Ein Zungenschnalzer erwartet die Fußballfans am Sonntag um 15.30 Uhr. Der FC Bayern erwartet Schalke in der Allianz-Arena zum Duell Dritter gegen Vierter - der Verlierer könnte wichtigen Boden auf das Führungsduo abgeben. In der Hinrunde gewann der FCB in Gelsenkirchen mit 2:0, scheint aber nach der Niederlage in Basel angeschlagen. Die Bilanz für die Münchner in bislang 83 Bundesliga-Spielen: 40 Siege, 25 Remis und 18 Pleiten.
Einen gelungenen Nachbau der Allianz-Arena durften 5000 Zuschauer beim bislang größten Faschingsumzug in Gößweinstein mit 40 Gruppen bewundern. Der Bayern-Fanclub "Roppelt Morschreuth" hatte sich mächtig ins Zeug gelegt und seit Weihnachten an seinem Wagen gebastelt, der das Stadion der Münchner zeigte. Nach einer Idee von Hans Heckel, der auch Obmann der Schiedsrichtergruppe Forchheim ist, wurden in mühsamer Vorbereitung Luftkissen, die sonst als Verpackungsmaterial dienen, grundiert, rot lackiert und auf einem gezimmerten Oval eines Anhängers montiert.

Der 49-Jährige berichtet: "Eigentlich begannen die Planungen sofort nach dem letzten Umzug. Die Umsetzung samt Logistik forderte uns das ganze Jahr." Stefan Blank erklärt die Konfetti-Kanone: "Ein Körnergebläse aus der Landwirtschaft, das mit 8 bar Druck die Konfetti zehn bis zwölf Meter weit bläst. Wir probierten mal Hackschnitzel, aber das ist zu gefährlich."

Das 47-jährige Gründungsmitglied des Fanclubs, der heuer sein 20-jähriges Bestehen feiert, ist von der aktuellen Form der Bayern enttäuscht: "Kein Druck nach vorn, keiner nimmt das Heft in die Hand. Schaut eher nach Handball als nach Fußball aus, weil beim Strafraum Ende ist." Trotzdem tippen beide auf einen 2:1-Heimsieg wie Heckel erhofft: "Der Knoten muss jetzt endlich platzen."


Familie Roth ist gespalten



Wettpatin Myriam Roth ist Privatkundenberaterin in der Sparkassenzweigstelle Gößweinstein und Anhängerin der Münchner, während Gatte Manfred Club-Fan ist: "Das sorgt manchmal für Gesprächsstoff bei gemeinsamen Derby-Besuchen", schmunzelt sie. Die 30-jährige Mutter von zwei Kindern zog mit Töchterchen Lene (3) in der Gruppe des Kindergartens als Schaf verkleidet ebenfalls im Faschingsumzug mit und fiebert am Wochenende neben dem Bundesliga-Schlager noch einem anderen Fußball-Event entgegen: "Am Samstag spielt unser Luis (6) beim Moggaster Hallenturnier mit, und meine Bayern schlagen Schalke hoffentlich mit 2:0."

Auch ein 2:0, nur anders herum erhofft die "Schalker Fraktion" der Clubfreunde Trubachtal, weil Clubfans - so Johannes Braun - traditionell mit den Schalkern sympathisieren. Beide Altmeister hegen seit Jahren eine Fanfreundschaft und leben diese auch aus. Der am Donnerstag 31 Jahre alt gewordene, gelernte Torhüter erinnert sich gern an ein Treffen mit Schalkern vom Fanclub "Königsblau Gerlingen", die den Club in Bochum damals unterstützten: "Raul und Huntelaar treffen und blasen Osrams Lampe aus."

In Alexander Gremblers Brust schlagen ebenfalls zwei Herzen: "Eins für Nürnberg, eins für Schalke." Der 22-jährige Spielführer des SV Wolfsberg freut sich auf die direkten Duelle der Altmeister ("Egal ob auf Schalke oder am Valznerweiher, immer Saisonhöhepunkt") und erklärt weshalb die Blauweißen in der Allianz-Arena gewinnen: "Für einen Schalker gibt es nichts schöneres, als gegen Neuer zu treffen."


Falsche Aufschrift am Wagen



Tobias Schütz war schon immer Nürnberger und hat den Club als Tattoo auf der Wade. Der 23-Jährige ist mit komplettem Schalke-Outfit ausstaffiert und lebt die Fanfreundschaft intensiv: "Wie andere bei uns im Verein auch." Ihm kommen die Bayern nach der klaren Schalker Niederlage gegen Gladbach gerade recht und in Richtung seiner Wettgegner setzt er noch eins drauf: "Die Morschreuther haben einen schönen Wagen, aber leider ist die Beschriftung falsch: Das heißt eigentlich Arroganz-Arena!"