die Joseph-Stiftung Bamberg Häuser in Ebermannstadt, die 1951 fertiggestellt waren. "Dadurch wurden die Zimmer in den Gastwirtschaften und den Privathäusern wieder frei und konnten vermietet werden", berichtet Rösch. Der Fremdenverkehr in der Fränkischen Schweiz konnte wieder starten.

Christian Rösch erzählt, dass die Fränkische Schweiz durch die Romantiker entdeckt worden war und sich im Laufe des 19. Jahrhunderts der Fremdenverkehr zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt hatte. Ab 1934 übernahm die nationalsozialistische Organisation "Kraft durch Freude" die Betreuung der Ferienreisenden. Der Krieg beendete allerdings jäh die positive Entwicklung des Fremdenverkehrs. Nachdem 1951 wieder Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung standen, kam es in den nachfolgenden Jahren zu einer Neubelebung des Tourismus.

"Hans Mayer, Buchhändler und Gebietsreiseleiter für Scharnow-Reisen Hannover, war der Mann der Stunde", erzählt Christian Rösch. Jede Woche begrüßte er neu ankommende Gäste am Bahnhof. Die Vermieter kamen mit Handwagen, um die von Mayer zugeordneten Besucher abzuholen und zur Unterkunft zu bringen. "Die Privatzimmer waren eher primitiv. Da gab es ein Plumpsklo, kein fließendes Wasser und keine Heizung. Denn die Gäste kamen im Sommer, da brauchte nicht geheizt werden", berichtet Rösch. Wasser stand in einem Krug auf einem Waschtisch neben einer Schüssel.

Hans Mayer, in dessen Laden auch das Städtische Verkehrsbüro untergebracht war, erwanderte mit seinen Gästen die Umgebung, organisierte Busfahrten zu fränkischen Sehenswürdigkeiten und besichtigte Betriebe der Stadt. "Legendär waren seine Begrüßungsabende beim Resengörg und Bahnfahrten am ‚frommen Tag‘ nach Streitberg in die Pilgerstube", so Rösch.

82 DM für zwölf Tage Urlaub

Eine zwölftägige Urlaubsreise, Bahnfahrt, Unterkunft und dreimalige Tagesverpflegung kosteten in den fünfziger Jahren 82 Deutsche Mark. Wie auch heute waren die Gäste vom guten und reichhaltigen Essen, dem selbst gebrauten Bier und der wunderschönen Landschaft begeistert. "Außerdem wurden im Dezember 1951 die Glocken wieder aufgezogen", ergänzt Christian Rösch. Denn diese waren im Krieg eingeschmolzen worden.

1951 war in Nürnberg zudem der Nordbayerische Fremdenverkehrsverband gegründet worden, der jetzige Tourismusverband Franken. Ziel war es, möglichst schnell viele kompetente Partner zu gewinnen, damit der Tourismus in Franken wiederbelebt werden konnte. Vier Jahre zuvor war vom damaligen Ebermannstadter Landrat und späteren Staatsminister für Finanzen, Rudolf Eberhard, der Fränkische-Schweiz-Verein gegründet worden.

Unter der Leitung des damaligen Geschäftsführers Heinrich Uhl trat der Verein dem Fremdenverkehrsverband 1951 bei. Im ersten Jahresbericht des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz von 1957 ist zu lesen, dass es Fortschritte beim Straßenbau gegeben habe und nur noch wenige Zimmer kein fließendes Wasser haben. Ein Jahr später war "Sportfischen" eine der beliebtesten Freizeitaktivitäten in der Region.