FT: Welche Visionen verbinden Sie mit Baiersdorf im Jahr 2020?
Matthias Götz: Ich stelle mir eine bunte, lebenswerte Stadt mit einer lebendigen und solidarischen Bürgergesellschaft vor, in der jeder Einzelne die Voraussetzungen vorfindet, um seine persönlichen Vorstellungen von Lebensglück und Erfolg umzusetzen, in der aber auch jeder die Bedürfnisse der anderen und des Gemeinwohls nicht aus den Augen verliert. Die Politik muss dafür die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, etwa indem sie für eine lebensfreundliche Umwelt und soziale Sicherheit sorgt, die öffentliche Infrastruktur pflegt und die regionale Wirtschaft fördert. Vor allem aber muss sie die Bürger viel stärker als bisher informieren und in die politischen Entscheidungsprozesse mit einbinden.
Andreas Galster: Wir werden in den kommenden Jahren auf Grund der starken Nachfrage nach Wohngebieten und nach Gewerbeflächen weiter wachsen. Dabei ist das Wachstum sozialverträglich und ökologisch sinnvoll zu gestalten. Baiersdorf soll für alle Bevölkerungsgruppen ein beliebter Wohnort und für alle Gewerbetreibende ein attraktiver Standort bleiben. Insbesondere der Ausbau der Kinderbetreuung und die Modernisierung der vorhandenen Kindergärten ist hier der Aufgabenschwerpunkt. In Hagenau wird noch in diesem Jahr endlich die erste Kinderbetreuungseinrichtung östlich der Eisenbahn entstehen und wenn es klappt, entsteht daraus Zug um Zug ein Kindergarten, der die Kinder vom ersten Lebensjahr bis zur Einschulung beheimatet. Gleichzeitig muss die Generalsanierung des Kindergartens in der Blumenstraße durchgeführt werden, um auch dort die Voraussetzungen für eine moderne Kinderbetreuung zu schaffen.

Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie Mittelschule in Baiersdorf hören?
Matthias Götz: Die Mittelschule in Baiersdorf ist eine sehr gute Schule mit einem zu Recht ausgezeichneten Ruf. Ich werde mich auch weiterhin dafür einsetzen, dass die Schüler und Lehrer jede notwendige und mögliche Hilfe und Unterstützung von der Stadt bekommen. Zusätzlich arbeite ich aber auch weiterhin dafür, Baiersdorf als hochwertigen wohnortnahen Schulstandort zu erhalten und auszubauen: Die Ansiedlung einer Realschule wäre ein Weg, aber Baiersdorf ist sicher auch ein äußerst geeigneter Standort für eine Regional- oder Gemeinschaftsschule, wenn die Landesregierung endlich den Weg für solche sinnvollen Schulmodelle freimachen würde.
Andreas Galster: Die Mittelschule muss sich einem Schulverbund anschließen und somit die Kooperation mit Erlangen oder Forchheim suchen. Möglicherweise findet dann der M-Zugunterricht nicht mehr oder nur teilweise in Baiersdorf statt.
Die Schulleitung sieht mittlerweile die künftige Entwicklung der Mittelschule auch kritisch und will jetzt eigene Vorstellungen über die Ausgestaltung einer Kooperation zwischen Realschule und Mittelschule erarbeiten und der Schulverbandsversammlung vorlegen. Ziel aller künftigen Bestrebungen muss es sein, den Kindern aus unserer Region eine Real- und Mittelschulausbildung wohnortnah zu ermöglichen. Da sind auch die Lehrkräfte in der Pflicht, ihren Beitrag zu leisten. Eine leere Schule in Baiersdorf und überfüllte Realschulen in Erlangen, Höchstadt und Forchheim nützen den Lehrern nichts und erst recht nicht unseren Kindern.

Welche Assoziationen verbinden Sie mit Hochwasserschutz? Wie soll es weitergehen?
Matthias Götz: In den letzten Jahren haben wir für den Hochwasserschutz sehr aufwändig und genau planen lassen; das war richtig und sinnvoll. Jetzt erwarten die Baiersdorfer aber zu Recht, dass aus den Planungen auch endlich sichtbare Realität wird und dafür müssen wir sorgen. Der sinnvollste Weg ist meiner Meinung nach ein Zweckverband aller betroffenen Gemeinden. Wenn dafür bei einigen Kommunen momentan die Bereitschaft fehlt, dann müssen Baiersdorf und Langensendelbach auf diesem Weg vorangehen und durch eine faire und produktive Zusammenarbeit beweisen, dass diese Vorgehensweise die richtige ist. Die Themen Schule und Hochwasserschutz zeigen, dass die alte Kirchturmpolitik am Ende ist; nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Kommunen können wir wichtige Zukunftsaufgaben meistern.
Andreas Galster: Der Hochwasserschutz steht auf unserer Agenda ganz oben. Nachdem die kommunalpolitische Katastrophe der Ablehnung eines Zweckverbandes vorerst Wirklichkeit geworden ist, wollen wir umgehend eine Zweckvereinbarung mit Langensendelbach abschließen und unser Planfeststellungsverfahren beenden, damit möglichst in diesem Jahr die Ausführung der ersten und effektivsten Maßnahmen begonnen werden kann. Daneben arbeiten wir weiter daran, dass vielleicht doch noch die Vernunft einkehrt und alle Kommunalpolitiker in der Region einsehen, dass ein guter Hochwasserschutz nur ein schneller Hochwasserschutz sein kann und der wiederum ist nur in einem Zweckverband zu verwirklichen. Ein Hochwasserschutz ohne einen Zweckverband bedeutet eine langsamere und niedrigere Bezuschussung, was letztendlich dazu führt, dass der Eigenanteil der Kommunen größer wird. Angesichts der Tatsache, das wir seit dem Jahr 2007 in unserem Igelsdorf mehrmals knapp vor einer Überschwemmung gestanden sind, ist jeder Tag, der vergeht, ohne dass wir einem Baubeginn näher kommen, ein verlorener Tag. Baiersdorf wird sich ohne Zweckverband auf seine Maßnahmen konzentrieren, die wir mit unserem Budget von jährlich 300 000 Euro finanzieren können. Eine Kostenbeteiligung an Maßnahmen von Nachbargemeinden außerhalb eines Zweckverbandes ist auf Grund unserer angespannten Haushaltslage nicht machbar.

Schweinemastbetrieb zwischen Igelsdorf und Bräuningshof ist inzwischen ein Reizwort. Wie sehen Sie das Problem?
Matthias Götz: Wie der ganze Stadtrat habe auch ich von Anfang an den Widerstand der Bürger gegen den Schweinemastbetrieb unterstützt und werde das auch weiterhin tun. Allerdings sind jetzt zuerst einmal die Richter in München am Zug. Erst wenn die entsprechenden Entscheidungen gefallen sind, werden wir alle zusammen die weitere Vorgehensweise besprechen und abstimmen können.
Andreas Galster: Hier hat die Stadt Baiersdorf zwischenzeitlich ihr Bebauungsplanverfahren weiter vorangetrieben und wartet auf die Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes. Die Nachfrage nach Bauland steigt nahezu monatlich an. Das liegt an den niedrigen Arbeitslosenzahlen in unserer Region, dem hohen Zuzug von Arbeitskräften von außen und dem fehlenden Angebot von attraktiven Bauland und Wohnungen in den Großstädten der Metropolregion. Wir hoffen also, dass der Bayerische Verwaltungsgerichtshof die Notwendigkeit der städtebaulichen Entwicklung von Baiersdorf akzeptiert und warten auf die Entscheidung über die Zulassung zur Berufung gegen das Urteil des VG Bayreuth.

Die Fragen stellte Pauline Lindner.