Den Tisch auf ihrer Terrasse deckt Cathrin Friedrich schon lange nicht mehr. Die Tischplatte ist von Taubenkot übersät. Und die Bewohnerin der Fritz-Hoffmann-Straße 6a ist nicht die einzige, die vor den Vögeln kapituliert hat. Das ganze Haus (etwa 60 Bewohner) fühlt sich wie Cathrin Friedrich "von den Tauben sehr belastet".
"Du kannst täglich putzen", sagt Marek Rychter, "spätestens am nächsten Tag ist das Fensterbrett und der Balkon auf gut Deutsch wieder voll geschissen". Rychter wohnt mit seiner Familie im vierten Stock, direkt unter den Balken, wo die Tauben nisten. Anfangs funktionierten die sogenannten Taubenabweiser; doch im Laufe der Jahre lösten sich die mit Silikon montierten Drahtgestelle. Sie liegen im Dutzend neben der Hauswand in der Taubenscheiße.

Protestbrief


19 der 20 Mieter haben sich in einem Brief an die Verwalter der Wohnungsbaugenossenschaft (WVG) gewandt, denn die Taubenplage ist nicht ihr einziges Problem. Schon seit 2011 haben die Mieter regelmäßig kein heißes Wasser. Seit im März 2012 die Heizung dann ganz ausfiel und die WVG ein mobiles Heizsystem einrichtete, klappt so gut wie nichts mehr. "Das Baden ist für uns Luxus geworden. Am Morgen müssen wir uns mit kaltem Wasser waschen. Um sich nach der Arbeit waschen zu können, müssen wir das Wasser heizen", beschweren sich die Mieter in dem Brief.
20 Bewohner kamen gestern im Keller der Fritz-Hoffmann- Straße zusammen und schilderten ihre Bestürzung. Olga Huck sieht nicht ein, dass sie für 90 Quadratmeter mittlerweile 419 Euro Kaltmiete zahlt ("2005 waren es noch 338 Euro"), wenn sie regelmäßig in einer kalten Wohnung sitzen und zusätzliche Stromkosten für das Heizen des Wassers zahlen müsse.
Jeder der 19 Mieter habe schon bei der WVG und zuletzt beim Gesundheitsamt protestiert, sagt Wanda Mackowiak. "Wenn man sich beschwert, wird man behandelt, als wäre das nur ein Einzelfall und als wäre die Sache bald erledigt." Die Firma Menk sei zwar wiederholt dagewesen, "aber passiert ist nichts", wundert sich Margarete Przywara. "Die Bewohner fühlen sich im Stich gelassen", sagt Wanda Mackowiak: "Die denken wohl, wir sind blöd."
"Wir übergehen die Mieter nicht", versichert Rosalinde Schmitt, die WVG-Sachbearbeiterin für das Haus Nummer 6a. "Im Gegenteil, wir nehmen sie ernst." Sie kenne die Probleme mit den Tauben, sagt Rosalinda Schmitt, "das ist wirklich unangenehm". Daher seien auch schon Angebote eingeholt worden: In Kürze würden die Taubenabweiser mit Hilfe eines Hubsteigers erneuert.
Auch WVG-Vorstand Wolfgang Bonengel betont, dass die Mieter "nicht im Stich gelassen werden." Mit der Heizung habe die WVG in diesem Haus und im Nachbarblock "ein Problem", räumt Bonengel ein. Derzeit werde mit den Stadtwerken und mit dem Hackschnitzelwerk in Forchheim Nord über ein neues Heizsystem verhandelt. "So was geht aber nicht in wenigen Wochen", betont der WVG-Vorstand. Als am 9. März die Heizung ausfiel, habe man jedenfalls unmittelbar reagiert. Bereits am 10. März rollte eine mobile Notheizung an - "und die ging am 13. März in Betrieb". Dass die Firma die Probleme mit der Heizung "nicht in den Griff bekommt", bedauert Bonengel; aber es werde ja nun ein neues System eingekauft.
Währenddessen denken die Bewohner über eine Mietminderung nach. Eine Frist bis 30 April haben sie der WVG gesetzt. Mirela Kolodziej hofft, dass bis dahin wenigstens die "Taubenmusik" endet. Die junge Mutter wohnt im vierten Stock: Das Getrippel und Gurren der Vögel über ihrem Kopf raube nicht nur ihrem Kind den Schlaf.