In seinem neuen Buch, das er in der Gereonskapelle vorstellte, definiert Otto Voit, der von 1989 bis 2010 ehrenamtlich als Kreisheimatpfleger des Landkreises Forchheim tätig war, den Begriff "Kleindenkmäler": Denkmäler müssen in Handarbeit hergestellt worden sein und sollen bereits ein Alter von 50 Jahren erreicht haben. Die volkskundliche Definition setzt lediglich voraus, dass bei einem Denkmal das Ergebnis echten Bemühens von anderen Menschen nachempfunden werden kann, also kann das Objekt auch aus Beton, Blech oder Kunststoff sein.

Sein vierter, neuer Band listet auf 310 Seiten 92 "sonstige" Kleindenkmäler der jüngsten Neuzeit auf, 66 Ruhesteine, 94 exemplarische Grenzsteine und 18 Kreuzschlepper sowie 22 sonstige Heiligenfiguren. Zu den neuzeitlichen Denkmälern zählt der Igensdorfer Planetenweg des Erlanger Künstlers Dieter Erhard, welcher 2006 errichtet wurde, genauso wie die Bronze-Figur des "Freien Bauern" in Oberehrenbach aus dem Jahr 2007.


Die Funktion bleibt unklar

Die Arbeit eines Heimatpflegers erläuterte Voit anhand der "Ruhesteine". Die meisten von ihnen liegen außerhalb der Ortschaften, aber nahe an Siedlungen und Kreuzungen. Voit ging der Frage nach, welche Funktion diese Steine einst erfüllt haben, denn es erscheint nicht sehr komfortabel, sich auf einem nackten glatten Fels ausruhen zu wollen. Er stieß auf einen Aufsatz von Günther Brommler aus Baden-Württemberg, in dem erwähnt wurde, dass in einigen Gegenden im Schwabenland diese Ruhesteine als "Gruhen" bezeichnet werden. Handelt es sich bei einem "Gruhe-Stein" möglicherweise um eine Abwandlung des Wortes "Grusch-Stein"? "Grusch" ist ein Synonym für Krimskrams oder Ramschware, kleine Handelswaren. Hausierer, die früher diese Kurzwaren vertrieben haben, wurden aber in Ortschaften eingesperrt, von Bauernhöfen vertrieben. Haben möglicherweise Händler ihren Grusch zu ortsbekannten Zeiten auf einen "Gruschstein" ausgebreitet und zum Kauf angeboten? "Ob meine These zu fantasievoll ist, werde ich wohl nicht mehr erfahren", reflektierte der Autor.

Spannend sind auch die Geschichten der zahlreichen Grenzsteine. Der heutige Landkreis sei geradezu von unterschiedlichen Grenzen durchfurcht, wie kaum ein anderer, so Voit. Die Fraischgrenze von 1607 trennte die Reichsstadt Nürnberg vom Fürstbistum Bamberg und diente der Blutgerichtsbarkeit und als Wildbanngrenze.
Auf die Frage, warum er sich für die Kleindenkmäler interessiere, antwortete Voit, dass er vom Steinkreuzforscher Franz Zettler inspiriert worden sei. Dieser sei in den 50er Jahren mit seinem Fahrrad aus Nürnberg geradelt, um Steinkreuze und Grenzsteine zu inventarisieren.

Voit bedauerte in seiner Rede zur Buchvorstellung, dass der Denkmalschutz oft nicht wertgeschätzt würde. Er zitierte Dr. Betz, einen ehemaligen Referenten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalspflege, der über seinen Berufsstand sagte: "Auch die meisten meiner Kollegen sind Architekten und haben zusätzlich oft Kunstgeschichte studiert. Dazu kommt die Ausbildung zum Denkmalschützer. Diese frischgebackenen Denkmalschützer werden zu ihrem ersten Ortstermin gerufen, weil es sich um einen geplanten Eingriff in ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt und erfahren nun erst den Grund des Problems. Der aber lautet oft: Darf ich hier an dieser Stelle meine Toilette und ein Bad einbauen?"


Für die Rettung eingesetzt

Landrat Hermann Ulm bezeichnete Voit in seinem Grußwort als hochgeschätzten Verfechter und Kämpfer für die Heimatpflege, hier vor allem für die Baudenkmalpflege. Voit habe sich neben seiner Dokumentationsarbeit auch in vielen Fällen aktiv um die Rettung von Kleindenkmälern eingesetzt, so Ulm.

Der Landkreis Forchheim hat gemeinsam mit Otto Voit 2007 ein erstes Inventar von 219 Bildstöcken aufgelegt ("Die Martern im Landkreis Forchheim"), 2008 einen Band über 238 Brunnen ("Wasser - vom Nutz- zum Zierbrunnen"). Ein Jahr später folgte ein Band über 137 Kapellen und über 77 Eisenkruzifixe ("Kapellen und Kruzifixe").

Otto Voit bedankte sich für die Kostenübernahme und Veröffentlichung durch den Landkreis Forchheim. Die vom Landkreis herausgegebenen Inventare zu Kleindenkmälern im Kreisgebiet haben vor allem das Ziel, einen möglichst lückenlosen Bestand dieser Kulturgüter zu dokumentieren und den Erhalt dieser Objekte zu sichern.

Das Buch, erschienen im Verlag Kulturamt des Landkreises Forchheim, ist unter der ISBN 978-3-9815188-2-5 für 24,80 Euro im Buchhandel erhältlich.