Die Wasserwerte haben bis zuletzt gepasst und die neueste Trinkwasseranalyse bestätigte noch einmal, dass die Köttweinsdorf-Gruppe an die rund 720 Einwohner in ihrem Verbandsgebiet einwandfreies Trinkwasser liefert. Dennoch wird die vor 90 Jahren gegründete Eigenwasserversorgung aufgelöst und soll nun an die Juragruppe angeschlossen werden. Hauptgründe dafür sind das fehlende Wasserschutzgebiet und die hohen Zuschüsse des Freistaats, die man jetzt wieder wegen der interkommunalen Zusammenarbeit bekommt.

Fehlendes Wasserschutzgebiet

Weitere Baumaßnahmen für einige Ortsnetzleitungen, wie in Oberailsfeld, wären für die Köttweinsdorf-Gruppe ohnehin angestanden.
Eine weitere Alternative wäre auch der Erhalt der Köttweinsdorf-Gruppe gewesen, die dann aber ihr Trinkwasser aufgrund des fehlenden Wasserschutzgebiets von einem anderen Wasserversorger hätte beziehen müssen.
Der Nachteil der Wassergastlösung wäre aber der Unterhalt des Leitungsnetzes gewesen, was für die Bürger in Zukunft finanziell teurer gekommen wäre als eine Vollmitgliedschaft bei einem anderen Wasserversorger. Vorsitzender Baptist Knörl erinnerte an die Verbandsgeschichte. 1921 begann der Bau des Wasserkraftwerks im oberen Wiesenttal durch die damalige Gemeinde Rabeneck für die Stromversorgung. Dieses noch existierende Wasserkraftwerk, das auch noch Strom für das öffentliche Stromnetz produziert, wird erhalten und von der Juragruppe mit übernommen und weiterbetrieben.

Schautafeln zur Geschichte?

Knörl stellt sich vor, hier dann Schautafeln zur Geschichte der Köttweinsdorf-Gruppe aufzustellen. 1924 begann dann der Bau der Wasserversorgung der Orte Köttweinsdorf, Moschendorf, Sau-gendorf, Gösseldorf und Heroldsberg. 1952 wurden Eichenbirkig, Schönhof und Rabeneck an diese Wasserversorgung angeschlossen und zwei Jahre später dann Oberailsfeld. 1971 wurde dann die Köttweinsdorf-Gruppe als Wasserzweckverband gegründet und 1979 wurden die drei Quellen neu gefasst, da die alte Quellfassung qualitativ und quantitativ nicht mehr den Erfordernissen entsprach.
Seit 1981 wurde dann alles Mögliche versucht, um die Quellen mit einem Wasserschutzgebiet zu schätzen.

"Zu hohe Auflagen"

Dies war jedoch laut Knörl wegen zu hoher Auflagen und der Forderung eines zu großen Schutzgebiets mit 410 Hektar, in dem auch die Orte Eichenbirkig und Köttweinsdorf gelegen wären. "Dies wäre für die Wasserabnehmer nicht bezahlbar gewesen", so Knörl. Daher hatte der Wasserversorger keine wasserrechtliche Genehmigung und nur eine beschränkte Erlaubnis zur Trinkwasserentnahme. Bereits am 21. September 2009 beschloss der Verbandsrat daher die Einstellung der Wassergewinnung der nun mit dem Anschluss an die Juragruppe vollzogen wird. Wenn alles gut geht, kann laut Knörl noch heuer mit den Baumaßnahmen zum Anschluss an die Juragruppe begonnen werden. Wie Bürgermeister Edmund Pirkelmann (BBS) am Rande mitteilte, haben sich auch die Einwohner von Langenloh während einer kürzlich stattgefundenen Bürgerversammlung einstimmig für den Anschluss an die Juragruppe ausgesprochen. Die bisherige kommunale Eigenwasserversorgung von Langenloh wird dann ebenfalls aufgelöst.


Auflösung

Der 1924 gegründete Wasserzweckverband Köttweinsdorf-Gruppe wird aufgelöst und an die Juragruppe angeschlossen. Dies beschlossen die Verbandsräte am Mittwochabend während einer Verbandsversammlung einstimmig im Sitzungssaal des Badershauses. Auch der Gößweinsteiner Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG), der gleichzeitig Vorsitzender des Wasserzweckverbands der Wiesentgruppe ist, stimmte für einen Anschluss an die Juragruppe. Eine Alternative wäre aber auch der Anschluss an die Wiesentgruppe der 235 Haushalte in den Gemeinden Waischenfeld, Ahorntal und Gößweinstein gewesen.
Als Vorsitzender der Wiesent-gruppe hätte es Zimmermann natürlich gerne gesehen, wenn diese die Köttweinsdorf-Gruppe übernommen hätte. Zimmermann betonte jedoch, dass er nicht als Wiesentgruppen-Chef, sondern als Bürgermeister von Gößweinstein abstimmen werde. Und da sei der Anschluss von Moschendorf, der einzige Ort im Markt Gößweinstein der zur Köttweinsdorf-Gruppe gehört, an die Juragruppe die bessere Alternative. Denn nur dadurch könne Moschendorf von Köttweinsdorf aus mit einer Glasfaserleitung für das schnelle Internet versorgt werden, da beim Wasserleitungsbau der Überlandleitung dafür gleich Leerrohre mit verlegt würden. Außerdem habe die Wiesentgruppe bisher noch kein zweites Standbein. Die Juragruppe hingegen habe drei Tiefbrunnen und braucht auch keine Ultrafiltrationsanlage wie die Wiesentgruppe. Zudem hätte die Wiesentgruppe auch noch keinen Wassermeister.
Wie Zimmermann betonte, stimme er auch aus Gründen der nachhaltigen Versorgungssicherheit für die Bür ger für einen Anschluss an die Juragruppe, die auch das zweite Standbein der Wiesentgruppe werden könnte. Alternative für das zweite Standbein für die Wiesentgruppe ist zudem die Wasserversorgung der Stadtwerke Ebermannstadt. Bei der Wiesentgruppe ist außerdem der Hauseigentümer für den Schieber und die Leitung bis zur Wasseruhr selbst zuständig, was bei der Juragruppe nicht der Fall sei. Die bisherigen Wasserkunden der Köttweinsdorf-Gruppe müssen allerdings Anschlusskosten an die Juragruppe bezahlen. Verbandsvorsitzender Baptist Knörl rechnet mit Investitionen von rund drei Millionen Euro für den Anschluss an die Juragruppe. Durch die sogenannte interkommunale Zusammenarbeit mit den drei Gemeinden gäbe es aber zwei Millionen Euro Zuschuss des Freistaats dafür. Den Restbetrag der Baukosten, der auch unter oder über einer Million Euro liegen könne, müssten die Hausbesitzer durch Anschlussbeiträge selbst aufbringen. Pro Quadratmeter Geschossfläche sind dies bei der Juragruppe 5 Euro und für die Grundstücksfläche 1,30 Euro. Bei der Wiesentgruppe wäre die Geschossfläche um 11 Cent teurer, die Grundfläche jedoch um 28 Cent günstiger gewesen.

"Wasserpreis bleibt konstant"

Teurer werde auch der Wasserpreis. Bisher zahlten die Kunden der Köttweinsdorf-Gruppe 1,30 Euro pro Kubikmeter Trinkwasser, künftig sind es bei der Juragruppe dann 1,80 Euro. Dieser Wasserpreis werde aber trotz der Investitionen auch in den nächsten Jahren konstant bleiben, versicherte der Waischenfelder Bürgermeister Edmund Pirkelmann (BBS). Bei der Wiesentgruppe wird der Wasserpreis demnächst von 1,02 Euro auf 1,20 Euro ansteigen. Mit dem Bau des zweiten Standbeins ist hier eine weitere Wasserpreiserhöhung nicht ausgeschlossen. Weiterhin beschlossen die Verbandsräte, dass Herstellungsbeiträge zehn Jahre rückwirkend an die Kunden der Köttweinsdorf-Gruppe zurückbezahlt werden. Wer erst letztes Jahr Herstellungsbeiträge bezahlt hat, erhält 90 Prozent zurück und für jedes weitere Jahr würden es dann zehn Prozent weniger an Rückerstattung.
Laut Knörl müsse man insgesamt 16 000 Euro zurückerstatten. Nun müssen die Gemeinderäte der drei Kommunen noch der Auflösung der Köttweinsdorf-Gruppe und dem Anschluss an die Juragruppe zustimmen, damit es die hohe Förderung im Zuge der interkommunalen Zusammenarbeit gibt. Dazu soll eine gemeinsame Informationsveranstaltung mit einem Vertreter der Juragruppe mit Beschlussfassung aller drei Ratsgremien aus Waschenfeld, Gößweinstein und dem Ahorntal am 4. März um 19 Uhr entweder im Schützenhaus in Köttweinsdorf oder im Gasthof "Hofmann" in Kirchhorn stattfinden. Da es eine öffentliche Sitzung ist, können auch Zuhörer teilnehmen.