"Ich bin ein Huhn", schmunzelt Nguyen-Thi- Hong-Tam, die vietnamesische Mitinhaberin des Schnellimbisses Xuan Than in der Fuchsenstraße 3. Ihr Mann Nguyen-Viet-Xuan sei ein Affe. Mit Huhn und Affe sind hier die zwölf Tierkreiszeichen gemeint: Huhn, Affe, Drache, Ratte, Tiger, Schlange, Schwein, Pferd, Büffel, Katze (oder Hase), Hund, sowie Schaf (oder Ziege).

Das Jahr 2012 steht für das Jahr des Drachens.

Das Drachenjahr hat für Chinesen, Vietnamesen und andere asiatische Länder an diesem Montag begonnen. Der Drache steht dabei für Stärke, um zum Beispiel neue Projekte anzugehen.
Bei der Familie Nguyen in Forchheim wurde wegen der Zeitverschiebung schon am vergangenen Sonntag um 18 Uhr das chinesische Neujahr gefeiert. In Vietnam war dann Mitternacht. Dazu haben die Nguyens mit ihren Kindern zusammen gegessen und sich gegenseitig ein frohes neues Jahr gewünscht. Mit Räucherstäbchen haben sie dann vor ihrem Hausaltar gebetet. "Danach ging der Alltag schon wieder los", berichtet Nguyen-Viet-Xuan. Und Alltag, das heißt für die Nguyen, dass sie sich um ihren Forchheimer Schnellimbiss kümmern.

Erst am kommenden Samstag feiern sie das neue Jahr in einem etwas größeren Rahmen.

In Nürnberg, gemeinsamen mit anderen Vietnamesen. "Dabei bekommen alle Kinder einen roten Umschlag mit einem Dollar darin. Der soll ihnen Glück bringen", sagt Nguyen-Viet-Xuan. Seine Frau Tam erzählt, dass es in ihrer Heimat Brauch sei, zum chinesischen Neujahr einen Kuchen namens Banh-Trung aus grünen Bohnen, Knebreis und einer Schweinefleischfüllung zu backen. Der wird in grüne Blätter eingewickelt und auf den Hausaltar in einem eigens dafür ausgewählten Raum in der Wohnung positioniert.

"Etwa zwei Tage vor dem Neujahr haben wir mit den Vorbereitungen für den Altar begonnen", erzählt Xuan. Seine Familie hat dafür Obst gekauft, es gründlich geputzt und anschließend in einem Korb auf den Altar gelegt.
Der Altar steht bei der Familie Nguyen auf einem Regalbrett, das nicht zu hoch und nicht zu niedrig hängen sollte. "Auf dem Altar gehören zum Obstkorb und zum Knebreis, ein Glas halbvoller Schnaps und ein Glas volles Wasser für die Frau", schmunzelt Xuan. Von dem Essen und den Getränken dürfen sich alle Familienmitglieder in den nächsten sieben Tagen bedienen.

Gerade Zahlen bringen Unglück


Eine wichtige Rolle spielen außerdem die Räucherstäbchen. Ein großes Stäbchen symbolisiert dabei Xuans gesamte Ahnen, ein anderes Stäbchen die Ahnen seiner Ehefrau Tam. Beide Stäbchen werden in zwei, mit Dekosand gefüllte Gläser hinein gestellt. In die Gläser können auch weitere, kleinere Räucherstäbchen aufgestellt werden. "Wichtig ist aber, dass die Zahl der Räucherstäbchen auf dem Hausaltar ungerade ist, eine gerade Zahl würde Unglück bringen", erklärt Xuan.

Drei Tage vor Neujahr haben er und seine Frau Tam die Räucherstäbchen angezündet und zu ihren Ahnen gebetet. Sie haben sie darum gebeten, bis zum Neujahrstag bei ihnen zu bleiben und sich ihre Wünsche für das neue Jahr anzuhören. Nach dem Neujahrstag verabschieden sie sich von ihnen. "Das ist Tradition in unserer Heimat", sagt Xuan. Feuerwerkskörper zündet die Familie Nguyen weder im Vietnam noch in Forchheim zum chinesischen Neujahr am 23. Januar an. In Vietnam sei es verboten Feuerwerkskörper zum Neujahr anzuzünden, wegen der Brandgefahr.

Aber, wenn am 31. Dezember die Menschen in Forchheim Sylvester feiern, zünden auch die Nguyens Feuerwerkskörper an: "Da sind wir dabei", lacht Tam. Andere Vietnamesen, die in Deutschland leben, feiern gleich drei Feste. Einmal Weihnachten, einmal Sylvester und einmal chinesisches Neujahr. Wie in Deutschland der Tannenbaum in den Wohnzimmern steht, kommt in Vietnam ein Baum aus rosafarbenen Blumen zum Neujahr in die Zimmer. "Da es diesen Baum hier nicht gibt, wissen wir auch seine deutsche Entsprechung nicht. Aber einige Vietnamesen hier fertigen dessen Blüten aus Papier an", berichtet Tam.