Ordentlich aufgestapelt liegen dicke, entrindete Holzstämme am Waldrand. Gerade von dieser Seite aus wirkt der Wald eher ausgelichtet. Neben den Holzstämmen wartet ein übergroßer Haufen aus Fichtenästen darauf, gehäckselt zu werden. Forstamtsrat Stefan Ludwig schneidet ein Stück Rinde aus. Gänge sind deutlich sichtbar. Aber Ludwig sieht mehr: ein kleines braunes Käferchen, das auf den ersten Blick nur der geübte Fachmann erkennt. Doch so klein der Borkenkäfer auch ist, er richtet enormen Schaden an.

Der Wettlauf mit der Zeit hat begonnen, vor allem, wenn der dringend notwendige Niederschlag kommt. Denn vorher muss der Käfer aus dem Wald und das bedeutet, die befallenen Bäume müssen gefällt und herausgezogen werden. "Die Waldbesitzerin hier hat vorbildlich gehandelt", lobt Michael Kreppel, Forstdirektor vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg. Die Waldbesitzerin hat unverzüglich reagiert, als sie den Käfer entdeckte, obwohl die Baumkronen noch grün waren und der untere Stamm äußerlich noch gesund wirkte. Gerade das gehört neben Einbohrlöchern und Spechtabschlägen zu den Alarmsignalen, dass der Käfer hier sein Winterquartier bezogen hat - mit schweren Folgen für die heimische Fichte.

Zwar fliegt der Käfer jetzt nicht mehr und ein Neubefall ist deshalb nicht möglich. "Aber in Fichten, die im Spätsommer befallen wurden, entwickelt sich die Brut auch im Winter weiter", sagt Kreppel. An der braunen Farbe des Käfers erkennt Stefan Ludwig, dass es sich um die letzte Brut handelte. Es war wichtig, den Baum zu fällen. Wäre nicht gehandelt worden, hätten sich die Käfer weiterentwickelt, die Rinde würde abfallen, die Nadeln in den Kronen würden sich braun oder rot färben.

Zwei Hektar sind befallen. Gräfenberg habe sich zu einem Schwerpunktgebiet entwickelt, was den Befall mit Borkenkäfern betrifft, informiert Matthias Kraft von der Waldbesitzervereinigung (WBV) Fränkische Schweiz. Deshalb appellieren Kreppel und Ludwig an die Waldbesitzer, ihre Bäume zu inspizieren und zu kontrollieren, auch im Winter. Die Waldbesitzer sind sogar gesetzlich dazu verpflichtet. Die zuständigen Revierleiter beraten die Waldbesitzer.

Drei Viertel der Wälder im Landkreis Forchheim befinden sich in Privatbesitz. Das ist eine Besonderheit in Bayern. Allerdings handelt es sich um relativ kleine Wälder, im Durchschnitt hat ein Besitzer 1,5 Hektar Wald. Umso wichtiger ist es, geschädigte Bäume rechtzeitig zu fällen. Beim Fällen könne die Waldbesitzervereinigung oder ein Dienstleister unterstützen. Wie gefährlich der Käfer ist, zeigt eine einfache Rechnung. 300 Käfer reichen, um eine Fichte umzulegen - bei normaler Witterung. Bei Trockenheit wie in den vergangenen Jahren reicht die Hälfte an Käfern.

Und noch eine Besonderheit gab es in diesem Jahr: "Es war heuer erstmals, dass die Krone rot ist, während der Käfer noch drin ist. Sonst hat es Monate gedauert", erklärt Kraft. Da war der Baum dann schon sehr geschwächt. Die Trockenheit kommt also dem Käfer zugute. Die Fichte jedoch braucht Feuchtigkeit, um Harz zu produzieren und damit die Käfer abzuwehren. Ob ein Baum gefällt werden muss, ist immer eine Einzelfallentscheidung, gerade wenn der Stamm unten noch grün ist. Die Fichte durchläuft durch den Käferbefall unterschiedliche Stadien. Zwischen dem Holz und der Rinde fließt Zuckersaft. "Davon lebt der Käfer", sagt Ludwig. Wo die Brut groß ist, fällt die Rinde ab, die Kronen lichten sich und die Nadeln färben sich rot.

"Ein Weibchen legt 60 Eier. Davon sind 30 Weibchen, die wieder je 60 Eier legen. Das wird von Welle zu Welle mehr", erläutert Kraft und zeigt damit an, wie durch das exponentielle Wachstum die Gefahr für den Wald steigt. Ein befallener Baum kann 20 andere anstecken.

"Wir hoffen, im nächsten Jahr keine solchen Probleme zu haben, wenn wir im Winter alles rausgebracht haben", sagt Kreppel. Für die Waldbesitzer gibt es jedoch auch zwei gute Nachrichten. Zum einen konnte der Dachverband aufgrund des Forstschadensausgleichsgesetzes neue Rahmenverträge schließen und damit durch leicht steigende Holzpreise für die Waldbesitzer eine Kostendeckung erreichen. Zum anderen erhalten die Waldbesitzer eine Förderung von fünf bis 30 Euro pro Festmeter. "Wenn das befallene Holz möglichst rasch herausgenommen wird, werden keine Insektizide benötigt", nennt Ludwig einen weiteren Vorteil für die Umwelt.