Am Donnerstag stand ein ehemaliger Krankenpfleger aus Baiersdorf vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Erlangen. Dem 31-Jährigen wurde zur Last gelegt, in 28 Fällen Fentanyl aus der Unfallchirurgie in Erlangen geklaut zu haben. Er wurde des Weiteren beschuldigt, zweimal für jeweils 50 Euro 3,5 Gramm Cannabis gekauft zu haben.

Der Beschuldigte legte bereits gegenüber der Polizei ein umfassendes Geständnis ab. Bei der Verhandlung ging es darum, wie hoch Schöffen und Richter das Strafmaß festlegen. Die Vertreter der Verteidigung, Nicole Obert und Philipp Schulz-Merkel, baten um eine nicht öffentliche Verständigung. Sie zogen sich mit Staatsanwalt Florian Weber, Richter Wolfgang Gallasch und den beiden Schöffen zurück. Die Verständigung sah folgendermaßen aus: Eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren auf Bewährung. Als Auflagen soll er bis zu 4500 Euro zahlen, seine Drogenabstinenz nachweisen und die psychotherapeutische Drogentherapie fortführen.


Betäubungsmittelbuch gefälscht

Der Angeklagte erklärte, dass er das erste Mal während seiner Lehre Kontakt mit illegalen Drogen hatte. Am Wochenende hätte er früher gelegentlich Cannabis konsumiert. "Aber dann ist es über die Jahre immer mehr geworden", rekonstruierte er seinen Weg in die Drogensucht. Als er beim chirurgischen Zentrum des Universitätsklinikums Erlangen-Nürnberg als Krankenpfleger anfing, bekam er Zugang zu den Betäubungsmitteln der Station. Im Laufe der folgenden zwei Jahre entwendete er immer wieder Schmerzmittel und fälschte das Betäubungsmittelbuch, um seinen Diebstahl zu verschleiern. Er trug Patienten ein, die nie oder nicht mehr in Behandlung waren, oder benannte Empfänger, die keine oder weniger Fentanyl-Pflaster von den zuständigen Ärzten verordnet bekamen. Durch die Diebstähle entstand dem Universitätsklinikum ein Schaden in Höhe von 515,50 Euro.

"Der einfache Zugang hat ganz klar die Tat begünstigt", sagte Verteidiger Schulz-Merkel. "Er hat teilweise nur existierende Listen weiterführen müssen." Darüber hinaus erklärte er, dass der nach dem Auffliegen des Betrugs veranlasste Strafbefehl den Angeklagten gehörig eingeschüchtert habe. Das wäre ihm eine Lehre gewesen und er hätte erkannt, dass er seine Drogensucht überwinden müsse. Er suchte sich eine Gruppentherapie und begab sich in die Suchtambulanz. Ab diesem Moment stellte er außerdem seinen Drogenkonsum komplett ein, was er mit Drogentests nachwies.
Richter Wolfgang Gallasch war beeindruckt von dem konsequenten Drogenverzicht: "Ich kenne eine Schöffin, die mir gesagt hat, dass es echt schwer war davon runterzukommen. Wohlgemerkt hatte sie es wegen einer Verletzung nur ein paar Mal verschrieben bekommen." Dass der Weg aus der Drogensucht nicht leicht sei, bestätigte der Angeklagte: "Ich bin wirklich froh, dass ich erwischt wurde. Ich weiß nicht, ob ich alleine aus dem Teufelskreis hätte ausbrechen können." Er würde sich sehr darüber freuen, da er "jetzt endlich ein drogenfreies Leben" führen könne.

Auch wenn er seit dem Beginn der Ermittlungen einen positiven Lebenswandel vollzogen hatte, so hatte er sich dennoch eine "große Menge" Betäubungsmittel durch Diebstähle angeeignet. "Hätten Sie eine solche Menge verkauft, würde dieser Fall ganz klar vor dem Landesgericht verhandelt werden", sagte Staatsanwalt Florian Weber in seinem Schlussplädoyer. Als strafmildernd führte er die Kooperationsbereitschaft des Angeklagten an. Dieser hätte nicht nur bei der Rekonstruktion der Diebstähle geholfen, sondern identifizierte auch den inzwischen verurteilen Dealer, von dem er das Cannabis gekauft hatte.

Der 31-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Geldauflage in Höhe von 4000 Euro verurteilt. Die Summe muss er an die Initiative Krebskranker Kinder zahlen. Zudem muss er seine Therapie und die Drogenscreenings fortsetzen. Außerdem muss er den entstandenen Schaden von 515,50 Euro bei dem Universitätsklinikum erstatten. Richter Gallasch gab ihm mit auf den Weg: "Sie sind in stabilen Lebensverhältnissen und auf einem guten Weg Ihre Sucht zu überwinden. Wir hoffen, dass das auch so bleibt."


Fentanyl - ein gefährliches Opioid

Mittel Fentanyl ist ein synthetisches Opioid und bei gleicher Menge bis zu 50-mal stärker als Heroin. Bei Krebserkrankungen und bei Verschleißerscheinungen der Gelenke kommt Fentanyl medizinisch zum Einsatz.

Tote In Bayern hatten in den vergangenen Jahren 15 bis 30 Prozent der Drogentoten eine Überdosis Fentanyl eingenommen.