Alexander Wolf vom Verkehrsverein Behringersmühle hat einen dicken Hals: "Nur Ruinen. Nichts geht vorwärts in Behringersmühle", schimpft Wolf, der sich beim Verkehrsverein Behringersmühle engagiert. Wolf will aber nicht mehr nur schimpfen, sondern auch handeln. Er will nun einen Fachanwalt für Verwaltungsrecht damit beauftragten, die Interessen der Menschen in Behringersmühle zu wahren.

Zuvor hat die Gemeinde Gößweinstein allerdings bis zum 11. Juli Zeit, auf ein Schreiben des Verkehrsvereins zu antworten. Die Behringersmühler berufen sich dabei auf den Eingemeindungsvertrag aus dem Jahr 1971, den der damalige Gößweinsteiner Bürgermeister Hans Brendel und sein Behringersmühler Amtskollege Andreas Wiegärtner unterschrieben haben. Diesen Vertrag sieht Wolf nun als verletzt an. So habe der Markt Gößweinstein zum Beginn der diesjährigen Tourismussaison die Sanierung der Kneippanalge versprochen. "Auf der Baustelle wird seit sechs Wochen nicht mehr gearbeitet", klagt Wolf. Er fürchtet, dass die Sanierung heuer nicht mehr abgeschlossen werden wird.

Nächstes Beispiel, nächste Klage

Touristen, die die Anlage besuchen wollen, finden dort in diesen Tagen ein Schild: "Wegen umfangreichen Sanierungsarbeiten bis zum 31. Juli geschlossen" steht da geschrieben.

Nächstes Beispiel, nächste Klage: "Vor über einem Jahr ist das Feuerwehrhaus ausgebrannt. In die Fenster des Gemeindehauses hat man Folien genagelt. Und das Verkehrsamt in Behringersmühle wurde längst geschlossen", macht Wolf seinem Ärger weiter Luft.

Im Eingemeindungsvertrag dagegen steht, dass sich die am Zusammenschluss beteiligten Gemeinden verpflichten, den Fremdenverkehr in Behringersmühle nach Kräften zu fördern und Behringersmühle nicht zu benachteiligen. Im Vertrag ist auch hinterlegt, dass Behringersmühle als selbstständiger Fremdenverkehrsort beworben wird.

Vom alldem kann laut Wolf keine Rede sein. Zudem hätten die damaligen Bürgermeister vereinbart , dass die Einnahmen aus der Fremdenverkehrsabgabe und der Kurtaxe, die in Behringersmühle eingenommen werden, auch für Fremdenverkehrszwecke Behringersmühle verwendet werden. Würden sie im jeweiligen Einnahmejahr nicht gebraucht, sollen sie laut Vertrag einer Sonderrücklage "Fremdenverkehr Behringersmühle" zugeführt werden.
Außerdem wurde vertraglich geregelt, dass die Feuerwehr Behringersmühle erhalten bleibt. Von allen diesen Vereinbarungen will man heute in Gößweinstein scheinbar nichts mehr wissen.

"Moralische Verpflichtung"

Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) bekannte unlängst, dass er diesen Vertrag bis vor Kurzem gar nicht gekannt habe. Im Gemeinderat las er aus dem Brief des Verkehrsvereins Behringersmühle vor, in dem es hauptsächlich um die Sanierung der Kneippanlage und die Klärung die Rechtsfähigkeit des Eingliederungsvertrages aus dem Jahre 1971 geht.

In dem Schreiben wird der desolate Zustand des Gemeindehauses beklagt und die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle für Touristen in Behringersmühle gefordert. "Seit Jahren versuchen engagierte Bürger und die Mitglieder des Verkehrsvereins, Lösungen für die völlig verkommene touristische Infrastruktur von Behringersmühle zu finden", sagt Wolf.

Im Wesentlichen geht es um eine "Alternative zu der Verkehrsamtsruine", die Kneippanlage und Eisstockbahn sowie die fehlenden Wanderinformationen. Auch die öffentliche Toilette musste inzwischen zugesperrt werden. "Sie ist in einem erbärmlichen Zustand", klagt Wolf.
Bittsteller wollen die Behringersmühler nicht sein. Sie verweisen allein auf den Eingemeindungsvertrag. "Selbst wenn er seine Rechtskraft verloren haben sollte, hat der Markt Gößweinstein eine moralische Verpflichtung", sagt Wolf. Diese erstrecke sich auf die Pflicht, das Vermögen von Behringersmühle zu erhalten und seine touristische Infrastruktur zu pflegen. Davon könne heute allerdings beim besten Willen keine Rede mehr sein.