Wo steht die Bronzebüste von Susanne Fischer, wo hängt das große Ölgemälde mit ihrem Konterfrei? Die Leiterin des Pfalzmuseums kann sich bei dem Gedanken an solche Kunstwerke ihr zu Ehren ein heftiges Lachen nicht verkneifen: "Um Gottes willen, das brauche ich nicht." Ihre Amtsvorgänger offenbar schon. "Das waren Honoratioren. Hans Räbel hat schon was dargestellt. Der Lehrer aus Weißenohe war Zweiter Bürgermeister und Abgeordneter im Landtag", erzählt Fischer neben der fein gearbeiteten Büste von Räbel, dem ersten Museumsleiter.

Irrenanstalt oder Schatzkästlein?


Die Bronzeplastik wurde nicht von ungefähr in dieser Woche im Erdgeschoss der Kaiserpfalz aufgestellt. Sie ist Teil der Sonderausstellung "Irrenanstalt oder Schatzkästlein? - 100 Jahre Pfalzmuseum im wechselvollen Auf und Ab", die heute mit einem Festakt eröffnet wird - exakt ein Jahrhundert nach der Eröffnung des Museums.
Bei dieser Gelegenheit wird es im Innenhof und Ostflügel der Pfalz vor Gästen wimmeln. Drei Tage zuvor ist es ruhig. Es wird aufgebaut und hergerichtet, eine einzelne Besucherin schleicht durch die oberen Stockwerke. Museumsalltag im Hochsommer. Nicht für Susanne Fischer. Vor dem Höhepunkt des Jubiläumsjahres gibt es noch so viel zu erledigen. Doch die 49-jährige Kunsthistorikerin lässt sich nichts anmerken, führt geduldig vorab durch die Schau. Die Sonderaustellung erzählt mit vielen Texten und Bildern die Geschichte des Museums, die vor allem eine Geschichte der Museumsleiter ist.
Am Anfang steht eben jener Hans Räbel. Er reagierte auf ein Gerücht: Die im 14. Jahrhundert erbaute Kaiserpfalz, die seit 1803 dem bayerischen Staat gehört, solle abgerissen oder in eine Irrenanstalt verwandelt werden. Räbel will das nicht zulassen, schart Gleichgesinnte um sich und gründet 1905 den Historischen Verein Forchheim. Die Ziele: Die Kaiserpfalz erhalten und darin ein Museum einrichten. "Mir ist jetzt aufgefallen, dass das eigentlich Wutbürger waren, die sich zusammengeschlossen haben, um für ihre Sache zu kämpfen", sieht Fischer Parallelen zu "Stuttgart 21".

Funde von der Ehrenbürg


"Forchheim 05" kam gut voran. Die maroden Räume im Ostflügel, die zuvor als Speicher dienten, wurden mit öffentlichen Mitteln und Vereinsbeiträgen in Stand gesetzt, die Wandmalereien freigelegt und 353 Exponate gesammelt, darunter viele Grabungsfunde von der Ehrenbürg. Die Eröffnung am 2. Juli 1911 war üppig mit viel Prominenz, einem Festessen und Feuerwerk. Und Räbel wurde zum Ehrenbürger ernannt.
Ähnlich pompös ging es ein Jahr später zu, als der bayerische Prinz Ludwig dem neuen Schatzkästlein der Stadt seine Ehre erwies. Von diesem Besuch sind ein paar Bilder ausgestellt. Susanne Fischer deutet darauf und verdeutlicht dreierlei: Erstens hat es damals geregnet. Zweitens war das Gebäude nur notdürftig saniert worden, das Dach wirkt stark eingedrückt. Drittens wohnten damals in Teilen der Pfalz noch Menschen.
Bis zu seinem Tod 1941 leitete Räbel das Museum. Als 1946 die US-Soldaten eine Bleibe benötigten, wurden sie dort einquartiert und das Museum geschlossen. Der neue Leiter seit 1946, Konrad Kupfer, kämpfte in endlosen Briefen um die Auslagerung der Allierten, bis er 1951 Erfolg hatte und das Museum im bescheidenen Rahmen wiedereröffnet wurde. Nicht wenige Exponate, vor allem Trachten und Schmuck, fehlten allerdings. "Während Vorgeschichts-Freak Räbel viel nach außen gearbeitet hatte, hat Kupfer vor allem nach innen gewirkt. Er war eher ein Forschertyp", sagt Fischer. Schon 1952 veröffentlichte Kupfer den ersten gedruckten Museumsführer. 1959 wurde auch er Ehrenbürger.

Wenig Geld für die Denkmalpflege


Nach Kupfers Tod übernahm Max Schleifer die Leitung, der sich in einer schwierigen Zeit von 1965 bis 1994 für das Museum aufgearbeitet hat. Fischer: "In den 70er Jahren war wenig Geld übrig für die Denkmalpflege, vieles wurde abgerissen. Da war er ein einsamer Rufer in der Wüste." Der vielfach dekorierte Heimatpfleger hielt das Museum am Laufen, auch wenn er mehrmals drohen musste, seine Bürgermedaille in die Regnitz zu werfen.
Nach der Ära Schleifer erweckt die Ausstellung den Eindruck, als habe das Museum überhaupt keinen Leiter mehr - kein Bild weist auf eine neue Führung hin. Dabei entschied sich in jüngster Zeit Wesentliches. Auch aus Angst, der Freistaat könnte das Gebäude an Fremde veräußern, kaufte die Stadt bereits 1989 die Kaiserpfalz für 800 000 DM. Damit begann eine lange Diskussion um die künftige Nutzung. Bald war klar: Eine Generalsanierung ist unumgänglich. Doch Bewegung kam erst in die Sache, als 1994 die Idee entstand, ein Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung zu integrieren.
Verträge wurden unterschrieben, ein moderner Treppen-Anbau durchgeboxt, die Gebäudesubstanz analysiert, ehe 1999 bis 2003 die Sanierung über die Bühne ging. Für 9,4 Millionen Euro (die Stadt erhielt 65 Prozent Zuschüsse) wandelte sich die Kaiserpfalz zur Kulturpfalz.
Im Mai 2004 wurde das Museum mit neuartigem Erlebnischarakter wiedereröffnet. "Besucher sollen die Ausstellung mit allen Sinnen erleben können", erklärt Fischer. Dank der Landesausstellung "Edel und Frei", die im ersten Jahr unter dem Pfalzdach stattfand, besuchten 2004 gleich 200 000 Menschen das Museum.

Die erste hauptamtliche Leiterin


Wer steht nun hinter diesem Aufschwung in den letzten 20 Jahren? Ein verändertes Bewusstsein für Denkmalpflege, für das Schleifer den Grundstein gelegt hat. Aber auch das Wirken von Susanne Fischer, die heute stark unterstützt wird von Christina König.
Beim Rundgang durch die Schau erwähnt Fischer ihre eigene Arbeit erst auf Nachfrage. 1989 begann sie als ABM-Kraft zur Inventarisierung, fünf Jahre später wurde sie halbtags als erste hauptamtliche Leiterin eingestellt. "Es war einfach Handlungsbedarf da, man musste etwas tun für das Museum", sagt Fischer. Sie hat etwas dafür getan - mehr auf Kupfers Spuren, nach innen gerichtet. Gebührt ihr dafür eine Bronzebüste? Das wäre nicht zeitgemäß. Wohl eher ein Wikipedia-Eintrag.