s Leben schreibt die besten Geschichten. Und manchmal heißt das auch, dass etwas ganz anders läuft als geplant. Stefan Mauser zum Beispiel weiß das inzwischen sehr gut. "In meinem Zimmer hingen Poster von der Bundeswehr an der Wand. Ich wollte mich unbedingt verpflichten lassen", berichtet der 34-Jährige.
Nachdem er alle Tests hinter sich hatte, kam der Brief: eine Absage. Zu viele Bewerber. "Die Enttäuschung war groß damals. Aber anscheinend sollte es so sein", sagt Mauser.

Mit der Schubkarre nach Hause

In seiner Not machte Mauser seinen Zivildienst, und zwar beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Forcheim. Damals bestand seine Aufgabe vor allem darin, den Menschen eine Haushaltshilfe zu sein.
"Das hat mir sofort großen Spaß gemacht und mir wurde damals bewusst, dass ich es toll finde, mit Menschen zu arbeiten", sagt Mauser.
Heute ist Stefan Mauser dort Bereichsleiter.

Geschäftsführer beim ASB ist Wolfgang Caps. "Viele Menschen kennen zwar den ASB, aber was genau wir machen, wissen sie gar nicht", sagt er. Der ASB entstand im Jahr 1888 als Selbsthilfebewegung der Arbeiterschaft. "Wenn damals ein Arbeiter vom Gerüst gefallen ist, wurde er in der Schubkarre nach Hause gefahren und das war es dann. So konnte es nicht weitergehen", sagt Caps.

Innerhalb von wenigen Jahren entwickelte sich der ASB deutschlandweit zu einer wichtigen politischen und konfessionell unabhängigen Hilfsorganisation.

Den ASB in Forchheim gibt es seit den 1950er-Jahren. "Damals konzentrierten wir uns vor allem auf Behindertenfahrdienste", erklärt Caps. Dafür ist der ASB in Forchheim heute noch bekannt, aber sein Angebot ist inzwischen um ein Vielfaches gewachsen.

Ein großes Projekt des ASB Forchheim ist zum Beispiel das Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Ein anderes Angebot, das derzeit großen Zuspruch erhält, ist der Besuchshundedienst. Derzeit sind fast 30 Besuchshunde-Teams in rund 40 Einrichtungen in den Landkreisen Forchheim und Bamberg unterwegs.

Ein Schlüsselerlebnis

Gerade seitdem es die Wohnstätten für Menschen mit Behinderung gibt, orientiert sich der ASB an einem ganz bestimmten Leitbild: "So selbstbestimmt wie möglich", könnte man es zusammenfassen.

Caps erinnert sich an ein "Schlüsselerlebnis" bei einer Teambesprechung. "Einige Hausbewohner wollten unsere Tassen abspülen, doch da wir die Helfer waren, ließen wir das nicht zu. Da wurde uns sehr bald bewusst, dass wir in diesem Moment nicht geholfen haben, sondern Menschen in ihrer Freiheit beschnitten haben."
Jeder Mensch hat Talente und Fähigkeiten, egal ob behindert oder nicht - diese Erkenntnis haben die ASBler seit diesem Abend nicht mehr vergessen.

Seitdem ist das Team des ASB sehr darauf bedacht, die individuellen Fähigkeiten der Bewohner gerade im Alltag zu fördern. Es geht dabei um Würde, Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung.
"Sie glauben gar nicht, was von den Menschen zurückkommt. Das ist unbeschreiblich", sagt Stefan Mauser, und seine Augen leuchten dabei.

Es hat einfach gepasst

Natürlich ist er damals direkt nach dem Zivildienst nicht beim ASB geblieben. Dann wäre ja die Geschichte zu einfach erzählt. "Aber der Kontakt zum ASB ist immer geblieben. Ging ja fast gar nicht anders", lacht Mauser.
Sein Schwiegervater ist heute Ehrenvorsitzender des ASB und Fahrdienstleiter Walter Horsch war sein Fußballtrainer. "Als sie einen Disponenten gesucht haben, habe ich es einfach probiert", erinnert Mauser. Und dann hat es einfach gepasst.