Kurz flammte Hoffnung auf bei Mike Schmitt, Inhaber der Brauereigaststätte "Nikl-Bräu" in Pretzfeld, als er hörte, dass Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) einen "Durchbruch für bayerische Brauereigaststätten für die November- und Dezemberhilfe" geschafft haben soll. Diese Überbrückungshilfe konnte bisher nur beantragen, wer mindestens 80 Prozent des Umsatzes als "direkt, indirekt oder mittelbar vom Lockdown Betroffener" erzielt.

Brauereigaststätten sind jedoch Mischbetriebe: Umsätze in den Gaststätten entfallen durch den Lockdown, doch sie können noch Bier produzieren. In einer Pressemitteilung teilte Aiwanger mit, dass durch seinen Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die Antragskriterien aktualisiert worden seien: Jetzt würden auch die Fassbierverkäufe bei der Berechnung des Umsatzes berücksichtigt. "Da bekomme ich dann wieder nichts und weiß nach wie vor nicht, wie es die nächsten Monate weitergehen soll", ärgert sich Mike Schmitt und erklärt, dass bei Brauereien der Flaschenverkauf den meisten Umsatz macht, nicht die Fassbierverkäufe.

Mitarbeiter sind in Kurzarbeit

Für seine drei Mitarbeiter hat er Kurzarbeit angemeldet. Vom Umsatz aus dem Flaschenverkauf kann er gerade die nötigsten Fixkosten decken. Wie er alles andere bezahlen soll, ist unklar. Derzeit hilft sich die Familie gegenseitig. "Ich weiß auch nicht, wie wir die entstandenen Löcher dann stopfen sollen, wenn es im April oder Mai wieder losgeht."

Der Forchheimer CSU-Stimmkreisabgeordnete Michael Hofmann ist ebenfalls enttäuscht von der Aktualisierung. "Jetzt wäre jede verkaufte Flasche Bier kontraproduktiv für die Brauereigaststätten. Erst haben wir gesagt, die Unternehmen sollen sich breiter aufstellen, jetzt haben sie einen Nachteil davon." Er ist der Ansicht, dass nur wenige Brauereigaststätten von dieser Aktualisierung profitieren, und hat die Sorge, dass diese ein Alibi sein könnte, um die Betroffenen ruhigzustellen. Deshalb will er sich weiter für diese einsetzen und könnte sich vorstellen, dass eine Brauereigaststätte im Idealfall wie eine Gaststätte behandelt würde, mit jeweils für Brauerei und Gaststätte getrennten Umsätzen: "Die Hilfe muss eine echte Hilfe sein und kein Placebo."

Thema beschäftigt die Politik

Wie echte Hilfe aussehen und wie sie zielgerichtet eingesetzt werden könnte, hat der Landtagsabgeordnete vom Verein "Private Brauereien Bayern" zusammenfassen lassen: "Dieser Kontakt ist ein gelungenes Beispiel, wie über Fachleute Ergebnisse in die Politik einfließen können." Hofmann, der eng mit den CSU-Bundestagsabgeordneten zusammenarbeitet, will sich weiterhin für die Brauereigaststätten in Berlin starkmachen: "Das war schon in den letzten Wochen das Thema, mit dem ich mich am meisten beschäftigt habe."

Auch Landtagsabgeordneter Sebastian Körber (FDP) sieht keinen "Durchbruch" in der Aktualisierung: "Ich frage mich aber, was das für Regierungsfraktionsvertreter sind, die an einem Tisch sitzen und nur erklären: ‚Man könnte, müsste, sollte‘."

"Die Leute kämpfen um ihre Existenzen"

Gemeinsam mit der Grünen-Bundestagsabgeordneten Lisa Badum schrieb er ebenfalls einen Brief an Aiwanger und Altmaier. Ihn macht wütend, dass die Betriebe auf die finanziellen Hilfen warten müssen, weil die Software nicht funktionieren soll: "Die schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu und in den Betrieben fehlt das Geld." Körber weiß aus eigener Erfahrung als Selbstständiger, wie Betriebe zu kämpfen haben: "Ich bin einfach fassungslos, weil das Geld noch nicht da ist. Die Leute warten und kämpfen um ihre Existenzen." Für ihn ist es kein Problem, die Umsätze in Mischbetrieben auseinanderzudividieren. "Schließlich ist es klug, einen solchen zu haben. Deshalb sollten sie gleichgestellt werden", sagt Körber.

Dass die Bundesregierung die Brauereigaststätten weiter im Regen stehen lässt, meint auch Lisa Badum, denn "am Zugang zu November-/Dezemberhilfen für Brauereien hat sich nichts geändert. Die einzige Erleichterung für die Gastwirte ist, dass sie keinen Nachweis mehr erbringen müssen, dass Fassbier indirekt für Gastronomie verwendet wird." Weiter erklärt sie, dass Fassbier schon vorher in den Gaststättenumsatz eingerechnet werden konnte: "In der Sache hat sich also für die Brauereigaststätten nichts verändert und die wirtschaftliche Not ist nicht behoben. Ich fordere die Bundesregierung eindringlich auf, dieses einfach zu lösende Problem, was wenige Akteure überhaupt betrifft, endlich zu beheben." Denn schließlich gehe es um Familienbetriebe, wirtschaftliche Existenzen und um die fränkische Identität und Kulturlandschaft.