Im Hof des alten Knörl-Reichold-Anwesens in Unterleinleiter, das genauso so knorrig sein mag, wie die Charaktere einiger Darsteller, probt in diesen Tagen die "Bletsch'n Bühna" das fränkische Mundart-Theaterstück "1817 oder: Sehnsucht nach der schönen neuen Welt". Geschrieben hat das Stück Walter Tausendpfund.

Die Laiendarsteller um die Regisseurin Maria Riediger brauchen diese Zeit der Proben, um Stück für Stück in ihre Rollen hineinzuwachsen. Das Stück handelt von der großen Hungersnot in den Jahren 1816/17 und von dem Wunsch vieler Menschen, hier alles zurück zu lassen, um in dem verheißungsvollen Land Amerika einen neuen Anfang zu wagen.

Das Stück reflektiert die Missernten in der alten Heimat und die großen Armut auf den Höfen. Ohne diesen geschichtlichen Hintergrund wäre die Flucht derart vieler Menschen nicht angemessen zu verstehen. Es ist die Aufgabe des fränkischen Heimatpoeten Walter Tausendpfund, das Publikum zu Beginn der Aufführungen mit den damals herrschenden Zuständen vertraut zu machen.

"Die Hungernot von 1816/17 hatte ihren Ursprung ein Jahr vorher, nämlich im April 1815, in einem Ausbruch des Vulkans Tambora auf der kleinen Sunda-Insel Sumbawa im heutigen Indonesien, die mit ihren 15448 Quadratkilometern zum Malaiischen Archipel gehört", berichtet Tausendpfund. Die Eruption war damals so gewaltig, dass von dem ursprünglichen 4300 Meter hohen Vulkan mit einem Schlag 1730 Meter weggesprengt wurden.

50 000 Tote

50 000 Menschen sollen bei dieser Katastrophe ums Leben gekommen sein. Die meisten sind verhungert, "weil ein 500 000 Quadratmeter großes Gebiet von einer dicken Ascheschicht überzogen wurde", sagt Tausendpfund.

Dadurch breiteten sich Aschewolken über die ganze Erde aus. 1816 sank die Durchschnittstemperatur auf der Erde und bescherte Europa ein Jahr ohne Sommer.

Zeitzeugen hielten in ihren Aufzeichnungen fest, dass daraufhin die Getreidepreise auf das Dreifache stiegen, die Kaufkraft sank und die Menschen keine Arbeit mehr fanden. Von Mai bis Ende November soll es 1816 ununterbrochen geregnet haben, sodass die nur 60 Jahre vorher von Friedrich dem Großen eingeführte Kartoffel auf den Äckern verfaulte.

Da kommt dann die menschliche Tragödie ins Spiel, die davon erzählt, wie der Bauer an seinem 50. Geburtstag vor seinem Haus sitzend vom Viehhändler das "vielleicht wohlhabende Mädchen Kuni aus dem Bamber gischen wie ein Stück Vieh als Frau für den Bauernsohn angeboten bekommt, der Bauer aber gegen den Willen der Bäuerin seinen Sohn nicht verkaufen will".

Die Magd ist "das Mensch"

Als in dieser schweren Zeit ein durchziehender Handwerksbursch von den Schönheiten und Chancen in Amerika schwärmt und der Bauernsohn über ein Auswandern nachdenkt, taucht die Magd vom Hof auf.

Sie gesteht dem Mann, dass sie von ihm ein Kind erwarte, worauf er die Magd, die damals nicht Mensch, sondern nur "das Mensch" genannt wurde, mit nach Amerika nimmt. Nachdem heuer viele neue Darsteller dabei sind, hat Regisseurin Maria Riediger alle Hände voll zu tun, die Mimen mit ihren Rollen vertraut zu machen.
Der Bauer (Horst Vogel), dessen Sohn Karl (Florian Preller) und die Magd (Marion Handschug) stehen auch vor einer ganz anderen Herausforderung. Die Regisseurin erwartet, dass sie ihren Text im alten oberfränkischen Dialekt sprechen.