Auch wer einmal jenseits der 50 ist, hat Lust, ein aktives und abwechslungsreiches Leben zu führen. "Es gab eine Welle, als Siemens viele Mitarbeiter in den Frühruhestand geschickt hat. Die Leute waren gerade einmal Mitte 50 und definitiv zu jung, zu einem Seniorentreff zu gehen. Also kam mir die Idee mit den Aktivtagen", erinnert sich Brigid Gruß.

So bildete sich eine Gruppe von Menschen aus Baiersdorf und der Umgebung, die sich seither an jedem zweiten Dienstag im Monat zu einer Wanderung oder einer kleinen Radtour trifft. "Das Einkehren ist bei uns aber genauso wichtig wie das Wandern selbst. Schließlich geht es auch um die Gemeinschaft", lacht Elfriede Hartrampf. Gemeinsam mit Brigid Gruß zieht sie die Fäden in der Gruppe.

Tatsächlich kommen an diesen Aktivtagen regelmäßig rund 50 wanderwillige Baiersdorfer zusammen. "Es ist einfach toll. Man trifft so viele Leute und kann sich austauschen.
Dann geht man mal ein bisschen schnell oder man wird langsamer und lässt sich in der Gruppe zurückfallen, um mit jemand anders zu reden", sagt Wilfried Malguth.

Bis jetzt hat es noch immer einen Freiwilligen gegeben, der die nächste Tour organisiert, sie vorher abläuft und die Wirtschaft testet. "Bei rund 50 Menschen, die bei einer Wanderung mitmachen, muss jemand alles vorher organisiert haben", sagt die 72-jährige Brigid Gruß.

"Eine Frage der Organsisation"

Tatsächlich gibt es einige Wirtschaften im Umkreis, die dienstags Ruhetag haben - für die "Aktivtage 50 plus" aber gern dennoch ihre Türen öffnen. "Alles eine Frage der Organisation", zwinkert Elfriede Hartrampf.

Und sollte es doch zu kleinen Problemen kommen, wird eben improvisiert. "Wir haben es auch schon erlebt, dass ganze Zimmer in einer Wirtschaft freigeräumt wurden, damit wir untergebracht werden konnten", erzählt Rita Kegel, die seit inzwischen zwölf Jahren Mitglied bei den "Aktivtagen 50 plus" ist.

"Einmal wurde sogar ganz einfach und rigoros der Stammtisch nach Hause geschickt, damit wir genügend Platz haben", lacht Wilfried Malguth. "Ja, genau", erinnert sich auch Brigid Gruß lachend, "und dann haben einige von uns einfach mitbedient."

Kultur geht auch

Neben dem Fit-Sein und FitBleiben steht bei der Baiersdorfer Gruppe vor allem die Geselligkeit im Vordergrund.
Zudem achten die Baiersdorfer darauf, auch für kulturelle Dinge Raum zu lassen: "Wir versuchen immer, eine Führung auf unsere Wanderung mit einzubauen. Damit wir auch etwas Kulturelles geboten bekommen", erklärt Brigid Gruß.

Einen positiven Effekt hat das neben der guten Unterhaltung auch: Die Einheimischen lernen ihre eigene Umgebung dadurch oft besser kennen. "Erstaunlicherweise ist es oft so, dass viele Menschen sich auf Mallorca oder Ibiza bestens auskennen, aber nicht wissen, was sich alles Sehenswertes in ihrer unmittelbaren Umgebung befindet", wundert sich Rita Kegel.

Gerade für sie und ihren Mann Friedrich war die Gruppe ideal, als sie vor zwölf Jahren aus dem Erzgebirge nach Franken zogen sind. "Wir haben so schnell Gleichaltrige und Gleichgesinnte kennengelernt", erinnert sich Rita Kegel.