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Forchheim
Justiz

Beim Sex erwischt: 34-Jähriger schlägt Nebenbuhler in Autohaus zusammen

Vor dem Amtsgericht Bamberg ist eine gefährliche Körperverletzung in Forchheim verhandelt worden. In einem Autohaus war es nachts zur Sache gegangen.
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Zwei Jahre Haft bekam ein 34-jähriger Lette, der kurz vor Weihnachten einen Autohändler aus dem Raum Forchheim krankenhausreif geprügelt hatte. Das Schöffengericht am Amtsgericht Bamberg sah es als erwiesen an, dass der Handwerker, der seit drei Jahren in Deutschland lebt, aus Eifersucht eine gefährliche Körperverletzung begangen hatte. Das Opfer leidet noch heute unter den Spätfolgen.

Geahnt hat es Viesturs E. (Name geändert) schon länger. Nun sieht er es mit eigenen Augen. Seine Lebensgefährtin hat einen anderen. Noch dazu einen, der ihr Vater sein könnte. Dabei geben sich die beiden keine Mühe, das Stelldichein zu verheimlichen. Im leeren Autohaus geht es zur Sache. Von außen hat man des Abends durch die verglaste Fassade und dank der Beleuchtung beste Sicht auf das nicht jugendfreie Geschehen. Schon ist der Chef des Ladens nackt. Seine Gespielin freilich hat ihre Klamotten an - noch.

34-Jähriger schlägt Nebenbuhler nieder: "Er sah aus wie tot"

Dann stürmt Viesturs E. ins Gebäude. Er nutzt das Überraschungsmoment, schubst sie zur Seite und schlägt seinen Nebenbuhler nieder. Doch bei einem wuchtigen Fausthieb bleibt es nicht. Eine ganze Reihe von Treffern verwandelt das Gesicht des Autohändlers in eine breiige Masse. Die später von der Polizei aufgenommenen Fotos erschreckten nicht nur den Vorsitzenden Richter Michael Herbst und seine Schöffen. Auch der Vertreter der Nebenklage zeigte sich erschüttert: "Er sah darauf aus wie tot." Rechtsanwalt Norbert Schreck aus Erlangen forderte für seinen Mandanten denn auch 20.000 Euro Schmerzensgeld, bekam im Urteil aber nur die Hälfte zugesprochen. Der Gewaltausbruch mit deutlich mehr als zehn Schlägen ist so heftig, dass sich Viesturs E. selbst an den Handknöcheln verletzt.

Die Gewalt endet auch nicht, als der Besitzer des Autohauses wehrlos am Boden liegt. Mit dem Fuß tritt Viesturs E. zu, gezielt in die Genitalien. Offensichtlich erschrickt Viesturs E. plötzlich vor sich selbst. Kurzerhand ruft er den Rettungsdienst, obwohl das der Autoverkäufer verhindern möchte. Schließlich liegt er nicht nur im eigenen Blut, er hat auch noch immer keinen Fetzen Kleidung am Leib. Also zieht Viesturs E. ihm notdürftig Unterhose, Hose und Socken an. Als die Frau aus Nigeria ihren Lebensgefährten zur Besinnung gebracht hat, da hat der seinem Gegenüber bereits das Nasenbein zertrümmert, den Brustkorb heftig geprellt, eine Kopfplatzwunde zugefügt, die Oberlippe aufgeschlagen, den Kiefer demoliert und einen Zahn abgebrochen. Von einer lebensbedrohlichen Situation sprach Staatsanwältin Annette Mahr während des Prozesses und konnte sich dabei auf ein rechtsmedizinisches Gutachten der Universität Erlangen-Nürnberg berufen. Sie forderte denn auch zweieinhalb Jahre Gefängnis.

Von all dem wusste das Opfer des Angriffs im Zeugenstand nichts mehr. Seine knapp zwei Promille Alkohol im Blut und die massiven Schläge auf den Kopf hatten die Erinnerung gänzlich ausgelöscht. Nur die Vorgeschichte wusste er noch zu erzählen: wie er die Schwarzafrikanerin gefragt hatte, ob sie nicht seinen Haushalt besorgen wolle; wie sich aus dem Feuchtdurchwischen eine Sexaffäre ergeben habe; wie er der dreifachen Mutter im Gegenzug immer wieder einen 50-Euro-Schein zugesteckt hätte. Einmal "lieh" er ihr sogar 300 Euro für die Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung. Die junge Frau hatte den arbeitslosen Viestturs E. gegen den berechnenden, aber wohlhabenden Geschäftsmann eingetauscht. Immer wieder kam sie zum "Kundendienst" in das Autohaus, meistens nachts.

Keine Bewährung - Opfer kann seit Attacke nicht mehr richtig durch Nase atmen

Eine Bewährungsstrafe, wie vom Verteidiger Ralf Kämmer angestrebt, kam nicht zustande. Der Rechtsanwalt aus Bamberg hatte pragmatisch argumentiert. Wenn sein Mandant auf freien Fuß käme, dann könne er wieder arbeiten. Das erhöhe die Chancen, dass das Opfer der gefährlichen Körperverletzung sein fünfstelliges Schmerzensgeld bekäme. Freilich wird es damit nicht getan sein. Denn seither klagt der Geschädigte darüber, dass er nicht mehr richtig durch die Nase atmen kann, dass er immer wieder spontan Kopfweh bekommt, dass er auf dem linken Auge deutlich schlechter sehe als vor der Attacke. Dass es dennoch nur zwei Jahre wurden, lag auch an der siebenmonatigen Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Bamberg, dem Geständnis des Angeklagten und nur einer kleinen Vorstrafe wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr. Am Ende redete Richter Herbst Viesturs E. ins Gewissen: "Sie müssen hinter Gitter, damit Sie in sich gehen."

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