Forchheim
Musik

Besonderer Gruß aus Forchheim: Advent ist, wenn das Telefon klingelt

Reinhold und Annelore Schmidt aus Forchheim erfreuen Freunde und Bekannte mit einem Ständchen - per Telefon. Und damit lösen sie bei vielen große Freude aus, sogar in Frankreich.
Annelore und Reinhold Schmidt spielen
Annelore und Reinhold Schmidt spielen "Ständerla". Foto: Mike Wuttke
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Als kürzlich Gisela Heiser in Buckenhofen einen Telefonanruf entgegennahm, meldeten sich zwei Instrumente: Akkordeon und Flöte. Mit dem Volkslied "Es wird scho glei dumpa" zauberten sie Adventsstimmung in die Wohnstube. Gisela Heiser rief ihren Mann Eberhard, stellte das Telefon auf Mithören, und beide lauschten den zwei Strophen.

Die Musik spielten Annelore und Reinhold Schmidt, die mit den Heisers befreundet sind. Sie hatten die Idee, in dieser besonders schwierigen Corona-Zeit, in der auf viel menschliche Nähe verzichtet werden muss, Freunden und Bekannten "a Ständerla" zu spielen. Inzwischen haben sie an die 30 musikalische Anrufe getätigt. Und damit lösen sie Freude und Dankbarkeit aus. Das erfahren sie im anschließenden Gespräch.

Bis nach Sachsen und Frankreich

"Es ist uns ein Bedürfnis, auf diesem Weg adventliche Besinnung weiterzugeben", erklärt Annelore Schmidt. Grüße senden sie über den engeren Kreis hinaus bis nach Sachsen, an die Saar und nach Frankreich, wo sie aus Zeiten des Madrigalchors treue Freunde haben. Ständchen durch das Telefon spielten sie bisher schon zu Geburtstagen oder ans Krankenbett.

Das Ehepaar sitzt beim Musizieren vor einem großen, mit Sternen behängten Fenster im Wohnzimmer. Flöten aller Größen und mittelalterlich anmutendes Instrumentarium verraten, dass ihr Zusammenleben von Musik begleitet ist. In den Anfangsjahren haben sie mit ihren Kindern musiziert, als Wolfgang Schrüfer und Pfarrer Emil Köhler die "Adventsflöten" für die Gottesdienstbegleitung in der Pfarrkirche ins Leben riefen. Später wurden die Schmidts als Familienmusik "Melodeyen Compagney" bekannt, als sie mit Mittelaltermusik auftraten.

Und was spielen sie? "Immer ein Stück und davon zwei Strophen", verrät Reinhold Schmidt: Volkslieder wie "Kein schöner Land" oder "Wahre Freundschaft", das beschwingte "Lustige Brüder", "Guten Abend, gut Nacht", Adventslieder oder eine Eigenkomposition. Auch Wünsche werden erfüllt. Einem befreundeten Paar spielten sie den "Loisachtaler", und als Annelore Schmidt dazu ermunterte, "Jetzt dürft ihr tanzen", da taten es die Adressaten auch. Jetzt hätte man Skype oder Messenger gebraucht, um das zu sehen. Aber Musik aus dem Telefonhörer ist heute außergewöhnlich und wie eine kleine Insel in einer voll gestreamten Welt.