Einen ungewöhnlichen Nistplatz hat sich ein Storchenpaar in Baiersdorf ausgesucht. Auf dem über zehn Meter hohen Funkmast am Bahnhof errichteten die Vögel einen kunstvollen Eigenbau - unmittelbar zwischen den Gleisen und der Autobahn. "Der Lärm von unten stört die Tiere kaum. Inwieweit die direkte Strahlung des Mobilfunks schädlich ist, wurde jedoch noch nicht erforscht", berichtet die Ornithologin Oda Wieding vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV).

Bereits im letzten Jahr hatten die beiden Störche an der selben Stelle ein Spielnest gebaut, das umgehend entfernt wurde. Jetzt ist es für so eine Maßnahme allerdings zu spät. Laut einer Sprecherin der Deutschen Bahn befinden sich Eier im Nest. Deshalb ist eine Beseitigung aus Naturschutzgründen ausgeschlossen.

Bis Herbst dürfen die Tiere nun bleiben, der Zugfunk werde nicht behindert.
Um sie in Zukunft vom Mast fernzuhalten, werde nach der Aufgabe der Brutstelle eine abschreckende Vorrichtung installiert.


Umzugsgründe rätselhaft

Warum die Weißstörche ihren angestammten Horst auf dem Dach der Gaststätte "Zum Storchennest" verlassen haben und auf den Funkmast ausgewichen sind, ist nicht geklärt. Momentan befindet sich neben ihrer ursprünglichen Heimstätte eine Großbaustelle. Das Wohnquartier "Am Storchennest" wird dort gebaut. Ein Kran, der von den Tieren als Bedrohung wahrgenommen worden sein könnte, steht seit zwei Wochen still.

Laut dem Bauträger Paulini Bau Partner sind die Vögel schon vor dem Einsatz des Krans dabei beobachtet worden, wie sie Nistmaterial in Richtung Bahnhof transportierten. Und auch der Abriss der alten Mälzerei auf dem Gelände im vorherigen Jahr habe sie nicht gehindert, erfolgreich fünf Junge aufzuziehen.

"Wir haben die Lage mit Experten besprochen und bieten den Tieren in den nächsten Tagen einen Ersatzstandort an. Der Schornstein auf dem Dach des Gebäudes am Kirchenplatz 11 wird mit einem Gestell aus Metall präpariert. Zudem werden die Ziegel mit Kalk bestäubt", erklärt der Geschäftsleiter der Stadt Baiersdorf, Klaus Hutzler.

Außerdem eignet sich der Platz, weil sie ihn auf dem Weg zur Nahrungssuche in den Wiesengrund regelmäßig überfliegen. Am Bahnhof hat der Erlanger Storchenvater Michael Zimmermann seine Schützlinge in den letzten Tagen beobachtet.

Er vermutet allerdings schlechte Nachrichten: "Die Störche kopulieren wieder. Obendrein stehen sie häufig im Nest und wechseln sich nicht wie üblich mit Brüten und Jagen ab. Eventuell haben sie den Nachwuchs also aufgegeben. Wir müssen einfach abwarten."

Auf lange Sicht wünschen sich alle Beteiligten eine Rückkehr der Bewohner auf ihren traditionellen Horst auf dem Dach des Restaurants "Zum Storchennest" neben dem neuen Wohngebiet "Am Storchennest".